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Konsum mit Verantwortung ist möglich"Verbraucher können Helden sein"

12.11.2010, 11:13 Uhr
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Dieser Turnschuh ist zu 99 Prozent aus Recyclingmaterialien hergestellt. (Foto: Terraplana)

Mit einem Paar Turnschuhen aus Recyclingmaterialien fing alles an. Wie aus einem Konsumverlangen der "Heldenmarkt" entstand, warum es zwei Messen in einem Jahr gibt und wo man nachhaltige Weihnachtsgeschenke bekommt, erklärt Saskia Dellwing im Gespräch mit n-tv.de.

Konsum gehört zum täglichen Leben, führt jedoch auch dazu, dass die globalen Probleme auf der Erde vergrößert werden. Nur die Ausbeutung von Natur und Mensch machen es beispielsweise möglich, ein T-Shirt für wenige Euro zu kaufen. Das muss nicht sein. Der "Heldenmarkt" zeigt, dass "Verbraucher eine Wahl haben, anders als bisher zu konsumieren, und zwar in allen Bereichen des Lebens", erklärt Saskia Dellwing, die Sprecherin des "Heldenmarktes".

n-tv.de: Wie kam der Veranstalter auf die Idee, eine Messe für nachhaltigen Konsum ins Leben zu rufen?

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Eine Gürteltasche aus alten Autoteilen von KaWeDe. (Foto: KaWeDe)

Saskia Dellwing: Am Anfang standen ein Paar Turnschuhe, die Lovis Willenberg in einem Greenpeace-Magazin gesehen hatte. Diese bestanden zu 99 Prozent aus Recyclingmaterialien und sahen auch noch gut aus. Die Turnschuhe überzeugten, waren aber in Deutschland nicht zu kaufen. Nur mit großem Aufwand schaffte es Lovis, die Turnschuhe zu bekommen. So entschied er sich gleich, einige Paare "Recyclingtreter" zu bestellen, die er später in seinem Plattenladen in Berlin verkaufte. Das war der Startschuss für eine Reihe von Recherchen für nachhaltig produzierte Produkte. Lovis entdeckte viele schöne und spannende Sachen, merkte aber, dass diese trotz Internet nur schwer zu finden sind. So entstand die Idee einer Bündelung in Form einer Verkaufsmesse, eben dem Heldenmarkt. Hier sollen auch kleine Firmen die Möglichkeit bekommen, ihre Produkte und Ideen zu präsentieren.

Ist es nicht - in Anbetracht der Situation auf der Erde - ein Widerspruch in sich, Konsument und Held zu sein?

Nicht unbedingt. Die Helden sind ja diejenigen, die sich Gedanken darüber machen, wie sie leben und konsumieren. Der Konsum ist ein großer Bestandteil des täglichen Lebens in Deutschland. Helden sind unserer Auffassung sowohl die Menschen in der nachhaltigen und sozial verträglichen Produktion als auch diejenigen, die sich entscheiden, die nächste Hose aus Bio-Baumwolle, die fair gehandelt wird, zu kaufen und durch diese andere Art des Konsum langfristig gedacht auch eine globale Änderung herbeizuführen.

Die Messe für nachhaltigen Konsum wird schon zum zweiten Mal in diesem Jahr in Berlin veranstaltet. Woran liegt das?

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Der Sessel Pixelstar wurde vom Arbeitskreis Recyclingbörse hergestellt. Alle Materialien sind recycelt. (Foto: Recyclingböres)

Die Nachfrage ist riesig. Die erste Messe im März dieses Jahres ist quasi aus einer Privatinitiative heraus entstanden. Wir bekamen einen riesigen Vertrauensvorschuss von den Ausstellern, und auch die Besucher waren so interessiert, dass wir uns entschieden haben, den Heldenmarkt ein zweites Mal zu organisieren. Wieder mit großer Resonanz. Da jedoch der Platz im Postbahnhof am Ostbahnhof begrenzt ist, mussten wir schon einige Aussteller abweisen. Es gibt unserer Ansicht nach in diesem Bereich eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage.

102 Aussteller sind für den kommenden Heldenmarkt gemeldet. Aus welchen Bereichen kommen die?

Es gibt Aussteller, die Bekleidung, Kosmetika, Möbel, ökologische Farben und Baumaterialien mitbringen, Finanzberater, die nachhaltige Investments vorstellen, Car-Sharing-Unternehmen, Fair-Flower-Anbieter, eine Druckerei, die ausschließlich mit Bio-Farben und Recycling-Papier arbeitet und Designer, deren Thema Nachhaltigkeit ist.

Überprüfen Sie Ihre Aussteller, bevor Sie eine Zusage geben?

Natürlich! Wir haben eine Reihe von Kriterien aufgestellt, die die Aussteller erfüllen müssen. Bei Lebensmitteln zum Beispiel lassen wir ausschließlich Bio-Produkte zu. Wenn es um Naturfasern geht, müssen diese aus biologischem Anbau stammen. Tatsächlich haben wir auch schon einige Unternehmen abgewiesen, da sie nicht unsere Kriterien erfüllen konnten. Diese Überprüfung ist wichtig, damit auch die Besucher die Sicherheit haben, dass die Produkte den Prinzipien der Nachhaltigkeit, der ökologischen Produktion und mit einer sozialen Verantwortung gegenüber den Produzierenden hergestellt und fair gehandelt werden.

Was erwartet den Besucher?

Der Heldenmarkt ist am Samstag, 13. November, von 11 bis 20 Uhr und am Sonntag, 14. November, von 11 bis 18 Uhr für Besucher im Postbahnhof am Ostbahnhof geöffnet. Neben Informationen, Workshops und Vorträgen bekommt man auch Sachen, mit denen man sich von Kopf bis Fuß neu und ökologisch nachhaltig einkleiden kann. Der Heldenmarkt ist eine gute Gelegenheit, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen, die den Prinzipien der Nachhaltigkeit entsprechen. Außerdem gibt es Bio-Essen und Live-Musik. Der Eintritt kostet 5, ermäßigt 4 Euro, Kinder bis 14 Jahre frei. Jeder Besucher nimmt mit seiner Eintrittskarte an der Verlosung von Preisen teil, die die Aussteller gespendet haben.

Mit Saskia Dellwing sprach Jana Zeh