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Egal ob an der Stirn oder am Hinterkopf: auch bei Politikern (Andreas Stoch, SPD) ist das Kratzen zu beobachten.
Egal ob an der Stirn oder am Hinterkopf: auch bei Politikern (Andreas Stoch, SPD) ist das Kratzen zu beobachten.(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 421: Hilft Kopfkratzen beim Denken?

Von Jana Zeh

Immer wieder kann ich sehen, dass sich mein Kollege am Kopf kratzt, wenn er ein kniffliges Problem auf dem Tisch hat. Ist das nur eine blöde Angewohnheit oder hilft es tatsächlich beim Nachdenken? (fragt Sibylle L. aus Remscheid)

Wer sich am Kopf kratz, schindet Zeit.
Wer sich am Kopf kratz, schindet Zeit.

Jeder kennt es, entweder von sich selbst oder aber von anderen: In einer bestimmten Situation kratzt man sich am Kopf. Ob es beim Denken wirklich hilft, ist wissenschaftlich bisher nicht bewiesen - aber auch nicht widerlegt. Warum viele Menschen auf der ganzen Welt es trotzdem tun und das Kratzen am Kopf sogar bei Affen beobachtet werden kann, dazu lassen sich eine ganze Reihe von Erklärungen finden.

Sehr verbreitet ist die Meinung, das Kopfkratzen als Übersprungshandlung einzuordnen, denn die reflexartige Bewegung ist eher eine unbewusste Handlung als ein zielgerichtetes Verhalten. Dieser These zufolge kratzen sich Menschen am Kopf, wenn sie nicht mehr weiter wissen, weil zu viele Informationen auf einmal verarbeitet werden müssen oder weil es verschiedene Handlungsoptionen gibt und eine Entscheidung nicht ad hoc gefällt werden kann. Durch das Kopfkratzen kann Zeit gewonnen werden. Genauso scheint es sich auch bei Affen zu verhalten. Kratzt ein rangniederer Affe sich am Kopf, wenn eine Auseinandersetzung mit einem ranghöheren Tier droht, dann geht es oftmals darum, Zeit zu schinden, um die Entscheidung zwischen Flucht oder Kampf zu fällen.

Lieber nicht gezielt einsetzen

Eine andere These lautet, dass durch die Berührung mit der Hand am Kopf ein Signal für das Gehirn ausgesendet wird, dass es arbeiten soll. So wäre dann eine schnellere Entscheidungsfindung möglich. Die Autorin und Expertin für Körperrhetorik Nadine Kmoth begründet diese These so: "Ich selbst sehe die Hand immer im Zusammenhang mit dem Handeln. Geht also die Hand zum Kopf, dann teilt sie dem Kopf mit: Losdenken!"

Hinter der Geste könnte aber auch noch eine andere Motivation stecken: Es sei möglich, dass man sich bewusst am Kopf kratze, um seinem Gegenüber mitzuteilen, dass man schwer über Gesagtes nachdenke oder tief in einem Entscheidungsprozess stecke, meint die Expertin. Kmoth selbst rät aber vom gezielten Einsatz dieser Geste eher ab, denn schnell könne man damit dümmlich statt intellektuell wirken.

Übrigens: Auch Fingernägel- oder Stiftekauen, Bartstreicheln, Ohren-/Nasenfassen oder Kinnreiben werden als Übersprungshandlungen eingeordnet, die aus den gleichen Gründen wie das Kopfkratzen praktiziert werden. Die Gesten unterscheiden sich individuell. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie den Gestressten entlarven.

Quelle: n-tv.de

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