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Blindenführhunde werden in speziellen Schulen ausgebildet. Die Kosten: gut 30.000 Euro.
Blindenführhunde werden in speziellen Schulen ausgebildet. Die Kosten: gut 30.000 Euro.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Frage & Antwort, Nr. 258: Erkennen Blindenhunde Ampelfarben?

Von Andrea Schorsch

Können Blindenführhunde Ampelfarben erkennen? Falls nicht: Woher weiß ein blinder Mensch, wann er wirklich sicher über die Straße gehen kann, wenn die Ampel keine akustischen Signale abgibt? (fragt Irene J. aus Hannover)

Rund 3000 Blindenführhunde sind in Deutschland im Einsatz. Einen davon hat Gerhard Renzel. Er ist Leiter des Gemeinsamen Fachausschusses für Umwelt und Verkehr, einem Gremium, in dem der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) gemeinsam mit anderen Organisationen aktiv wird. Renzel, selbst blind, schwärmt von seinem Hund: "Der lässt sich im Alltag fantastisch als Begleiter auf vier Pfoten einsetzen!" 34 Hörzeichen und Befehle hat das Tier gelernt, um seine Führqualitäten ausüben zu können.

Am Zebrastreifen sind Blindenführhunde eine große Hilfe - und nicht nur dort.
Am Zebrastreifen sind Blindenführhunde eine große Hilfe - und nicht nur dort.(Foto: picture alliance / dpa)

Blindenführhunde können viel. Sie wissen, wo rechts und links ist. Sie führen einen blinden Menschen um Hindernisse herum. Sie suchen ihm einen Hauseingang, eine Parkbank oder auch einen Briefkasten. Sie sehen, ob Äste, die über einem Gehweg herunterhängen, bis auf Kopfhöhe ihres Besitzers reichen und gehen dann mit ihm einen Bogen oder bleiben stehen. Sie erkennen Treppen und Rolltreppen und meiden letztere, denn dort klemmen sie sich die Pfoten. Auf Kommando gehen sie mit ihrem Besitzer zum Aufzug. Sie wissen, dass man Straßen am Zebrastreifen gut überqueren kann. Dort angekommen, geben sie ein Zeichen. Dann warten sie darauf, dass ihr Besitzer "Voran!" sagt. Erst dann gehen sie weiter – vorausgesetzt, es kommt kein Auto. In diesem Fall bleiben sie stehen, trotz Befehl. Blindenführhunde achten auf den Verkehr. Sie finden auch die nächste Ampel. Aber eines können sie nicht: Rot und Grün an einer Ampel unterscheiden. Denn Hunde können keine Farben erkennen.

Motorengeräusche reichen nicht

An Ampeln, die nicht piepen, wenn sie auf Grün schalten, hat ein blinder Mensch "ein  Problem", wie Renzel sagt. "Wenn es sich um eine gefährliche Kreuzung handelt, muss sich der Blinde einer Begleitung bedienen oder einen Passanten ausfindig machen, der ihn über die Straße begleitet. Ansonsten hat er bei einer komplizierten Kreuzung mit mehreren Fahrbahnarmen keine Chance, über diese Ampel gehen zu können."

Steht dem Blinden keine menschliche Unterstützung zur Verfügung, muss er Umwege in Kauf nehmen. Sich nach dem Motorengeräusch der Autos zu richten, geht, wie Renzel erläutert, nur in den seltensten Fällen. "Man kann das machen, wenn es sich um eine einfache Kreuzung handelt, eine vierarmige Kreuzung mit einer Beampelung. Wenn die genau parallel geschaltet ist", so Renzel, "wenn also der querlaufende Verkehr, die Fahrbahn, die der Blinde queren möchte, steht und der Verkehr parallel zu seiner Gehrichtung fließt, dann kann der Blinde dem entnehmen, dass die Ampel für ihn grün sein KÖNNTE."

Oftmals aber, weiß Renzel, gibt es Linksabbieger-Spuren, die ampelseitig anders geschaltet sind. Deswegen verlässt er sich auch an einfachen Kreuzungen nicht auf sein Gehör. "Ich gehe da nicht über die Ampel", sagt Renzel. "Das ist zu gefährlich." Um blinde Menschen mit oder ohne Führhund sicher über eine Ampelkreuzung zu bringen, gibt es daher, wie Renzel betont, nur eine Lösung: "Es muss eine Blindenakustik da sein", sagt er. "Ohne geht es nicht."

Quelle: n-tv.de

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