Wissen
Freitag, 16. Juli 2010

Hygiene bei Neandertalern: Vorfahr nutzte Zahnstocher

Die Neandertaler sorgten sich offenbar um ihr Gebiss: Auf einem Backenzahn unserer Vorfahren finden Forscher Kratzspuren, die vermutlich von einem Hölzchen oder einem Knochensplitter stammen.

Erst vor wenigen Monaten wurde der Neandertaler durch eine DNA-Analyse als ein Vorfahr heutiger Menschen identifiziert.
Erst vor wenigen Monaten wurde der Neandertaler durch eine DNA-Analyse als ein Vorfahr heutiger Menschen identifiziert.(Foto: picture alliance / dpa)

Schon der Neandertaler nutzte Zahnstocher: Unverkennbare Rillen in den Zähnen deuten nach jüngsten Erkenntnissen von Wissenschaftlern auf eine intensive Mundhygiene des Urmenschen hin. So zeige ein erst vor wenigen Jahren im Neandertal nahe Mettmann gefundener Backenzahn Kratzspuren von fast sieben Millimetern Länge, fand ein deutsch-amerikanisches Forscherteam jetzt heraus. "Da hat jemand über einen langen Zeitraum wohl mit einem Hölzchen gepult", sagte der Neandertaler-Experte Ralf W. Schmitz, Fachreferent für Vorgeschichte am LVR-Landesmuseum in Bonn. "Die Kratzspur ist ganz eindeutig: immer an der gleichen Stelle, immer in die gleiche Richtung."

Neben dem erst kürzlich ausgegrabenem Backenzahn, der aus dem rechten Oberkiefer des bereits 1856 entdeckten und heute in dem Bonner Museum aufbewahrten "Namenspatrons" aller Neandertaler stammt, sei in Europa "eine Handvoll" weiterer Neandertaler-Zähne mit eindeutigen Kratzrillen bekanntgeworden.

Zahnhygiene war wichtig

Die Kratzspuren finden sich immer in der Nähe von Zahnlücken, in denen sich Fleischreste hätten festsetzen können.
Die Kratzspuren finden sich immer in der Nähe von Zahnlücken, in denen sich Fleischreste hätten festsetzen können.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Belege für den Einsatz des Steinzeit-Zahnstochers fänden sich immer dann, wenn damit "ein therapeutischer Zweck erfüllt worden ist", schildert Schmitz, der ein internationales Neandertaler-Forschungsprojekt leitet. So fänden sich die Rillen in der Nähe von Zahnlücken, in denen sich Fleischreste hätten festsetzen und zu Entzündungen führen können, sagte der Experte.

Offenbar legte der Neandertaler, der sich durch DNA-Analyse erst vor wenigen Monaten als ein Vorfahr heutiger Menschen entpuppt hat, während der ganzen Existenz seiner Art Wert auf saubere Zähne. Früheste, rund 300.000 Jahre alte Stocher-Spuren "aus der Zeit der Neandertaler-Werdung" stammen laut Schmitz aus Spanien, etwas jüngere Beweise aus Kroatien und Frankreich.

Der Bonner Zahn sei rund 42.000 Jahre alt. Ungeklärt sei für die Wissenschaft, ob der vor 30.000 Jahren ausgestorbene und weltweit bekannteste Urmensch, der fast ausschließlich Fleisch gegessen hat, zur Zahnreinigung ein Hölzchen oder vielleicht einen feinen Knochensplitter benutzt hat.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen