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Katastrophen-Schäden steigen stark an: Wetter immer extremer

Heftige Gewitter und Hagel, Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen: Klimaexperten erwarten für Deutschland extreme Auswirkungen des Klimawandels. Vor allem der Osten Deutschlands sei davon betroffen, heißt es in einer Studie. Die Versicherungswirtschaft geht von stark steigenden Kosten aus.

Die Kosten der Unwetter werden massiv steigen, warnt die Versicherungswirtschaft.
Die Kosten der Unwetter werden massiv steigen, warnt die Versicherungswirtschaft.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutschen müssen wegen des Klimawandels mit mehr und heftigeren Stürmen, Überschwemmungen und Hitzewellen rechnen. Vor allem Ostdeutschland wird im Sommer nach Prognosen von Klimaexperten von extremen Gewittern und Hagel getroffen werden. "Größere Fluten werden in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland etwa zwei bis drei Mal häufiger auftreten", sagte Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der mit der deutschen Versicherungswirtschaft eine Studie erarbeitet hat.

2010 sei das heißeste Jahr in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Rolf-Peter Hoenen. "Der Klimawandel findet bei uns vor der Haustür statt." Stürme könnten künftig leicht einen Schaden von sieben bis acht Milliarden Euro verursachen. Die bislang teuerste Sturmkatastrophe für die Versicherungswirtschaft war der Sturm Kyrill im Januar 2007, der 2,4 Milliarden Euro kostete.

Mehr Sommergewitter mit Starkregen und Hagel

Künftig sei mit einem solchen Sturm, der bisher in Deutschland alle 50 Jahre aufgetreten sei, alle 10 Jahre zu rechnen. Sturmschäden nähmen bis zum Ende des Jahrhunderts um 50 Prozent zu. Die größten Risiken lägen aber an den Ufern der Flüsse: Die Hochwasser-Schäden würden hier auf das Doppelte zunehmen. Der GDV will daher demnächst Hausbesitzern ein Download-Programm anbieten, mit denen das Risiko von Überschwemmungen in der Region analysiert werden kann. Die Branche appellierte auch an die Behörden, in ufernahen Zonen kein Bauland mehr auszuweisen. Rund 75 Prozent aller Häusern seien derzeit nicht gegen sogenannte Elementarschäden versichert.

Besonders die ostdeutschen Länder würden nach 2040 von mehr und heftigeren Sommergewittern mit Starkregen und Hagel heimgesucht. Die Folgen würden hier besonders dramatisch ausfallen, da der Osten Deutschlands gerade im Sommer deutlich trockener als der Westen sei. Auf ausgetrockneten Böden kann das Wasser schlechter ablaufen.

Rekordverdächtige Tornado-Saison

"Die Wettermaschine schaltet einen Gang höher", sagte auch Peter Höppe, Klimaexperte der Münchener Rückversicherung. Dies sei auch weltweit beispielsweise an den Tornados in den USA zu beobachten. Bei dem jüngsten Wirbelsturm im US-Bundesstaat Missouri starben mindestens 116 Menschen. Schon jetzt habe die Tornado-Saison einen Rekord erreicht, sagte Höppe. Aber auch in anderen Regionen der Welt mache sich der Wandel bemerkbar: So gab es 2010 in Pakistan mit 53,5 Grad die höchste je in Asien gemessene Temperatur.

Die Versicherer wiesen den Vorwurf zurück, mit Hilfe der Studie eine Rechtfertigung für höhere Prämien liefern zu wollen. Zunächst würden die Schäden hohe Kosten verursachen, dann erst würden die Prämien nachziehen.

Die Studie entstand in dreijähriger Forschungsarbeit mit Klimaforschern des PIK, der Freien Universität Berlin und der Universität Köln. Gerstengarbe vom PIK wies daraufhin, beim Klimawandel sei eine mittleres Szenario für die nächsten Jahrzehnte zugrunde gelegt worden und keine Extrem-Erwartungen.

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Quelle: n-tv.de

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