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Wie zufrieden man ist, hängt auch vom Blickwinkel ab.
Wie zufrieden man ist, hängt auch vom Blickwinkel ab.(Foto: imago/Westend61)

Positives genauer ansehen: Zufriedenheit wächst durch Wahrnehmung

Das Gefühl von Zufriedenheit ist das, was sich die meisten Menschen in ihrem Leben wünschen. Doch in der Realität klappt das nicht immer. Forscher bieten Hilfe mit einem Programm auf der Grundlage der Positiven Psychologie.

Wird der Fokus der Wahrnehmung auf die schönen Dinge im Leben gerichtet, sind die Menschen insgesamt zufriedener. Das haben Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Universität Zürich (UZH) herausgefunden. Für ihre Untersuchung haben die Forscher 113 Personen gewonnen, die sich zunächst auf einer Website anmelden und einen Fragebogen ausfüllen mussten. Dabei sollten die Probanden angeben, wie zufrieden sie im Moment mit ihrem Leben sind.

Im Anschluss daran erhielten die Studienteilnehmer die Aufgabe, sich täglich am Abend an neun Dinge oder Situationen aus ihrem Tag zu erinnern, die sie schön fanden und diese aufzuschreiben. "Es gibt dabei keine Regel, was schön ist. Das kann subjektiv ganz unterschiedlich sein: zum Beispiel ein gutes Buch, ein schöner Mensch, die Natur oder auch ein leckeres Essen", erklärt René Proyer vom Institut für Psychologie an der MLU. Bereits nach einer Woche war die Aufgabe beendet. Welche Beobachtungen die Probanden aufgeschrieben haben, wurde von den Forschern nicht erhoben.

Nach diesen sieben Tagen sollten die Teilnehmer wieder einen Fragebogen ausfüllen und beschreiben, wie zufrieden sie im Moment mit ihrem Leben sind. Die gleichen Fragen stellten die Psychologen nach einem, drei und sechs Monaten. Auf diese Art sollte herausgefunden werden, ob die kurze Maßnahme auch mittel- oder sogar langfristige Auswirkungen hat.

Effekt hält erstaunlich lange an

Im Durchschnitt stieg die Zufriedenheit der Teilnehmer nach der Übung leicht an. Depressive Gefühle traten weniger stark auf. Der Effekt war bis zu einem Monat lang nachweisbar. "Es ist erstaunlich, dass wir die Effekte einer so kleinen und kurzen Übung bis zu einem Monat danach messen konnten", so der Psychologe. Nach drei beziehungsweise sechs Monaten haben die Psychologen allerdings keine messbaren Effekte mehr gesehen.

Allerdings, auch das ein Ergebnis der Untersuchung, funktionierte diese Methode nicht für alle 113 Studienteilnehmer gleich gut. Der Erfolg der Intervention ist von der Persönlichkeit abhängig. Wer also nicht so sehr auf die Wahrnehmung von Schönem reagiert, der könnte am Abend beispielsweise Humorvolles aus seinem Tag aufschreiben. Insgesamt schätzt der Psychologe das Ergebnis der Studie positiv ein: "Hier stehen der zeitliche Aufwand und der subjektive Nutzen in einem guten Verhältnis für den Menschen." Einen Ersatz für klassische Therapieverfahren, zum Beispiel bei Depressionen, sieht Proyer darin aber nicht. Das Verfahren könne als Ergänzung eingesetzt werden. Gleichzeitig sei es vor allem eine Möglichkeit für Menschen, ihr Wohlbefinden im Allgemeinen zu verbessern.

Die Studie baut auf den Überlegungen der so genannten Positiven Psychologie auf. Dabei handelt es sich um eine relativ junge Strömung in der Psychologie, die sich in den letzten 15 Jahren entwickelt hat. Anders als bei traditionellen Therapiemethoden sollen hier nicht negative Eigenschaften, wie eine Depression oder Angststörung, korrigiert werden. Stattdessen entwickeln Psychologen einfache Übungen, mit denen die persönliche Zufriedenheit eines Menschen verbessert werden soll. Wer die Effekte bei sich selbst überprüfen möchte, der kann sich dafür hier registrieren und das Programm selbst testen.

Quelle: n-tv.de

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