Sonntag, 11. Januar 2009
"Wahrnehmungsproblem": Winter werden wärmer
Die Aufregung um die extreme Kälte in ganz Deutschland ist nach Ansicht des Kieler Klimaforschers Mojib Latif vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) lediglich Folge einer verzerrten Wahrnehmung. "Wir sind inzwischen nur noch milde Winter gewohnt und wundern uns auf einmal, wenn ein so kalter Winter kommt", sagte Latif in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Noch vor einigen Jahrzehnten habe es regelmäßig Temperaturen von weit unter minus 20 Grad gegeben. "Insofern ist das jetzt gar nicht rekordverdächtig", sagte Latif. Grundsätzlich werde es auf der Erde nicht kälter, sondern wärmer. Daran ändere auch ein einzelner extrem kalter Winter nichts.
Gerade die globale Erwärmung sei es auch, die den Menschen den Winter nun so besonders frostig erscheinen lasse. "Das ist ein Wahrnehmungsproblem", sagte Latif. "Allein die Tatsache, dass sich alle Gedanken darüber machen, zeigt das ja schon." Vor einigen Jahrzehnten seien Temperaturen, wie sie jetzt erreicht würden, nicht ungewöhnlich und Teil eines jeden Winters gewesen. "Es ist jetzt aber schon so selten geworden, dass man sich wundert. Und dieses Wundern ist ein Zeichen dafür, dass sich das Klima schon ziemlich verändert hat."
Extrem niedrige Temperaturen seien aber immer noch möglich, solange es in den Polarregionen noch Kaltluft gebe, die dann von Zeit zu Zeit mit dem Nordwind nach Deutschland gelange und bei Hochdruck und klarer Luft für sehr kaltes Winterwetter sorge. Noch sei die globale Erwärmung auch vergleichsweise gering. Je weiter sie allerdings voranschreite, desto seltener werde auch ein richtig kalter Winter. "Es ist schwierig zu sagen, aber ich denke, wenn wir nichts tun, werden wir solche Wettersituationen im Jahr 2100 gar nicht mehr haben - vielleicht auch schon Mitte des Jahrhunderts", sagte Latif. "Schnee wird es dann bei uns im Flachland nicht mehr geben. Aber das ist natürlich nur der schlimmste Fall. Und den wollen wir ja vermeiden."
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