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Diese englischsprachige Anleitung zum Eierkochen kommt ohne Anpiksen aus.
Diese englischsprachige Anleitung zum Eierkochen kommt ohne Anpiksen aus.(Foto: imago stock&people)

Frage & Antwort, Nr. 414 : Muss man Eier vor dem Kochen anpiksen?

Von Andrea Schorsch

Das perfekte Frühstücksei ist eine Wissenschaft für sich. Wer die richtige Kochzeit für wachsweiche Dotter gefunden hat, darf sich glücklich schätzen. Und natürlich sollte das Ei beim Kochen nicht platzen. Hilft anpiksen da wirklich?

Was wäre der Sonntag ohne das in Deutschland so beliebte Frühstücksei? Viel ist darüber schon gefachsimpelt worden. Die bestmögliche Konsistenz muss es haben, es darf nicht zu weich sein, aber auch nicht zu hart. Physiker stellten Formeln für die perfekte Kochdauer auf, Loriot widmete den familiären Diskussionen über das "zufällig weiche Ei" einen Sketch. Doch es ist nicht allein das optimale Dotter, das für Gesprächsstoff sorgt. Muss man Eier vor dem Kochen anpiksen? An dieser Frage scheiden sich die Geister.

Die Antwort ist ganz klar: Nein, man muss Eier nicht anpiksen. Es ist unnötig, sie vor dem Kochen mit einem kleinen Loch zu versehen. Wer es lässt, wird erleben, dass gelegentlich ein Ei platzt. Wer es tut, ist davor aber auch nicht gefeit. Mit dem Anpiksen steigt nicht mal nachweislich die Wahrscheinlichkeit, dass das Ei heil bleibt.

3000 Eier im Test

Es war der WDR, der sich 2011 um diese Erkenntnis verdient gemacht hat. Für die Sendung "Kopfball" beauftragte der Sender seine Zuschauer, in einer Datenbank im Internet festzuhalten, wie sie ihre Eier kochen und mit welchem Ergebnis. So wurden 3000 Eier einem Test unterzogen, genug für ein aussagekräftiges Ergebnis. Etwa die Hälfte der Eier war angepikst worden, die andere Hälfte nicht. Auch die Kochmethoden waren unterschiedlich: Etwa die Hälfte der Eier war in siedendes Wasser gelegt worden, ein Viertel in kaltes, um dann erhitzt zu werden, und das restliche Viertel war im Eierkocher zum Frühstücksei geworden.

Das Ergebnis: Von den angepiksten Eiern gingen im Schnitt 10 Prozent kaputt, von den nicht angepiksten Eiern waren es 12 Prozent. Das sieht nach einem Vorteil für Eier mit Mini-Loch aus. Doch dem widersprechen Statistiker. Denn statistisch gesehen unterscheiden sich die Zahlen nicht. Anders ausgedrückt: Der Unterschied ist so gering, dass er auch dem Zufall geschuldet sein könnte.

Überraschend robust

Das ändert sich übrigens auch mit dem Einsatz eines Eierkochers nicht. Sofern sie einen solchen benutzten, piksten manche "Kopfball"-Zuschauer die Eier vorher an, andere verzichteten darauf. Mit Loch platzten 8 Prozent der Eier im Kocher, ohne Loch waren es 11 Prozent. Der Unterschied scheint hier deutlicher zu sein, aber der Schein trügt: Statistisch ist er nicht signifikant, wie es im Wissenschaftler-Jargon heißt.

Während sich im Internet die Datenbank füllte, nahm eine WDR-Redakteurin zusammen mit einem Physiker das Ei experimentell unter die Lupe. Die beiden stellten fest: Wird ein Ei erwärmt, baut sich in seinem Innern tatsächlich ein Druck auf. Die im Ei befindliche Luft dehnt sich aus, auch der Wasserdampfdruck steigt (das Eiklar besteht zu 88 Prozent aus Wasser). Es lässt sich berechnen, wie hoch der zusätzliche Druck ist, der von innen auf die Schale wirkt, wenn ein gekühltes Ei auf 90 bis 100 Grad Celsius erhitzt wird: Es geht um etwa 1 Bar. Ist das eine Größe, die ein Ei im Allgemeinen aushalten kann?

Um das herauszufinden, füllten die beiden Eier-Forscher ausgeblasene Eier so lange mit Luft, bis sie platzten. Es zeigte sich: Einen Überdruck von 1 Bar halten Eier locker aus. Die Test-Eier zerbrachen ab einer Druckdifferenz von 1,5 Bar, zum Teil hielten sie sogar mehr als 2,5 Bar Überdruck noch stand. Das Experiment unterstützte somit das aus der Datenbank gewonnene Ergebnis: Eier sind erstaunlich robust – und Eierpikser verzichtbar. Und falls doch mal ein Ei kaputtgeht, ist nicht gesagt, dass es mit Loch ganz geblieben wäre.

Quelle: n-tv.de

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