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Tiefkühlkost: "ein sensibles Produkt, das pfleglichen Umgang verlangt."
Tiefkühlkost: "ein sensibles Produkt, das pfleglichen Umgang verlangt."(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Frage & Antwort, Nr. 158: Aufgetautes nicht mehr einfrieren?

Von Andrea Schorsch

Wenn ich Tiefkühlkost kaufe, finde ich darauf immer den Hinweis: "Nach dem Auftauen nicht wieder einfrieren". Aber wäre das wirklich schädlich? Oder ist der Aufdruck nur ein geschickter Schachzug der Tiefkühlindustrie? (fragt Maria M. aus Erfurt)

So viel gleich vorweg: Der Vermerk, dass ein einmal aufgetautes Produkt nicht wieder eingefroren werden sollte, ist keine profitorientierte Idee der deutschen Tiefkühlindustrie. Vielmehr geht der Hinweis auf eine EU-Richtlinie von 1988 zurück. Neben einigen anderen Auflagen verlangt die Richtlinie den Vermerk auf allen tiefgefrorenen Lebensmitteln. Warum, erfahren wir nicht unmittelbar. Ein Ziel der Richtlinie ist jedoch, "jede mikrobiologische Aktivität, durch die die Qualität eines Lebensmittels verändert werden könnte", zu vermeiden. Und das ist bei Tiefkühlkost nur so lange gegeben, wie die Temperatur von minus 18 Grad Celsius aufrechterhalten wird. Erst bei dieser Temperatur kommt die mikrobiologische Aktivität zum Stillstand, oder einfacher formuliert: Erst bei dieser Kälte halten Bakterien gewissermaßen die Füße still.

Richtig lecker sind Pommes nach dem zweiten Auftauen vielleicht nicht mehr, aber mikrobiologisch sind sie unbedenklich.
Richtig lecker sind Pommes nach dem zweiten Auftauen vielleicht nicht mehr, aber mikrobiologisch sind sie unbedenklich.

Hören wir von Bakterien, denken wir als Erstes an unsere Gesundheit. Aber das Stichwort, um das es wohl zunächst einmal geht, ist schon gefallen: Es heißt Qualität. Carola Herckelrath, Pressesprecherin des Deutschen Tiefkühlinstituts e.V., antwortet auf unsere Leserfrage: "Der Satz auf den Tiefkühlpackungen hat qualitative Gründe. Damit ist keine Gefährdung für den Verbraucher verbunden." Ziel ist, erklärt Herckelrath, "das optimale Produkt". Wenn ein Lebensmittel zum zweiten Mal eingefroren wird, können "die Qualität leiden, der Geschmack, die Konsistenz und das Aussehen", so die Expertin. Das Produkt ist dann eben nicht mehr in dem Zustand, in dem man es im Handel erworben hat. Um Reklamationen zu vermeiden, die aus dem falschen Umgang des Kunden mit der Ware entstehen, brauche Tiefkühlkost den Schutzhinweis auf der Verpackung, sagt Herckelrath. "Es geht um den pfleglichen Umgang mit einem sensiblen Produkt. Tiefkühlkost gehört nun mal ins Tiefkühlfach."

Achtung bei Geflügel und Speiseeis!

Um sich vor einer Salmonellen-Infektion zu schützen, sollte man Lebensmittel mindestens zehn Minuten auf 75 Grad Celsius (Temperatur im Kern) erhitzen.
Um sich vor einer Salmonellen-Infektion zu schützen, sollte man Lebensmittel mindestens zehn Minuten auf 75 Grad Celsius (Temperatur im Kern) erhitzen.

"Bei manchen Produktgruppen aber ist Vorsicht geboten", betont die Fachfrau. Und da kommen nun doch die Auswirkungen einiger Bakterien auf unsere Gesundheit ins Spiel. "Bei allem, was man mit dem Begriff Salmonellen in Verbindung bringen kann, sollte man aufpassen!", warnt die Expertin. "Waren Geflügel oder Speiseeis bereits aufgetaut, sollte man sich von der Ware verabschieden und sie auf keinen Fall wieder einfrieren!", rät Herckelrath. "Aber wenn einem das mal mit einer Packung Gemüse oder einer Tüte Pommes passiert, braucht man beim zweiten Einfrieren keine Bedenken zu haben. Da muss man höchstens geschmackliche und qualitative Abstriche machen."

Und was ist, wenn das Eis auf dem Weg vom Supermarkt nach Hause antaut? Wenn also nur die äußere Schicht ein wenig weich geworden ist? "Um Speiseeis optimal portionieren zu können", so die Expertin, "müssen Sie es sogar erstmal zehn Minuten stehen lassen, damit Sie nicht wie Uri Geller auf eigentümliche Weise Löffel verbiegen oder sich ärgern, weil es sich einfach nicht portionieren lässt." Da ist es dann aber auch unvermeidbar, dass schon angetautes Eis wieder im Tiefkühlfach landet, sofern man nicht die ganze Packung leert. Angetautes Eis, wohlgemerkt. Nicht aufgetautes. Flüssig war es dann noch nicht.

Maximal zwei Stunden bei Raumtemperatur

Wann das Limit überschritten ist, kann uns Prof. Fritz Titgemeyer, Lebensmittelmikrobiologe der Fachhochschule Münster, klar sagen: "Alle Lebensmittel lassen sich aus mikrobiologischer Sicht problemlos wieder einfrieren, wenn sie nicht länger als zwei Stunden bei Raumtemperatur gestanden haben."

Lagern sensible Lebensmittel längere Zeit bei Zimmertemperatur, bilden sich vermehrt Bakterien und Toxine.
Lagern sensible Lebensmittel längere Zeit bei Zimmertemperatur, bilden sich vermehrt Bakterien und Toxine.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ernährungswissenschaftler aus Münster haben mal einen Test gemacht. Sie untersuchten Lebensmittel, die mehrmals eingefroren waren und schließlich zubereitet wurden, auf gesundheitsschädigende Bakterien. Ergebnis: Selbst Schweinemett war nach dreimaligem Auftauen bedenkenlos zu verzehren, sofern es durchgebraten wurde. Auch Sahnetorte bewerteten die Forscher nach zweimaligem Auftauen als mikrobiologisch unbedenklich. Gleiches galt für Seelachsfilet, jedoch war es nur nach dem ersten Auftauen wirklich genießbar. Danach veränderten sich Geruch und Geschmack dermaßen, dass man es eigentlich nicht mehr essen mochte. Bei Hähnchen jedoch mahnten auch die Wissenschaftler zur Vorsicht: Zwar zeigte das durchgegarte (!) Fleisch auch nach mehrmaligem Auftauen keine mikrobiologischen Auffälligkeiten. Doch wenn das Auftauwasser des Hähnchens mit anderen Lebensmitteln in Berührung kommt, die vor dem Essen nicht erhitzt werden, ist die Gesundheit in Gefahr. Da schaut der flotte Otto schon um die Ecke.

Durcherhitzen macht Keimen den Garaus

Grundsätzlich hat ein tiefgekühltes Produkt immer so viele Bakterien wie in dem Moment, als es eingefroren wurde. Danach ist entscheidend, wie und wo das Lebensmittel, sagen wir Hähnchenfleisch, aufgetaut wird. Optimalerweise geschieht das langsam bei niedrigen Temperaturen, also am besten über Nacht im Kühlschrank. Dort vermehren sich Bakterien nämlich nicht so schnell. Schon bei Zimmertemperatur aber ist das anders: Die Keimzahl steigt bedenklich in die Höhe. Und sie überschreitet rasch den erlaubten Grenzwert, wenn das Hähnchen auf der Heizung auftaut. Nur Durcherhitzen hilft, um die Keime zuverlässig abzutöten. Sie tummeln sich munter im Auftauwasser und im rohen Fleisch. Würde man ein aufgetautes Hähnchen wieder einfrieren, kämen die Bakterien einfach mit ins Tiefkühlfach. Das ist dann nichts anderes als eine einfache Methode, um die Mikroorganismen zu konservieren. Kaum aufgetaut, sind die Keime wieder quicklebendig.

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Quelle: n-tv.de

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