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"Es ist dringend nötig, konkret zu werden", sagt Wetterexperte Paul Becker.
"Es ist dringend nötig, konkret zu werden", sagt Wetterexperte Paul Becker.(Foto: picture alliance / dpa)

Wetterexperte über Klimawandel: "Unser Wissen reicht"

Die Konsequenzen des Klimawandels sind längst klar. Jetzt müssen den Daten Taten folgen. So sieht es der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker. Am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main erläutert Becker, wie konkrete Schutzmaßnahmen aussehen können.

Paul Becker.
Paul Becker.(Foto: dpa)

Der Klimawandel kommt, das ist in unzähligen Studien errechnet. Den Daten müssten nun Taten folgen, sagte Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Klimaschutz sei das eine, Anpassung an den Wandel das andere, erklärt er. "Es ist dringend nötig, jetzt konkret zu werden. Unser Wissen reicht, um Weichen zu stellen." Becker leitet den DWD-Geschäftsbereich Klima und Umwelt.

Klimaforscher seien sich einig, dass die Temperaturen in den nächsten Jahrzehnten steigen. Das müssten Land- und Forstwirte, Winzer, aber auch Stadtplaner berücksichtigen und dabei die demografische Entwicklung im Blick haben. So sei zu bedenken, wie sich die Wärmebelastung einzelner Stadtteile entwickle, ob die Abwassersysteme auch extreme Niederschläge in kurzer Zeit aufnehmen könnten und ob Überland-Stromleitungen im Winter Stürme, Eis und Schneelast aushielten.

Mögliche Gesundheitsgefahr durch mehr Hitze

Das alles könne in sogenannten Projektionsberechnungen untersucht werden, sagte Becker. Für die Stadt Frankfurt am Main hatte der DWD eine solche Analyse über die Entwicklung des Klimas bis Mitte des Jahrhunderts angefertigt. Laut Becker ist das ein Beispiel, wie die Daten des DWD Eingang in die Praxis finden können. So sagten die Experten des Wetterdienstes eine Zunahme der Zahl der Hitzetage voraus - eine mögliche Gesundheitsgefahr für die Einwohner. Entsprechende Planung, etwa zur Umwandlung bebauter Flächen in Grünzonen, könne die Zahl der Hitzetage deutlich verringern.

Neben zahlreichen Forschungsprojekten gibt es auch konkrete Ansätze. Als ein Beispiel nannte Becker das Hitzewarnsystem für die hessischen Alten- und Pflegeheime, das aus den Erfahrungen des Super-Sommers 2003 entstand. Damals herrschten tagelang Temperaturen von über 30 Grad, die Zahl der Todesfälle bei alten Menschen stieg deutlich.

Quelle: n-tv.de

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