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Laut manchen Experten muss die Fleischbranche zum Schutz des Klimas beschränkt werden.
Laut manchen Experten muss die Fleischbranche zum Schutz des Klimas beschränkt werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Bremse für Fleischbranche gefordert: Viehwirtschaft gefährdet Klima

Zwei kanadische Forscher sind der Meinung, dass sich in den kommenden 40 Jahren das Produktionsvolumen der Viehwirtschaft verdoppeln wird. Damit steigt auch der Druck auf das Klima. Daher sollte das Wachstum der Fleischbranche beschränkt werden.

Der steigende Bedarf für Fleisch und andere tierische Produkte wird sich kaum nachhaltig decken lassen. Diese Ansicht vertreten auch zwei Forscher der kanadischen Dalhousie Universität in Halifax. Um irreversible ökologische Änderungen zu vermeiden, müsse das anhaltende Wachstum der Branche beschränkt werden, erläutern Nathan Pelletier und Peter Tyedemers in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

Bereits Ende 2009 hatten der britische Popsänger Paul McCartney und der Chef des Weltklimarats (IPCC) Rajendra Pachauri dazu aufgerufen, zum Schutz des Klimas weniger Fleisch zu essen. "Wir müssen die Treibhausgase eindämmen, sie sind gefährlich für unsere Kinder und Enkel", sagte der Ex-Beatle und strikte Vegetarier. Pachauri betonte, wenn jeder Einzelne weniger Fleisch esse, erleichtere das die Aufgabe der Politiker erheblich.

Fleisch, Milch und Eier steigern Treibhausgasausstoß

Insbesondere die "Abgase" der Kühe heizen den Klimawandel an.
Insbesondere die "Abgase" der Kühe heizen den Klimawandel an.(Foto: picture alliance / dpa)

Pelletier und Tyedemers zufolge wird sich das Produktionsvolumen der Viehwirtschaft zwischen 2000 und 2050 verdoppeln. Ursache sind die steigende Nachfrage und die wachsende Weltbevölkerung. Damit steige der Druck auf die Ökosysteme und das Klima. Nach Angaben des IPCC sei die Landwirtschaft allein für 10 bis 12 Prozent der menschengemachten Klimagasemissionen verantwortlich. Rechne man die Emissionen hinzu, die durch die Umwandlung von etwa Wald in Ackerflächen entstehen, ergäbe sich gar eine Summe von 17 bis 32 Prozent.

Pelletier und Tydemers verknüpften Angaben über die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Ökologie mit Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO zur erwarteten Produktion. Das industrielle Herstellen von Fleisch, Milch und Eiern wird die Treibhausgasemissionen demnach um 39 Prozent gegenüber dem Wert von 2000 steigen lassen.

Zum Mitte des Jahrhunderts werden auch mehr Stickstoffverbindungen in die Umwelt gelangen, etwa durch Dünger. Den Berechnungen zufolge liegen die Emissionen des Jahres 2050 etwa 35 Prozent über jenem des Wertes von 2000.

Mehr Geflügel und Fisch, weniger Rindfleisch

Weltweite Bemühungen, Grenzwerte für Treibhausgasemissionen, Biomasse-Verbrauch oder Stickstoffverschmutzung nicht zu überschreiten und damit die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, würden allein durch die der Viehwirtschaft gefährdet, schreiben die Forscher.

Indem mehr Geflügel oder Fisch und weniger Rindfleisch produziert werde, ließen sich die Folgen etwas mildern. Auch Soja oder andere pflanzliche Produkte könnten stärker für die Ernährung des Menschen mit Proteinen herangezogen werden. Zentrales Ziel der Umweltpolitik sollte es sein, das Wachstum in der Viehwirtschaft zu zügeln, schreiben die Forscher.

Oder: Produktion verbessern

Bilderserie

Ganz so düster sehen Henning Steinfeld und Pierre Gerber von der FAO die Zukunft nicht. Statt den Konsum zu bremsen sollte vielmehr die Produktion verbessert werden, schreiben sie in einem Kommentar zu dem Artikel. Ihrer Ansicht nach, ließe sich die Effektivität sowohl bei der Herstellung des Tierfutters als auch bei der Haltung der Tiere selbst deutlich steigern.

Quelle: n-tv.de

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