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Sprüheinsatz in Buenos Aires: Die Asiatische Tigermücke (Aedes aegypti) ist der Hauptfeind im Kampf gegen das Zika-Virus.
Sprüheinsatz in Buenos Aires: Die Asiatische Tigermücke (Aedes aegypti) ist der Hauptfeind im Kampf gegen das Zika-Virus.(Foto: imago/Xinhua)

20 Fälle in Deutschland: Zika-Virus erreicht Russland

Die Zahl der Zika-Infizierten steigt: In Deutschland verzeichnen Tropenmediziner bereits deutlich mehr als ein Dutzend Fälle. Über Touristen und Geschäftsreisende gelingt dem Virus sogar der Sprung nach Russland.

In Deutschland wurde das Zika-Virus bislang bei 20 Menschen nachgewiesen. Infiziert haben sich die betroffenen Patienten allerdings nicht vor Ort, sondern bei Aufenthalten in Lateinamerika. Das teilt das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) mit. Der wichtigste Überträger des Virus, die asiatische Tigermücke, kommt im milden Klima Nordeuropas in der Regel nicht vor. Über Reiserückkehrer gelingt es dem Zika-Virus jedoch, weite Entfernungen zu überwinden und auch in gemäßigtere Breiten vorzustoßen.

"ZikaZero": In Brasilien geht die Armee mit Insektiziden und einer breit angelegten Aufklärungskampagne gegen den Virus-Überträger vor.
"ZikaZero": In Brasilien geht die Armee mit Insektiziden und einer breit angelegten Aufklärungskampagne gegen den Virus-Überträger vor.(Foto: AP)

Viele Zika-Infektionen bleiben unerkannt, da die grippeähnlichen Symptome oft eher harmlos sind. Viele Infizierte erkranken gar nicht. Problematisch könnten solche Infektionen werden, wenn sie das Virus in Weltregionen tragen, in denen die asiatische Tigermücke vorkommt.

"Auch in Südeuropa ist mit Fällen zu rechnen", heißt es beim BNITM in Hamburg. Dort sei die asiatische Tigermücke in einigen Regionen "inzwischen heimisch". Für Deutschland sei die Gefahr dagegen als gering einzuschätzen, "da die Tigermücke bislang nur sporadisch gefunden wurde".

"Steigende Fallzahlen bei Reiserückkehrern"

"Ein Ausbruch wie in Brasilien ist nicht zu erwarten", erklärte Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut. Eine Gefahr können Zika-Infektionen für Schwangere darstellen. Das Virus steht im Verdacht, Mikrozephalie bei Ungeborenen zu verursachen. Bewiesen ist der Zusammenhang zum Zika-Virus nicht, aber er gilt als sehr wahrscheinlich. Mikrozephalie kann auch andere Ursachen haben, etwa Röteln in der Schwangerschaft.

In Deutschland seien bislang keine schwangeren Frauen unter den Infizierten, sagte Facharzt Dennis Tappe vom BNITM. "Natürlich rechnen wir, wie bei jeder Epidemie in Reiseländern, mit steigenden Fallzahlen bei deutschen Reiserückkehrern." Das Virus ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bisher in rund 40 Ländern aufgetreten. Für Reisende in betroffene Gebiete gilt nach wie vor, sich mit Mückenschutzmitteln und langärmeliger Bekleidung zu schützen. Schwangere Frauen sollten momentan nicht in die betroffenen Gebiete reisen.

Sprung nach Russland

Die Anzahl der betroffenen Gebiete wird derzeit immer größer. Zuletzt wurde sogar in Russland erstmals eine Infektion bei einem Reiserückkehrer festgestellt. Zu Wochenbeginn meldete die russische Verbraucherschutzbehörde eine nachgewiesene Zika-Infektion: Eine Frau habe das Virus von einem Besuch der Dominikanischen Republik mitgebracht. Die Patientin liege im Krankenhaus, ihr Zustand sei "zufriedenstellend".

Die Frau habe nach der Rückkehr über Fieber und Hautausschlag geklagt, hieß es. Das Zika-Virus wird vor allem von der Gelbfiebermücke Aedes aegypti übertragen. Vermutet wird, dass auch ein direkter Kontakt über Blut, Blutspenden, Speichel oder andere Körperflüssigkeiten wie etwa beim Sex eine Ansteckung zur Folge haben könnte.

In den vergangenen Monaten breitete sich das Zika-Virus in Lateinamerika aus. Allein in Brasilien schätzen die Behörden die Zahl der Fälle auf 500.000 bis 1,5 Millionen. Dort haben die Behörden am vergangenen Wochenende einen Großeinsatz gegen Zika gestartet: Rund 220.000 Soldaten verteilten landesweit Informationszettel zur Moskitobekämpfung. Als nächster Schritt sollen Moskitos und Eiablageplätze mit Insektiziden eliminiert werden. Die energischen Maßnahmen könnten aus der Sicht der Gesundheitsexperten willkommene Nebenwirkungen haben: Die Gelbfiebermücke überträgt neben dem Zika-Virus auch das Dengue- und das Chikungunya-Virus.

Quelle: n-tv.de

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