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Übergewicht ist bereits ein globales Problem.
Übergewicht ist bereits ein globales Problem.(Foto: imago/Ralph Peters)

Wann Dicksein krank macht: Übergewicht ist nicht nur Veranlagung

Alle diejenigen, die glauben, dass ihr Übergewicht angeboren sei, leben ungesünder - und sind es schließlich auch. Nach dem Motto "Ich kann ja sowieso nichts daran ändern" wird weder auf gesunde Ernährung geachtet noch Sport getrieben.

Genetische Veranlagungen entscheiden zwar mit darüber, ob jemand dünn oder dick wird und leichter oder schwerer abnehmen kann – bei Weitem aber nicht allein. Dennoch hält sich bei vielen Menschen die Annahme, es sei angeboren, ob jemand dick oder dünn ist. Für das eigene Verhalten kann das fatale Folgen haben, erläutern die Psychologen Mike Parent und Jessica Alquist von der Texas Tech University in Lubbock im Fachjournal "Health Education und Behavior". Wer Gewicht für genetisch festgelegt halte, lebe im Mittel weniger gesund - und sei es als Folge auch.

Die Forscher hatten Daten von knapp 4200 Männern und 4700 Frauen zwischen 18 und 79 Jahren ausgewertet, die entweder von den Teilnehmern selbst gemacht oder von Medizinern aufgezeichnet wurden. Erfragt wurde unter anderem die Zustimmung auf einer Skala von 1 bis 5 zu der Bemerkung: "Einige Menschen werden zum Fettsein geboren und andere dünn, es gibt nicht viel, was man tun kann, um das zu ändern." Notiert wurden jeweils auch Angaben zu körperlicher Aktivität, Ernährung, Alter, Größe und Gewicht sowie zum Gesundheitszustand und zum Blutzuckerwert (als Marker für das Diabetes-Risiko).

Weniger Obst, weniger Sport

Übergewicht muss nicht zwingend träge machen.
Übergewicht muss nicht zwingend träge machen.(Foto: imago/Westend61)

Das Ergebnis: Menschen, die das Körpergewicht als angeborene Eigenschaft ansahen, ernährten sich mit steigendem Alter im Mittel weniger gesund als diejenigen, die das Gewicht als beeinflussbar betrachteten. Sie aßen mehr Fertigessen aus dem Kühlregal, achteten weniger auf die Nährstoffangaben auf Lebensmittelverpackungen und auch weniger darauf, Obst und Gemüse im Haus zu haben, schreiben die Forscher. Der Glaube an ein vererbtes Gewicht war zudem mit weniger sportlichen Aktivitäten verbunden.

"Wenn jemand glaubt, dass Körpergewicht nicht durch Diäten und körperliche Aktivität beeinflusst werden kann, entscheidet er sich eher für kurzfristig belohnende Verhaltensweisen wie ungesundes Essen oder Faulsein, statt für gesunde Dinge mit langfristigen Vorteilen fürs Gewicht", erklären die Autoren. "Wollen Ärzte ihre Patienten zu gesünderer Lebensweise animieren, sollten sie die Vorstellung bekämpfen, dass Gewicht reine Veranlagung ist."

Übergewicht und Folgeerscheinungen

In den USA und vielen anderen Ländern steigt die Zahl Übergewichtiger seit Jahren an, verursacht vor allem durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. In der Folge nimmt die Zahl der Menschen mit Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsarten zu. In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gut zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig.

Komplex sind nicht nur die Faktoren, die das Gewicht eines Menschen mitbestimmen - neben den Genen etwa auch die Bakterienzusammensetzung im Darm. Auch die gesundheitlichen Folgen werden nicht allein vom Maß an Übergewicht bestimmt. So ist zum Beispiel wahrscheinlich das Enzym Hämoxygenase-1 (HO-1) dafür verantwortlich, wenn übergewichtige Menschen an Diabetes erkranken. Menschen mit niedriger HO-1-Aktivität entwickeln demnach selten Folgeerkrankungen, solche mit hohem HO-1-Spiegel dagegen häufiger, berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Cell".

Und beim Faktor Bewegung ergab eine Studie, dass die Dosis über den gesundheitlichen Nutzen entscheidet: Außer Frage steht demnach, dass sich Bewegung in Maßen günstig auswirkt. Doch zu viel Training in jungen Jahren oder nach einer Herzerkrankung könne möglicherweise schädlich sein, hieß es im Fachjournal "Heart". Wahrscheinlich gebe es eine Obergrenze, jenseits derer mehr Sport keinen gesundheitlichen Vorteil bringe.

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Quelle: n-tv.de

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