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Luftfahrtpionier Weißkopf könnte nun späte Anerkennung erfahren.
Luftfahrtpionier Weißkopf könnte nun späte Anerkennung erfahren.(Foto: picture alliance / dpa)

Geschichte der Luftfahrt: War ein Deutscher der erste Motorflieger?

Die Geschichte der Luftfahrt muss neu geschrieben werden - glaubt zumindest John Brown. Der Flugzeugexperte hat bei neuerlichen Forschungen über den deutschen Flugpionier Gustav Weißkopf eine spektakuläre Entdeckung gemacht.

Ein Nachbau des Flugzeugs der Wright-Brüder bei einer Jubiläumsfeier in den USA.
Ein Nachbau des Flugzeugs der Wright-Brüder bei einer Jubiläumsfeier in den USA.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Für neuen Zündstoff im jahrzehntelangen Streit um den ersten Motorflug der Welt hat der Braunschweiger Luftfahrthistoriker John Brown gesorgt. Brown ist nach 14-monatiger Forschung davon überzeugt, dass der aus Deutschland stammende Gustav Weißkopf bereits zweieinhalb Jahre vor den Gebrüdern Wright zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit mit einem Motor betriebenen Fluggerät abgehoben hat. Entsprechende Belege legte Brown im Geburtsort Weißkopfs in Leutershausen (Bayern) vor. Bisher galten die US-amerikanischen Gebrüder Wright als erste Motorflieger der Welt.

Brown, der zugleich Flugzeugbauer ist, beruft sich auf historische Zeitungsberichte und ein allerdings nur verschwommenes Bild von Weißkopfs erstem offiziellen Motorflug am 14. August 1901 in Bridgeport-Fairfield im US-Bundesstaat Connecticut. Das Bild, das bislang als verschollen galt, habe er auf einem Foto von Weißkopfs Stand auf der ersten Ausstellung des Aero Clubs America im Jahr 1906 in New York entdeckt. Es sei an einer Wandtafel angebracht gewesen. Dank moderner Fotoanalysen sei es gelungen, die darauf abgebildete Flugszene sichtbar zu machen.

Ein Vergleich mit einer auf der Grundlage dieses Fotos erstellten Zeitungslithographie weise mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass es sich um das Foto von Weißkopfs Erstflug handele. Bislang hatten Historiker unter anderem wegen eines fehlenden Foto-Belegs Weißkopfs Pioniertat in Zweifel gezogen. Mit der nun entdeckten historischen Fotografie und anderen neuen Indizien, seien die begründeten Zweifel an Weißkopfs motorisiertem Erstflug ausgeräumt, betonte der gebürtige Australier Brown.

Experte erkennt Pionierleistung an

Zudem hätten seine Recherchen die lange bei Historikern verbreitete Meinung widerlegt, Weißkopf sei technisch ein Dilettant gewesen. Über seine angebliche Pioniertat sei lediglich in der örtlichen Lokalzeitung berichtet worden. Tatsächlich sei er mit einer einfachen Internet-Recherche auf weltweit mehr als 300 Zeitungsartikel gestoßen, in denen Weißkopfs erster Motorflug seinerzeit gemeldet worden war, erläuterte Brown. Zudem sei Weißkopf ein ausgebildeter Motorenbauer gewesen, der im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts viele Motoren an Flugzeugbauer geliefert habe.

Weißkopfs Pioniertat erkannte noch am Samstagabend Paul Jackson an, Herausgeber von "Jane's All the World's Aircraft" - eine der wichtigsten luftfahrthistorischen Zeitschriften. In einer aus Großbritannien live übertragenen Stellungnahme ernannte Jackson Gustav Weißkopf zum ersten Motorflieger der Welt. Zuvor hatte er bereits auf seiner Website Weißkopfs Pioniertat gewürdigt. Wörtlich heißt es dort: "Verzögerte Gerechtigkeit ist verweigerte Gerechtigkeit" und "Die zweite Maus bekommt den Käse: Weißkopf hat die Arbeit gemacht, die Wrights haben abgesahnt."

Quelle: n-tv.de

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