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Einst soll es einen Ozean auf dem Mars gegeben haben, der größer war als der Atlantik. Doch das ist fast vier Milliarden Jahre her.
Einst soll es einen Ozean auf dem Mars gegeben haben, der größer war als der Atlantik. Doch das ist fast vier Milliarden Jahre her.(Foto: NASA)

Frage & Antwort, Nr. 418: Gilt auf dem Mars Seerecht?

Von Andrea Schorsch

Er kämpft auf dem Mars ums Überleben und denkt darüber nach, welche Gesetze für den Roten Planeten maßgeblich sind: Mark Watney, der als "Marsianer" die Kinocharts stürmte, geht davon aus, dass auf dem Mars das Seerecht gilt. Stimmt das?

Ich habe den Film "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" im Kino gesehen. Gilt auf dem Mars wirklich das Seerecht? (fragt Jaron Z. aus Passau)

Mark Watney hat einen Mars-Rover gekapert. "Es gibt einen internationalen Vertrag, der besagt, dass kein Land etwas beanspruchen kann, das nicht zur Erde gehört", überlegt der Astronaut, als er sich mit dem Nasa-Rover über das Niemandsland des Roten Planeten bewegt. "Einem anderen Vertrag zufolge, gilt - wenn man sich außerhalb staatlichen Gebietes aufhält - das Seerecht. Also ist der Mars 'internationales Gewässer'." Diese Schlussfolgerung veranlasst Watney dazu, sich als "Space pirate" zu betrachten. Doch der Gedanke macht stutzig. Ist der Mars tatsächlich so etwas wie das offene Meer, auf dem Seerecht gilt?

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Alexander Soucek aus der Rechtsabteilung der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Paris kann uns diese Frage beantworten. Eines vorweg: Watney liegt nicht ganz richtig. Sein Fazit kann schon allein deshalb nicht stimmen, weil sich das Seerecht auf das irdische Meer bezieht – und ausschließlich auf dieses. Doch der Anwendung des Seerechts auf dem Roten Planeten steht noch etwas anderes im Wege: "Auf dem Mars gibt es keine Küstenlinie und ... tja ... kein flüssiges, marsumspannendes Salzwasser, kein Marsmeer", gibt Soucek zu bedenken.

Ein Binnenmeer reicht nicht

Nicht einmal auf der Erde ist das Seerecht überall anwendbar, so der Hinweis des Experten. Meer ist nämlich "nur der zusammenhängende Salzwasserkörper; sprich: alle Meeresteile, die direkt miteinander verbunden sind und durch Wasseraustausch kommunizieren". Ob das Seerecht daher zum Beispiel für das Kaspische Meer gilt, ist umstritten. Dieses Binnenmeer ist für manche aus rechtlicher Sicht ein See. Aber selbst wenn es ein ganzes Wassersystem auf dem Mars gäbe, würde sich daraus, wie Soucek betont, "selbstverständlich nicht direkt eine Anwendbarkeit des irdischen Seerechts auf dem Mars ergeben".

Doch wenn es nicht das Seerecht ist, das auf dem Roten Planeten gilt, welche Gesetze sind es dann? "Dort anwendbar ist das Weltraumrecht", sagt Soucek. "Das bezieht mehr oder weniger eindeutig alle Himmelskörper ein, auf denen es menschliche Aktivität gibt, die Erde ausgenommen." Das Weltraumrecht ist ein eigenständiger Teil des Völkerrechts. Sein Kern ist der 1967 (in Zeiten des Kalten Krieges) geschlossene Weltraumvertrag. Er legt fest, dass die Erforschung und Nutzung des Weltraums nur im Interesse aller Staaten und zu friedlichen Zwecken erfolgen darf. Kein Staat darf im All Souveränitätsansprüche geltend machen und einzelne Himmelskörper oder Teile davon okkupieren. Die Raumfahrtnationen haften für von ihnen verursachte Schäden und sind verpflichtet, schädliche Verschmutzungen von Weltraum und Himmelskörpern zu vermeiden.

Weltraumrecht: das Seerecht des Alls

Unklar allerdings ist, wo der Weltraum überhaupt beginnt. Die Erdatmosphäre endet nicht abrupt, sondern wird mit zunehmender Höhe immer dünner. Sie verliert sich quasi ins All. Manche Wissenschaftler nehmen daher zur Abgrenzung die "Kármán-Linie" und sprechen ab einer Höhe von 100 Kilometern vom Weltraum. Wer hier fliegt, den betrachten sie als Astronaut. Für die Nasa und die US-Air Force beginnt der Weltraum sogar schon bei einer Höhe von mehr als 80 Kilometern. "Das Weltraumrecht begrenzt den Weltraum schlicht und einfach nicht", sagt Soucek. Tatsächlich legen manche Staaten für sich selbst fest, wo der eigene Luftraum endet und der hoheitsfremde Weltraum beginnt. Bis zum Mars aber, so viel steht fest, reicht keine Lufthoheit der Welt.

Dass staatliche Gebietshoheit fehlt und es sie auch in Zukunft nicht geben soll, ist etwas, das hohe See und ferne Himmelskörper miteinander gemeinsam haben (Satelliten, Raumschiffe und Rover mal außen vor gelassen). Von daher ist Watney mit seiner Einordnung des Mars als "internationales Gewässer" dann doch nicht auf dem völlig falschen Dampfer. Seerecht basiert darauf, dass es auf dem offenen Meer keine Gebietshoheiten gibt. Manche Vorschriften des Weltraumrechts unterscheiden sich daher gar nicht so stark von denen für irdische Meere. Der Gesetzesgegenstand ist ein anderer, doch vereinfacht lässt sich sagen: Weltraumrecht ist das Seerecht des Alls.

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Quelle: n-tv.de

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