Ig-Nobelpreise 2008Von Striptease und Flöhen
Zumindest bei Striptease-Tänzerinnen scheint es einen einfachen Weg zu geben, den Zeitpunkt ihres Eisprungs zu bestimmen: die Menge des ihnen zugesteckten Geldes.
Zumindest bei Striptease-Tänzerinnen scheint es einen einfachen Weg zu geben, den Zeitpunkt ihres Eisprungs zu bestimmen: die Menge des ihnen zugesteckten Geldes.
Für diese erstaunliche Entdeckung sind Geoffrey Miller und Brent Jordan von der Universität von New Mexico in Albuquerque (USA) jetzt mit einer besonderen Auszeichnung geehrt worden: dem Ig-Nobelpreis für Ökonomie. Schon seit 18 Jahren vergibt eine Jury des Magazins "Annals of improbable research" diese Nobelpreise der anderen Art für außergewöhnliche Forschungen, die die Menschen "zunächst zum Lachen, dann zum Denken bringen". Die Jury überreichte an der renommierten Harvard-Universität in Cambridge (US- Bundesstaat Massachusetts) die undotierten Preise in zehn Kategorien.
Hundeflöhe springen weiter als Katzenflöhe
Die Preise für Biologie und Physik gingen an Forschungen, die mitten aus dem Leben stammen: Marie-Christine Cadiergues und ihre Mitarbeiter von der Ecole Nationale Veterinaire in Toulouse (Frankreich) wiesen nach, dass Hundeflöhe weiter springen können als ihre Verwandten auf Katzen. Dorian Raymer von der Scripps Institution of Oceanology in San Diego (USA) konnte endlich alle diejenigen beruhigen, die sich schon immer über verknotete Kabel oder Schnürsenkel geärgert haben. Er führte den mathematischen Beweis, dass sich alles, was lang und dünn ist, irgendwann verknotet. Einen direkten Nutzen könnte auch der Medizinpreis bringen: Dan Ariely von der amerikanischen Duke-Universität in Durham verglich die Effekte verschiedener Placebo-Medikamente - und fand heraus, dass teure Scheinmedizin eindeutig besser wirkt als billige.
Der Name der Auszeichnung, "Ig-Nobelpreis", ist ein Wortspiel, das auf dem englischen Ausdruck "ignoble" fußt, das man etwa mit schändlich, lächerlich übersetzen kann. Die Preise sind in der Forscherwelt allerdings längst kein Schande mehr, sondern ein echter Höhepunkt. Jedes Jahr wird die beliebte Veranstaltung, bei der traditionsgemäß auch Papierflieger durch den Saal sausen, nicht nur von vielen Geehrten, sondern auch von zahlreichen bekannten Forschern und sogar von Nobelpreisträgern besucht. So hielt etwa der Mathematiker Benoit Mandelbrot in diesem Jahr einen 24-Sekunden-Vortrag über Fraktale.
Schleimpilze im Labyrinth
Nicht immer orientieren sich die Ig-Nobelpreise an den Kategorien ihrer berühmten Stockholmer Vorbilder. So gab es in diesem Jahr eine Auszeichnung im Bereich Ernährungswissenschaften: Die Jury ehrte eine Expertengruppe aus Italien und Großbritannien für die Erforschung des Knackgeräuschs beim Kauen von Kartoffelchips - mit dem Ziel, die Leckerei frischer klingen zu lassen. Verliehen wurde in diesem Jahr unter anderem auch ein Preis für eine skurrile Arbeit im Bereich Verständnis und Erkenntnis. Ihn erhielt eine Gruppe von japanischen Wissenschaftlern aus Hokkaido für Studien, wie intelligent sich Schleimpilze mit den Problemen eines Labyrinths auseinandersetzen.
Ein Friedenspreis wird in Cambridge ebenfalls regelmäßig vergeben. In diesem Jahr konnte ihn Urs Thurnherr von der Eidgenössischen Ethikkommission für Genetik im außerhumanen Bereich persönlich in Empfang nehmen. Und zwar für Studien der Kommission über die Moral und die Würde von Lebewesen, die die Würde der Pflanzen einschließt.
Es ist sicher schwer, gerecht über einen Preis zu entscheiden. Daher wurde der Preis für Chemie in diesem Jahr weise geteilt. Er ging einerseits an eine Forschergruppe aus Puerto Rico und den USA, die nachwies, dass Coca-Cola Spermien abtötet - und aus Gründen der Fairness ebenfalls an Wissenschaftler aus Taiwan, die das genaue Gegenteil bewiesen.