Sonntag, 07. Februar 2010
Injektion mit 50 bar : Viren verbreiten sich mit Hochdruck
Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals gemessen, mit wie viel Energie Viren ihre Erbsubstanz in die von ihnen attackierten Zellen spritzen. Das Team um Alex Evilevitch von der Universität im schwedischen Lund kommt auf 10- Joule je Virus, das sind 0,1 Billiardstel Joule. Auf Nachfrage erklärt Evilevitch, wie viel – oder besser, wie wenig – das ist: "Das entspricht dem Energiebetrag der frei wird, wenn man 200 Atome Kohlenstoff (C) zu Kohlendioxid (CO2) verbrennt". Der Bericht ist im "Journal of Molecular Biology" nachzulesen.
Die in den Experimenten eingesetzte Apparatur (ein Kalorimeter) kann feinste Temperaturerhöhungen registrieren. Weil die Forscher jeweils mit einer Billiarde Viren gleichzeitig arbeiteten, summierte sich deren Wirkung auf einen messbaren Betrag. Dieser lag bei 0,1 Grad Celsius. Daraus ließ sich auf einen Viren-Innendruck von 50 bar schließen – PKW-Reifen kommen auf rund 2 bar.
Um sich zu vermehren, sind Viren auf einen Wirt angewiesen. Dazu hängen sich die Partikel an die Außenhülle der zu attackierenden Zelle, senken einen nadelartigen Fortsatz ins Opfer und öffnen dann eine Art Ventil, durch das sie ihre Erbsubstanz in die Zelle "schießen".
"Der Druck versetzt das Virus in die Lage, seine Gene mit hoher Geschwindigkeit in die Zelle zu bringen", erklärte Evilevitch. Nachdem diese infiziert ist, fertigt sie nach der eingeschleusten Bauanleitung neue Kopien des Virus und setzt diese frei.
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