Freitag, 05. Februar 2010
Seelische Dimension berücksichtigen: Transplantierte besser betreuen
Eine dringend notwendige psychologische Betreuung von Organtransplantierten findet in der Regel leider nicht statt. Damit wird der Erfolg der gesamten Behandlung gefährdet.
12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Organ.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Psychotherapeuten fordern eine bessere seelische Betreuung von Patienten mit Organverpflanzungen. "Wer die psychische Dimension einer Transplantation vernachlässigt, gefährdet den Erfolg der gesamten medizinischen Behandlung", sagte die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, Monika Konitzer, am Freitag in Düsseldorf. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, gehöre eine professionelle psychische Versorgung dieser Patienten in den Transplantationszentren nicht zur Regel.
Es fehle an "qualitativen Mindeststandards" für die Beratung, Diagnostik und Behandlung von seelischen Krisen und Krankheiten, die mit einer Organverpflanzung verbunden sein könnten. Jeder Patient solle nachfragen, ob das Zentrum über ein qualifiziertes psychosoziales Angebot verfüge, erklärte Konitzer.
In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein geeignetes Organ. Jeden Tag sterben nach Expertenangaben drei Patienten, die auf den Wartelisten stehen. Der seelische Druck, der etwa durch Warten, Angst vor möglicherweise tödlicher Gewebeabstoßung oder durch das Bewusstsein entsteht, mit dem Organ eines Toten zu leben, könne Patienten bis zum Selbstmord treiben. Nach jüngsten Erhebungen setzten sechs Prozent der Nierentransplantierten ihrem Leben selbst ein Ende, erklärte Burkhard Tapp vom Bundesverband der Organtransplantieren (bdo). Kinder entwickelten vielfach Verhaltensauffälligkeiten.
dpa
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