Wissen
Montag, 14. November 2016

Spurensuche auf dem Display: Was Schweißrückstände auf Handys verraten

Sie sind in unseren Hosentaschen, in unseren Händen, an unserer Wange: Ein Großteil der Deutschen geht täglich mehr als hundert Mal mit dem Smartphone auf Tuchfühlung und hinterlässt dabei verräterische Spuren – zur Freude der Kriminalisten.

Ein neues Verfahren soll Profilern bei der Jagd nach Verdächtigen helfen.
Ein neues Verfahren soll Profilern bei der Jagd nach Verdächtigen helfen.(Foto: Amina Bouslimani and Neha Garg)

Chemische Spuren auf Mobiltelefonen können etwas über den Lebensstil des Besitzers verraten. Ein Team um Pieter Dorrestein von der University of California, San Diego (Kalifornien, USA) hat ein Verfahren entwickelt, das etwa Rückschlüsse darauf zulässt, welche Medikamente oder Cremes ein Handynutzer nimmt. Die Forscher sehen eine künftige Anwendung vor allem in der Kriminaltechnik: So könnten Ermittler etwa den Kreis derer eingrenzen, denen ein am Tatort gefundenes Telefon gehört. Die Wissenschaftler stellten ihre Untersuchung im Fachmagazin "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) vor.

"All die chemischen Spuren auf unseren Körpern können auf Gegenstände übertragen werden", sagt Dorrestein. Mikroskopisch kleine Mengen Schweiß bleiben am Handy oder auf anderen persönlichen Dingen hängen, und die darin vorhandenen chemischen Substanzen können durch Massenspektrometrie ermittelt werden. Dabei werden die Massen einzelner Moleküle gemessen und einem chemischen Stoff zugeordnet. Wenn man weiß, wo dieser Stoff im Alltag eines Menschen vorkommt, erfährt man etwas über dessen Lebensstil.

Dorrestein und Kollegen nahmen mit Tupfern Proben von 39 Freiwilligen: je zwei Proben von der Vorder- und Rückseite des Handys, drei Proben von der Handinnenfläche und je eine Probe der Fingerspitzen. Bei der Untersuchung stellten sie fest, dass die Handproben deutlich mehr Substanzen enthielten als die Handyproben. Dennoch waren die chemischen Profile der Hand- und Handyproben ähnlich genug, um jedes Handy seinem Besitzer zuordnen zu können.

Futter für Profiler

Bei einer Person wurde beispielsweise der Stoff Rutin gefunden, der in vielen Pflanzen vorkommt. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass die Person kosmetische Produkte auf Pflanzenbasis verwendet. Sie fanden des weiteren Avobenzon und Benzophenon-3 - Bestandteile von Sonnencremes - sowie Diethyltoluamid, eine Chemikalie zur Abwehr von Insekten. Die Forscher schlossen daraus, dass die Person sich häufig draußen aufhält, vielleicht sogar Camping macht.

Außerdem identifizierten sie Dexpanthenol, ein Wirkstoff in Feuchtigkeitscremes, und Anissäure, die oft Duftstoffen beigegeben wird. Bei der untersuchten Person handelte es sich um eine Frau, die die vermuteten Gewohnheiten auf Nachfrage bestätigte.

Auch die übrigen Probanden bescheinigten, dass die gefunden Substanzen zu ihrem Lebensstil passen. So konnten Koffein und Bestandteile von Pfeffer und Chili nachgewiesen werden. Weiterhin waren unter den Chemikalien auch eine Substanz, die typisch für Medikamente gegen Depressionen ist, ein Inhaltsstoff eines Haarwuchsmittels und ein Wirkstoff gegen Pilzbefall.

Großes Potenzial

Dorrestein und Kollegen schlagen auch eine Anwendung von chemischen Profilen in der Medizin vor: Ohne Blutuntersuchung könnte festgestellt werden, ob die Patienten ihre Medikamente nehmen oder wie sie darauf reagieren. Auch Schadstoffe, denen ein Mensch ausgesetzt ist, könnten auf diese Weise entdeckt werden.

Wie groß das Potenzial des Verfahrens noch ist, zeigt sich darin, dass in der Studie lediglich 2,3 Prozent der gefundenen Stoffe einer Referenz in einer Datenbank zugeordnet werden konnten. Das Team um Dorrestein plädiert deshalb dafür, die vorhandenen Datenbanken zusammenzuführen und zu erweitern. Das Ziel der Forscher ist ein Verfahren, das eine bestimmte Kombination chemischer Stoffe automatisch bestimmten Gewohnheiten und Lebensstilen zuordnet.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen