Soll ich? Oder soll ich nicht ...... eine Entscheidung treffen?
Grübeln Sie nicht ewig, sondern seien Sie spontan und lassen Sie den Bauch entscheiden! Das neue Stichwort heißt: "Simplexity".
Welches Hemd ziehe ich an? Soll ich jetzt schon mit meiner Freundin zusammenziehen? Und wie richte ich die neue Küche ein? Immer schneller wechseln die Moden, und die Auswahlmöglichkeiten bei Produkten, Karriere und Lebensstilen werden immer größer.
Vielen geht dabei die Übersicht verloren. Psychologen raten ihnen daher, sich zwar gut zu informieren - die Entscheidung muss letztlich aber das Gefühl herbeiführen.
"Jeder muss heute mehr Entscheidungen treffen, weil die großen Lebensentwürfe weniger durch Institutionen wie die Kirche oder durch Traditionen vorbestimmt sind", sagt Jörg Jelden vom Trendbüro Hamburg. "In der Generation der Eltern gingen die meisten in die Lehre - und fertig", verdeutlicht Arne Kramer, selbstständiger "Entscheidungshelfer" aus Heidelberg. "Heute dagegen gibt es viel mehr Möglichkeiten."
"Simplexity" heißt das Kunstwort, das die Situation beschreibt: Einerseits ist mangels Zeit im Alltag überall Einfachheit - auf Englisch "simplicity" - gefordert. Auf der anderen Seite wächst die Komplexität, weil das Angebot an Waren oder Lebensweisen immer unübersichtlicher wird - Komplexität heißt auf Englisch "complexity".
Laut Kramer ist daher ein stärkerer Bedarf für eine "Orientierung nach innen" entstanden. "Als ich mich neulich zwischen einer orangefarbenen und einer schwarzen Tasche entscheiden musste, sagte der Bauch: Ich nehme die in Orange." Dann meldete sich der Kopf: Die schwarze Tasche lasse sich nicht nur in der Freizeit, sondern auch im Beruf tragen. "Achten Sie auf Ihren ersten Impuls", rät Kramer allen in so einer Situation.
Theoretisch könne man permanent über Entscheidungen brüten, sagt Jelden. Daher müssten sich die Menschen wieder stärker auf ihr Gefühl verlassen. "Nehmen Sie die Parkplatzsuche", sagt Prof. Norbert Bolz vom Institut für Sprache und Kommunikation der TU Berlin: "Soll ich auf dem Weg nach Hause einen freien Parkplatz sofort nehmen, oder soll ich weiter hoffen, dass noch einer näher an meinem Haus kommt?" Mit dem Kopf sei diese Entscheidung unmöglich zu treffen.
Auch das Sammeln und Bewerten von Informationen über den richtigen Karriereverlauf, die perfekte Beziehung oder die beste Digitalkamera sei kaum zu bewältigen - und es sei auch nicht sinnvoll, lautet Bolz' Fazit. "Zum Beispiel die Frage: Wann soll ich heiraten, wann Kinder kriegen? Darauf gibt es keine logische Antwort." Bolz rät daher, den Verstand bisweilen ein wenig auszutricksen.
Das Urteil von Freunden und Faustregeln von der Art "fernöstlicher Weisheiten" können laut Bolz dabei helfen - oder Ausprobieren: "Bevor ich eine Digitalkamera bestelle, gehe ich sie im Laden testen. Dann weiß ich, wie sich das Fotografieren mit ihr anfühlt", sagt Jörg Jelden. Und auch bei Entscheidungen rund um die Partnerschaft gelte es, nicht ständig Vor- und Nachteile abzuwägen, sondern viel mehr darauf zu achten, wie sich etwas anfühlt.
Wem das schwer fällt, der kann nach Jörg Jeldens Worten an kleinen Entscheidungen üben - etwa beim Taschenkauf. Nach einer Entscheidung sei es wichtig, mahnenden Gedanken nicht zu viel Raum zu geben, sagt Jelden. "Man muss keine optimalen Entscheidungen treffen, sondern solche, die für den Moment gut genug sind."