Dienstag, 28. Juli 2009
Störung oder Überlebenschance?: Vögel reagieren auf Lärm
Ein Costakolibri.
(Foto: wikipedia)
Viele Vogelarten werden von Lärm vertrieben und lassen damit mehr Raum für andere. Wenn der Krach des Menschen räuberischen Arten stärker zusetzt als ihrer Beute, können diese Vögel in dem betroffenen Gebiet umso besser brüten. So kann der Lärm von Autos und der Industrie die Zusammensetzung von Vogelgemeinschaften ändern, schreibt Clinton Francis von der Universität in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) im Journal "Current Biology".
Hilfreich: Lärm vom Kompressor
Francis und seine Mitarbeiter versuchten, den Einfluss von Lärm von den vielen anderen Umwelteinflüssen zu trennen. Dabei stießen sie auf eine Konstellation, die wie für sie gemacht schien: eine große Reihe von Erdgasförderanlagen, die in Colorado und New Mexico in meist abgelegenen Gegenden stehen. In einem Teil dieser Anlagen lärmt Tag und Nacht ein großer Kompressor, in anderen nicht. Das Team untersuchte die Verteilung der Nester und den Bruterfolg verschiedener Vogelarten rund um die Förderanlagen. Entgegen ihrer Erwartungen unterschied sich die Zahl der Nester kaum. Die Artenzahl und die Zusammensetzung der Vogelgesellschaften zeigte jedoch trotz einer ähnlichen Landschaft deutliche Unterschiede: In der Nähe der ruhigen Anlagen nisteten mehr Arten.
Hausfinken tolerieren Krach
Trotz des Lärms der Kompressoren nisteten dort deutlich mehr mexikanische Hausfinken (Carpodacus mexicanus) und Schwarzkinnkolibris (Archilochus alexandri). Trauertauben (Zenaida mcroura) und Schwarzkopfknacker (Pheucticus macrocephalus) waren dagegen nur an ruhigen Standorten zu finden. Andere Arten nisteten zwar rund um die lärmigen Maschinen, hielten aber nach Möglichkeit einen großen Abstand ein.
Eierdieb verjagt
Zur Überraschung der Forscher zeigte sich, dass die beiden "lärmresistenten" Arten nahe der Förderanlagen besseren Bruterfolg hatten als in ruhigeren Gegenden. Den Grund fanden sie durch künstliche Ködernester: Nahe der Kompressoren wurden diese nur ein Drittel so oft vom häufigsten Nesträuber der Gegend besucht: dem kalifornischen Buschhäher (Aphelocoma coeulescens). So hilft der Krach der Pumpen indirekt einigen Arten, schließen die Biologen. Lärm sollte daher als eine Beeinflussung der Umwelt wahrgenommen werden, die nicht nur den Menschen trifft.
dpa
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