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Gerade vor einem Gewitter, wenn es noch nicht so stark regnet, kann sich Heuschnupfen deutlich bemerkbar machen.
Gerade vor einem Gewitter, wenn es noch nicht so stark regnet, kann sich Heuschnupfen deutlich bemerkbar machen.(Foto: imago/blickwinkel)
Dienstag, 08. September 2015

Frage & Antwort, Nr. 395: Gibt es Heuschnupfen auch bei Regen?

Von Andrea Schorsch

Es heißt immer, bei Regen könnten Pollen nicht fliegen. Aber ich habe oft auch bei Regen starken Heuschnupfen. Wie kann das sein? (fragt Max K. aus Düren)

Die Nase läuft, die Augen jucken und tränen, die Schleimhäute sind geschwollen – Heuschnupfen-Geplagte kennen das zur Genüge. Jedes Jahr haben sie im Frühjahr und Sommer damit zu tun, vielleicht sogar von Februar bis Oktober - je nachdem, auf welche Pollen sie allergisch reagieren und zu welchen Zeiten die auftreten. Nur bei Regen haben Pollenallergiker eine Verschnaufpause. Manchmal.

"Wenn es regnet, ist der Pollenflug geringer, das stimmt", sagt Professor Dr. med. Thomas Fuchs, Vorstandsmitglied des Ärzteverbands Deutscher Allergologen, auf unsere Leserfrage. "Aber Fakt ist, dass vor einem Gewitter viele Menschen eine sehr ausgeprägte Heuschnupfen-Symptomatik haben." Der Leitende Oberarzt der Allergologie in der Universitätsmedizin Göttingen kann erklären, woran das liegt: "Die Luftfeuchtigkeit nimmt zu, die Pollen laden sich voll Wasser und dann platzen sie. Genau deshalb haben die Patienten gerade vor dem Gewitter, wenn es noch nicht so stark regnet, erhebliche Schwierigkeiten."

Entzündung dauert an

Doch auch, wenn es schließlich schüttet, verschwinden die Symptome nicht unbedingt. "Die Patienten haben ja eine Entzündung an der Nasenschleimhaut und diese Entzündung läuft einfach weiter. Sie kann die Menschen über den Regen hinaus begleiten", sagt Fuchs. "Dann setzt der Pollenflug wieder ein und während es geregnet hat, war merkwürdigerweise keine Veränderung zu spüren." Die fortdauernde Entzündung also ist der Grund, weshalb Regen nicht in jedem Fall eine Linderung bringt bei Heuschnupfen.

Auch trockene Luft übrigens kann das Pollenproblem gelegentlich lösen - muss aber nicht: "Irgendwann entleeren sich die Pollenspeicher", sagt Fuchs, "dann ist wirklich nichts mehr da. Und dieser Prozess wird bei trockenem Wetter möglicherweise verstärkt." Die Temperaturen spielen dabei keine Rolle, Hitze ändert nichts an der Pollenbelastung. Wenn der Heuschnupfen in einem Sommer weniger ausgeprägt ist als im vergangenen, kann es daran liegen, dass der Pollenflug von Jahr zu Jahr stark variiert. "Und", gibt Fuchs zu bedenken, "es ergibt auch einen Unterschied, wo man sich aufhält. Je nach Ort kann sich die Pollenallergie stark oder weniger stark äußern." Berlin, Eifel und Voralpenland sind eben nicht das Gleiche. Auch nicht für Pollen und Heuschnupfen.

Quelle: n-tv.de

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