Sonntag, 13. September 2009
Prostatakrebs: Virus ist möglicherweise Auslöser
Prostatakrebs wird möglicherweise von einem Virus ausgelöst. US-Forscher entdeckten das sogenannte XMR-Virus in rund jedem vierten von 200 untersuchten Prostatakarzinomen, wie sie in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") berichten. Bei Gesunden fand sich der Erreger dagegen nur in jeder 17. Prostata-Gewebeprobe, schreibt das Team um Ila Singh von der Universität von Utah in Salt Lake City. Das Virus trat demnach vor allem bei aggressiveren Tumoren auf.
(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
Das Xenotrope Murine Leukämievirus-verwandte Virus (XMR-Virus, XMRV) ist als Auslöser von Blutkrebs und bösartigen Weichteiltumoren (Sarkomen) bei Tieren bekannt. Beim Menschen wurde es noch nicht als Krebsursache beobachtet. Sollte sich die krebserregende Wirkung bestätigen, böte das Chancen für die Entwicklung neuer Diagnosetests, Impfstoffe und Therapien für Prostatakrebs. Viren können auch andere Karzinome beim Menschen verursachen, etwa Gebärmutterhalskrebs, Sarkome und Lymphome, also bösartige Erkrankungen des Immunsystems. Gegen Papillomviren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen, ist ein Impfstoff entwickelt worden.
"Im Moment haben wir viele Fragen"
Das XMR-Virus gehört zu den sogenannten Gamma-Retroviren, die ihr Erbgut in dasjenige der infizierten Zelle einbauen. Dabei kann es passieren, dass sich die Viren-DNA direkt neben einem Gen für das Zellwachstum einbaut. Das Zellwachstum kann dadurch gestört werden und aus dem Ruder laufen - Krebs entsteht. Virale Proteine fanden die Forscher fast ausschließlich in bösartigen Prostatakrebszellen, was nahelegt, dass eine XMRV-Infektion direkt mit der Tumorentstehung verbunden ist. Die Forscher wollen diesen möglichen Zusammenhang nun weiter untersuchen. "Im Moment haben wir viele Fragen", erläuterte Singh. "Und wir glauben, dass sich eine weitere Untersuchung lohnt."
Das Prostatakarzinom ist in Deutschland der häufigste Krebs bei Männern. Bundesweit werden derzeit rund 58.000 Prostatakarzinome pro Jahr diagnostiziert, etwa 11.000 Männer sterben an dem Krebs. Wird der Tumor rechtzeitig entdeckt, sind die Heilungschancen gut. Zur Früherkennung steht unter anderem ein Bluttest zur Verfügung, der die Konzentration eines bestimmten Proteins misst. Kritiker geben allerdings zu bedenken, dass mit diesem Test auch zahlreiche Prostatakarzinome gefunden werden, die für ihren Träger zu Lebzeiten niemals ein Problem geworden wären. Derzeit gibt es jedoch keine Möglichkeit, zwischen problematischen und unproblematischen Karzinomen zu unterscheiden. Sollte sich der Zusammenhang zwischen XMRV-Infektion und Prostatakrebs bestätigen, könnte dies möglicherweise auch Hinweise auf aggressive Karzinome geben.
dpa
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