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Wer kann schon einer guten Tasse Kaffee oder Tee widerstehen?
Wer kann schon einer guten Tasse Kaffee oder Tee widerstehen?(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 411: Kann Koffein abhängig machen?

Von Jana Zeh

Ich habe in den letzten drei Tagen keinen Kaffee mehr getrunken, da ich nicht arbeiten musste. Dann ging es mir gar nicht gut. Ich hatte Kopfschmerzen und war schwermütig. Bin ich koffeinabhängig? (fragt Sieglinde P. aus Arnstedt)

 

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Er ist der Wachmacher am Morgen und der Fithalter am Abend: Kaffee. Doch nicht das beliebte Heißgetränk an sich macht wach, sondern das in ihm enthaltene Koffein. Das Stimulans, das in mehr als 60 verschiedenen Pflanzen als natürlicher Schutz gegen Insekten vorkommt und bitter schmeckt, wirkt beim Menschen auf das Zentralnervensystem. Es regt den Blutkreislauf, den Herzschlag und die Peristaltik im Darm an. Aufmerksamkeit, Konzentrations- und Lernvermögen können durch Koffein erhöht werden.

Alle diese Eigenschaften nutzen täglich Milliarden Menschen weltweit, um Leistungstiefs auszugleichen oder vor allem am Morgen schneller leistungsfähig zu sein. Egal, ob das Koffein aus Kaffee, Schokolade, Tee oder Energiedrinks stammt - es wirkt, allerdings nur in der richtigen Konzentration. Nimmt man nämlich zu viel Koffein in zu kurzer Zeit zu sich, dann wird aus den positiv empfundenen Wirkungen schnell das Gegenteil. Vergiftungserscheinungen wie Unruhe, Erregung, Zittern oder Herzrasen sowie Harndrang und Schlaflosigkeit können bei den meisten Menschen schon ab einem Gramm Koffein am Tag eintreten. Das ist die Menge, die in 10 Litern handelsüblicher Cola oder in 12 Dosen (250 Milliliter) Energy-Drinks oder in 20 Tassen doppeltem Espresso steckt.

Koffeinsucht ist umstritten

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Ob Koffein zu einer Abhängigkeit führen kann oder nicht, ist unter Forschern umstritten. Einerseits kann der Entzug von Koffein zu typischen Entzugserscheinungen führen. Die stellten Forscher in einer Studie bereits im Jahr 2004 fest. Dabei zeigten Probanden, denen über einen längeren Zeitraum Koffeinkapseln gegeben wurden, bereits rund 12 Stunden nach der Einstellung der Koffeingaben deutliche Anzeichen: Müdigkeit, Erschöpfung, Lethargie und Kopfschmerzen waren die häufigsten Entzugserscheinungen der Studienteilnehmer. Damit konnten die Forscher der John Hopkins Medicine in Baltimore (USA) eindeutig feststellen, dass Koffeinentzug zu Entzugserscheinungen führt. Andererseits wird durch Koffein nicht, wie bei anderen Drogen, der dopaminergene Stoffwechsel im Belohnungssystem des Gehirns aktiviert. Das spricht gegen eine echte Abhängigkeit von Koffein.

Doch auch wenn Koffein nicht wirklich abhängig macht, kann sich bei langen und relativ hochdosiertem Konsum eine gewisse Gewöhnung einstellen. Nimmt man nämlich zu lange hohe Dosen Koffein (zum Beispiel mehr als acht Tassen Kaffee täglich) zu sich, verpuffen die leistungssteigernden Effekte. Alle koffeinhaltigen Getränke sollten also bewusst als Genussmittel konsumiert werden und auf keinen Fall literweise als Durstlöscher. So bleibt der Spaß an den positiven Effekten auch erhalten. Wer dennoch vom Koffein loskommen will oder muss, leidet nicht lange unter den Entzugserscheinungen. Sie sind in den ersten zwei Tagen am stärksten und dauern höchstens bis zu neun Tage an.  

Übrigens: Jeder Mensch reagiert auf koffeinhaltige Getränke verschieden. Frauen reagieren im Allgemeinen sensibler auf Koffein als Männer. Zudem benötigt der weibliche Organismus mehr Zeit als der männliche, um das Stimulanz wieder abzubauen. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch wird empfohlen, auf Koffein ganz zu verzichten. Auch Schwangere und Stillende sollten die Finger davon lassen, denn der Stoff kann die Plazentaschranke passieren und direkt zum Bestandteil der Muttermilch werden.

Quelle: n-tv.de

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