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Vier Forschungsteams, vier VariantenKlimamodelle sehr verschieden

01.12.2009, 13:04 Uhr

Können Häuslebauer bald bei der Heizung sparen? Und brauchen Städte größere Kanäle, weil es stärker regnet? Klimaforscher kennen die Antworten. Nur einig sind sie sich nicht.

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Was bringt das Klima für den Hausbau? (Foto: picture-alliance/ dpa)

Können Häuslebauer wegen steigender Temperaturen bei der Heizung sparen? Welche Bäume sollen Förster für einen neuen Wald anpflanzen? Müssen Städteplaner größere Kanäle für mehr Regen verlegen lassen? Gelingt Weinbauern hoch im Norden bald der Anbau Sonne liebender Sorten? Eine genaue Antwort darauf haben Klimaforscher im Moment noch nicht. Aber sie arbeiten daran.

Derzeit versuchen Forscher allein in Deutschland mit vier verschiedenen Modellen, das regionale Klima für die kommenden Jahrzehnte vorherzusagen. "Die weichen aber voneinander ab, was die Vertrauenswürdigkeit herabsetzt", sagt der Klimaexperte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach, Gerhard Müller-Westermeier, "die Trends sind zwar da, aber die Qualität der regionalen Auflösung (der Computermodelle) ist sehr zweifelhaft".

Falsch programmiert oder zu kurz gedacht

Zwar gehen alle vier Varianten von einem Anstieg der Durchschnittstemperatur aus. Sie unterscheiden sich aber etwa bei genauen Gradzahlen und der Niederschlagsmenge. Die Probleme können nach Ansicht der Experten zu wenig Rechnerkapazität, nicht genügend berücksichtigte Faktoren oder Programmierfehler sein.

Die verschiedenen Klimamodelle wurden etwa gleichzeitig entwickelt. Vom Max-Planck-Institut in Hamburg stammt "Remo", die Universität Cottbus hat "CLM" erarbeitet. Das Modell "Star" entwickelten Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und die Climate & Environment Consulting GmbH in Potsdam stellt "Wettreg" zur Verfügung. "Diverse Millionen gehen da schon rein", schätzt Müller-Westermeier. Das Ziel solle sein, sich auf ein Modell zu einigen. "Das wird aber noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern", sagt der Fachmann.

Der Wetterdienst fasst zusammen

Der DWD, der kein eigenes Klimamodell entwickelt hat, arbeitet an einer Zusammenführung der im Detail unterschiedlichen Ergebnisse. Durch die so genannte Ensembletechnik könne die komplette Bandbreite der möglichen Klimaänderung widergespiegelt werden. "Dabei wollen wir die wahrscheinlichste Vorhersage errechnen", erklärt DWD-Sprecher Uwe Kirsche.

Die Unterschiede der vier Klimamodelle zeigen sich zum Beispiel beim Temperaturanstieg: Die Version "Star" sagt etwa auf Basis der gemessenen Daten von 1971 bis 2000 für die Jahre 2021 bis 2050 einen Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland von mindestens 1,5 Grad voraus. "Wettreg" errechnet Werte von unter einem Grad. Für die Jahre 2071 bis 2100 prognostiziert dieses Modell um 1,75 bis 2,5 Grad höhere Temperaturen als im Bezugszeitraum. Mit der Rechengrundlage "Remo" wird in Alpennähe indes sogar ein Anstieg um bis zu 4,5 Grad vorausgesagt. "CLM" liefert jeweils Werte dazwischen.

Keine verlässliche Prognose für Bauern

Für Probleme in der Praxis sorgen die noch widersprüchlichen Daten zum Beispiel bei den Landwirten, wie Agrarmeteorologin Cathleen Frühauf erklärt. Einige Modelle sagen für die kommenden Jahrzehnte eine frühere Maisreife voraus. "Das leuchtet ein, weil es ja wärmer werden soll", sagt Frühauf. Indes scheint das Modell "CLM" bei diesen Berechnungen zu scheitern: Obwohl auch hier ein Anstieg der Temperatur errechnet wird, kann das Modell keinen Zeitpunkt bestimmen, an dem der Mais reif sein soll. Vielleicht ein technischer Fehler. Denn Mais reift bekanntlich bereits schon heute bei kühleren Sommern. Mit dem Modell lässt sich noch nicht wirklich arbeiten, wie die Meteorologin erklärt. Es fehle also auch eine verlässliche Prognose, aufgrund derer Bauern in Zukunft etwa neue Sorten anbauen können.

Kritiker der vier parallel genutzten Klimamodelle, der damit verbundenen Kosten und generell der Erforschung des Klimas in der Zukunft seien verstummt, sagt DWD-Sprecher Kirsche. Mittlerweile sei der Klimawandel mit einer globalen Erwärmung überall akzeptiert. "Jetzt rechnen nur alle gleichzeitig, um die Daten zu verbessern."

Quelle: Von Marco Kreftling, dpa