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Es gibt kaum etwas, das Freundinnen nicht gemeinsam machen.
Es gibt kaum etwas, das Freundinnen nicht gemeinsam machen.(Foto: imago/Westend61)

Frage & Antwort, Nr. 486: Passen sich Monatszyklen bei Frauen an?

Von Jana Zeh

Lachen, Weinen, aufs Klo gehen: Echte Freundinnen machen fast alles gemeinsam. Ob sich diese Nähe auch auf den Menstruationszyklus auswirkt, darüber streiten Forscher bis heute.

Immer wieder stellen Frauen fest, dass sie mit ihrer Freundin, Kollegin oder Mitbewohnerin zur gleichen Zeit bluten. Zufall? Die Anpassung der Monatszyklen von Frauen, die entweder nah beieinander leben oder eng befreundet sind, wird schon seit Jahrzehnten diskutiert und untersucht. "Einige wissenschaftliche Studien konnten dieses Phänomen bestätigen, andere dagegen nicht", sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover den Stand der Wissenschaft.

Die jüngsten Untersuchungsergebnisse, wie beispielsweise die von Marija Vlajic von der Oxford University, sprechen eher dagegen. Vlajic befragte mit Hilfe der Menstruations-App Clue insgesamt 360 weibliche Paare über drei Monate hinweg nach ihrer Periode und stellte fest, dass innerhalb dieses Zeitraums die Blutungen bei 76 Prozent der Frauen am Ende der Untersuchung sogar weiter auseinander lagen als noch zu Beginn des Untersuchungszeitraums. "Synchron zu bluten ist kein reales Phänomen", so das Fazit von Vlajic. Doch reicht ein Zeitraum von drei Monaten zur Anpassung aus?

Bei gleichzeitiger Blutung könnte man gemeinsam auf der Couch liegen.
Bei gleichzeitiger Blutung könnte man gemeinsam auf der Couch liegen.(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Verfechterin der Synchronisation der Menstruation ist Martha McClintock. Bereits 1971 befasste sie sich erstmals mit der wissenschaftlichen Untersuchung der These. Die Psychologin hatte Ende der 1960er-Jahre eine wissenschaftliche Diskussion verfolgt, bei der die Forscher das Steuern des Eisprungs bei Mäusen durch Pheromone besprachen. McClintock wollte daraufhin beweisen, dass dieses Phänomen auch bei Menschen zu beobachten ist. In ihrer ersten Untersuchung befragte sie insgesamt 135 Bewohnerinnen eines Studentenwohnheims nach ihren Blutungstagen und wertete die Daten aus.

Bei guten Freundinnen, so das Ergebnis, lag der Zeitpunkt der Menstruation zu Beginn des Studienhalbjahres sechseinhalb Tage auseinander. Sieben Monate später, also am Ende des Semesters, waren es nur noch viereinhalb Tage. Für McClintock waren diese Ergebnisse eindeutig Beweis für eine Anpassung der weiblichen Zyklen bei Frauen. Sie ging schon damals davon aus, dass unbewusst wahrgenommene Pheromone bei Menschen diese Steuerung übernehmen.

Verlängern oder Verkürzen des Zyklus

Um ihre Erkenntnisse zu bestärken, führte die Psychologin eine weitere Untersuchung zu diesem Thema durch, deren Ergebnisse sie 1998 veröffentlichte. Sie ließ einen Teil der Probandinnen einen Tag lang Wattebäusche unter den Armen tragen. Diese wurden dann später anderen Studienteilnehmerinnen unter die Nase gerieben. Damit könne man, je nachdem, in welcher Phase ihres Zyklus sich die ersten Testpersonen befanden, die Periode der zweiten Probandin entweder verlängern oder verkürzen, so die Ergebnisse. McClintock wollte damit einen weiteren Beweis für die Wirksamkeit von Pheromonen zwischen Menschen und ganz speziell zwischen Frauen liefern.

Allerdings wurden der Wissenschaftlerin daraufhin mehrfach Fehler im Versuchsaufbau und Ungenauigkeiten vorgeworfen. Eine Messung der Menstruations-Annäherung ergebe nur Sinn, wenn Frauen dieselbe Zykluslänge aufweisen, ohne hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille einzunehmen, so ihre Kritiker. Bei unterschiedlichen Zykluslängen dagegen nähere sich der Beginn der Menstruationen ja über die Monate hinweg zwangsläufig an. Und auch Überschneidungen sind programmiert. 

Zwischenmenschlicher Pheromon-Austausch

Trotz aller Kritik bleibt McClintock auch in den folgenden Jahren ihrem Thema treu, betrachtet es aber aus einem erweiterten Blickwinkel. Sie weiß jetzt, dass es, genauso wie bei den Mäusen, bei der Synchronisierung nicht um den Beginn oder die Länge der Menstruation, sondern um den Eisprung geht. Und sie weiß auch, dass die Synchronisation durch Pheromone nur ein kleiner Teil des zwischenmenschlichen Pheromon-Austauschs ist.

Ob die Anpassung tatsächlich ein Mythos ist, der durch zufällige Übereinstimmungen entstand, oder aber Realität, kann auch an dieser Stelle nicht eindeutig geklärt werden.  

Übrigens: In einer Untersuchung von 1999 glaubten 80 Prozent der befragten Frauen an eine Anpassung des Menstruationszyklus', 70 Prozent davon gaben an, solch einen schon erlebt und sogar genossen zu haben.

Quelle: n-tv.de

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