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Hier rot markiert: der CO2-Ausstoß auf der Nordhalbkugel. Der Globus ist Teil der Ausstellung  "Wetterbericht - Über Wetterkultur und Klimawissenschaft" in der Bundeskunsthalle Bonn.
Hier rot markiert: der CO2-Ausstoß auf der Nordhalbkugel. Der Globus ist Teil der Ausstellung "Wetterbericht - Über Wetterkultur und Klimawissenschaft" in der Bundeskunsthalle Bonn.(Foto: picture alliance / Rolf Vennenbe)
Montag, 13. November 2017

Werte waren drei Jahre stabil: Weltweiter CO2-Ausstoß nimmt wieder zu

Akteure aus 195 Ländern ringen auf der Weltklimakonferenz um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Die Notwendigkeit konsequenter Beschlüsse belegen derweil aktuelle Studien. Sie zeigen: Der CO2-Ausstoß steigt im Jahr 2017 wieder.

Nach drei Jahren Stillstand auf hohem Niveau steigt der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid im Jahr 2017 voraussichtlich wieder an. Experten zufolge werden bis Jahresende insgesamt 41 Gigatonnen Kohlendioxid (CO2), also 41 Milliarden Tonnen, in die Atmosphäre gelangt sein. Das entspricht einem Anstieg von etwa zwei Prozent. Der Großteil der CO2-Emissionen - etwa 37 Gigatonnen - entfällt dabei auf die Nutzung fossiler Brennstoffe. Die Forscher präsentieren ihre Daten unter anderem im Journal "Environmental Research Letters".

Vor allem China trage zum Anstieg der Emissionen bei, heißt es darin. Wegen der stärkeren Nutzung von Kohle als Brennstoff würden sie dort 2017 voraussichtlich um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 10,5 Gigatonnen steigen. In Indien sei der Anstieg mit 2 Prozent geringer, was vermutlich auf eine gegenwärtige wirtschaftliche Schwäche in dem Land zurückzuführen sei. Wenn sich die Wirtschaft schnell erhole, dürften die CO2-Emissionen im Jahr 2018 auch dort rasch wieder ansteigen.

Die Zeit läuft davon

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In Europa und den USA sind die Emissionen hingegen zurückgegangen - mit einer Abnahme von geschätzt 0,2 und 0,4 Prozent allerdings viel zu langsam, um dem Anstieg in anderen Regionen der Welt etwas entgegenzusetzen, schreiben die Forscher. Corinne Le Quéré vom Tyndall Centre for Climate Change Research in Norwich (Großbritannien), unter deren Leitung das globale Budget zusammengestellt wurde, sprach von sehr enttäuschenden Ergebnissen. "Dieses Jahr haben wir gesehen, wie der Klimawandel die Auswirkung von Hurrikans verstärken kann, wenn stärkere Regenfälle, höhere Meeresspiegel und wärmere Ozeane die Entstehung stärkerer Stürme begünstigen. Das ist ein Fenster in die Zukunft." Die Zeit laufe davon, um das Ziel von einer Klimaerwärmung von unter zwei Grad Celsius noch zu erreichen, von 1,5 Grad ganz zu schweigen.

Im Zeitraum von 2014 bis 2016 waren die Emissionen weitgehend stabil geblieben - und das trotz eines weltweiten Wirtschaftswachstums. Vor allem die verringerte Kohlenutzung, eine verbesserte Energieeffizienz sowie ein Boom bei den erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie hätten maßgeblich dazu beigetragen. Als besonders erfreulich galt unter Experten vor allem die Entkopplung vom Wachstum des Bruttoinlandprodukts und den Emissionen. Das zeige, dass Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig zu einer Zunahme des Kohlendioxidausstoßes führen muss.

"Ein echter Anlass zur Sorge"

Einige Experten hatten gehofft, dass der Höchststand der Emissionen vielleicht schon erreicht sei. Ein Lichtblick: Dem Bericht zufolge sind in der vergangenen Dekade in gut 20 Ländern bei anhaltendem Wirtschaftswachstum die Emissionen gesunken, darunter in Deutschland, den USA, Dänemark, Frankreich, Polen, Rumänien und Serbien. Zusammen sind diese Länder für nur rund 20 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Und auch für 2018 rechnen die Experten insgesamt mit einem Anstieg der Emissionen. "Verschiedene Faktoren deuten auf einen fortschreitenden Anstieg 2018", sagte Robert Jackson von der Stanford University. "Das ist ein echter Anlass zur Sorge." Dabei nennen die Fachleute vor allem die Vorhersagen der Weltbank zum Wirtschaftswachstum: Die Finanzexperten sagen global einen Anstieg von 2,9 Prozent für 2018 vorher - den höchsten Wert seit 2011. Die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds liegen sogar noch höher.

Die Daten der Studien seien jedoch mit einiger Unsicherheit behaftet, schreiben die Fachleute weiter. "Die Nachricht vom Anstieg der Emissionen 2017 sind unwillkommen. Aber es ist noch zu früh zu sagen, ob das ein einmaliger Ausrutscher auf dem Weg hin zum Erreichen eines globalen Höchststandes war oder der Anfang einer neuen Phase", sagt Glen Peters vom Cicero Center for International Climate Research in Oslo.

Auch El Niño spielt eine Rolle

Der Report "Globales Kohlenstoff Budget" wurde von 76 Wissenschaftlern von 57 Forschungsinstituten in 15 Ländern zusammengestellt. In diesem Jahr erscheint der Bericht zum zwölften Mal und wird vom Global Carbon Project herausgegeben. Erst vor knapp zwei Wochen hatten Forscher berichtet, dass die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre noch nie so schnell gestiegen ist wie im vergangenen Jahr. Das habe neben den Aktivitäten der Menschen vor allem auch am Wetterphänomen El Niño mit seinen erhöhten Ozeantemperaturen und Dürren in den Tropen gelegen, hatte die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf mitgeteilt. Dadurch konnten Ozeane und zum Beispiel Wälder nicht so viel klimaschädliches Kohlendioxid aufnehmen wie in anderen Jahren.

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre betrug nach Angaben der WMO 403,3 Teilchen pro Million Teilchen (ppm), verglichen mit 400 ppm im Jahr davor. Und vor einer Woche teilte die Organisation mit, dass 2017 "sehr wahrscheinlich" zu den drei heißesten bisher gemessenen Jahren gehören wird.

Quelle: n-tv.de

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