Mittwoch, 30. Januar 2008
"Zeitbombe in Waldböden": Umweltschützer alarmiert
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat dem Waldzustandsbericht des Agrarministeriums eine "Tendenz zur Verharmlosung" vorgeworfen. "85 Prozent der Buchen und 86 Prozent der Eichen sind weiterhin sichtbar krank", urteilte BUND-Waldexperte Helmut Klein. "Und sie sind das Grundgerüst unserer Wälder". Von einer Erholung könne man nicht sprechen.
Eine leichte Erholung der Wälder hatte dagegen zuvor das Landwirtschaftsministerium ausgemacht. Doch auch in dem Waldzustandsbericht heißt es, dass bereits ein Viertel der Bäume schwere Schäden aufwiesen.
Nach Ansicht der Umweltschützer muss zusätzlich zum Waldbericht auch einer über den Zustand der Böden erstellt werden. "In den Waldböden tickt durch Stickstoffeinträge eine Zeitbombe", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Das schwäche nicht nur die Wälder als unverzichtbare Kohlendioxidspeicher. Freigesetzes Nitrat belaste auch das Grundwasser - und damit das Trinkwasser.
Großes Umweltproblem wird bagatellisiert
Schuld am hohen Stickstoffgehalt der Waldböden sind nach Ansicht des BUND in erster Linie die Massentierhaltung und die intensive Düngung der Felder. Das Agrarministerium, das Landwirten schärfere Auflagen machen müsste, bagatellisiere jedoch weiterhin ein großes Umweltproblem. Ein Zeichen dafür sei, dass das Ministerium den Waldzustandsbericht künftig nicht mehr jährlich, sondern nur noch alle vier Jahre veröffentlichen wolle.
Die Wälder werden nach Einschätzung der Umweltschützer aber auch durch den wachsenden Straßenverkehr geschädigt. Sie fordern deshalb weiterhin ein Tempolimit auf Autobahnen und die Verlagerung von mehr Gütern auf die Schiene. Auch die FDP-Forstpolitikerin Christel Happach-Kasan nannte den Straßenverkehr als Mit-Verursacher der Boden-Belastung. Die leichte Erholung der Wälder sei zwar ein "Lichtblick", erklärte sie. Dieser sei aber weitgehend auf die nasse Witterung des vergangenen Sommers zurückzuführen.
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