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Jeder Mensch trauert anders.
Jeder Mensch trauert anders.

Mit der Zeit wird's leichter: Wie sich der Schmerz der Trauer verändert

Zeit heilt alle Wunden, lautet eine Volksweisheit. Wie Zeit sich tatsächlich auf den Schmerz der Trauer auswirkt, haben Forscher nun untersucht – und können gängige Vorstellungen widerlegen.

Egal aus welchem Grund man einen geliebten Menschen verliert, es ist immer schmerzlich. Wie sich genau die Schmerzen der Trauer über einen gewissen Zeitraum entwickeln, haben Forscher der Universität Würzburg untersucht. Mehr als 500 trauernde Personen sollten mit Hilfe eines neuen Fragebogens beschreiben, wie sie ihren Verlust erleben.

Bei der Auswertung der Antworten erkannten die Forscher, dass es vor allem während der ersten zweieinhalb Jahre nach dem Todesfall deutliche Veränderungen gibt. "Innerhalb des ersten Jahres nehmen Beeinträchtigungen durch unangenehme Gedanken und Gefühle einerseits und das Empfinden der Nähe zu der verstorbenen Person andererseits an Intensität stark zu", schildert Joachim Wittkowski, Seniorprofessor an der Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Würzburg ein zentrales Ergebnis der Studie. Ähnlich stark verlaufe dann die Abnahme dieser Intensität während der folgenden zwölf bis 18 Monate. Dabei leiden Frauen stärker unter dem Verlust einer nahen Bezugsperson als Männer.

Schuldgefühle bleiben unverändert

Zudem lassen über den Zeitraum von drei Jahren hinaus sowohl die Beeinträchtigungen als auch das Empfinden der Nähe zur verstorbenen Person beständig nach. "Interessant ist, dass am Ende der 'heißen Phase' des Trauerns sowohl positive Erlebens- und Verhaltensmöglichkeiten zunehmen als auch die Fähigkeit zu Anteilnahme und Mitgefühl mit anderen Menschen wächst", sagt Wittkowski. Dieser Trend bleibe auch mehr als zehn Jahre nach dem Verlust erhalten. Schuldgefühle blieben langfristig nahezu unverändert auf einem mittleren Intensitätsniveau.

Die Studienergebnisse berichtigen einige gängige Vorstellungen vom Trauern. "Neben Kummer ist Trauern auch mit persönlichem Wachstum verbunden, das von den Betroffenen rückblickend positiv erlebt wird", erklärt Wittkowski. Die Bewältigung des Verlusts eines geliebten Menschen könne also zu einer vorteilhaften Veränderung des Betroffenen führen. "Die Zeit bringt den Schmerz des Trauerns nicht zum Verschwinden, sie vermag ihn aber zu lindern", so der Experte.

Ein Trauerjahr reicht nicht

Trauern ist ein Prozess, der viel Zeit braucht und sich lange hinzieht. Er ist nicht nach wenigen Monaten und auch nicht nach dem traditionellen Trauerjahr abgeschlossen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich erst im zweiten Jahr nach dem Verlust entscheidet, ob die Beeinträchtigungen abnehmen oder auf hohem Niveau bestehen bleiben, ob also ein normaler Bewältigungsprozess oder ein behandlungsbedürftiges Trauern vorliegt", so die Wissenschaftler. Für die Diagnose einer anhaltenden komplexen Trauerreaktion ist diese Erkenntnis von eminenter Bedeutung.  

Quelle: n-tv.de

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