Wissen
Viele wollen im neuen Jahr mehr Sport treiben.
Viele wollen im neuen Jahr mehr Sport treiben.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Frage & Antwort, Nr. 256: Schlechte Gewohnheiten gegen gute tauschen?

Von Jana Zeh

Stimmt es, dass man schlechte Gewohnheiten schneller los wird, wenn man sie durch eine gute, neue Gewohnheit ersetzt? (fragt Sebastian R. aus Weimar)

"Das Problem an der Sache ist, dass die neuen Gewohnheiten nicht nur fremd, sondern  am Anfang auch sehr anstrengend sind", erklärt die Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf aus Mannheim. Menschen sind Gewohnheitstiere, denn das menschliche Gehirn ist auf Routine aus. Nur durch die immer wieder gleichen Abläufe können Energie und neuronaler Aufwand eingespart werden. Für Neues dagegen muss das Arbeitsgedächtnis der Großhirnrinde angeschaltet werden. Das kostet Energie und Zeit. Aus diesem Grund sollte man sich auch auf die Veränderung von einer Gewohnheit pro Jahr begrenzen.

"Es kann tatsächlich sehr hilfreich sein, wenn man sich zunächst ganz klarmacht, welche Gewohnheit man unbedingt ablegen und welche man sich stattdessen zulegen möchte", erklärt die Expertin. Eine Gewohnheit erfüllt immer eine bestimmte Funktion. Legt man die Gewohnheit ab, entsteht eine Lücke. Diese erschwert das Durchhalten über einen längeren Zeitraum immens.

Raucher sollten Kauer werden

Viele Raucher wollen sich ihr Laster mit Beginn des neuen Jahres abgewöhnen.
Viele Raucher wollen sich ihr Laster mit Beginn des neuen Jahres abgewöhnen.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Wer beispielsweise mit dem Rauchen aufhören will, der sollte sich klarmachen, was er stattdessen in der Zeit und auch zu den Anlässen macht, wenn er dann nicht mehr raucht. Da eine Zigarettenlänge nicht länger als fünf Minuten dauert, müsste die neue Gewohnheit ähnlich wenig Zeit in Anspruch nehmen. Das genüssliche Kauen von Nüssen, Süßholz oder Kaugummi kann in diesem Augenblick sehr hilfreich sein, allerdings sollte wirklich bewusst und mit Lust gekaut werden und nicht bloß nebenbei.

Wer nicht so gern kaut, der kann auch lutschten, um dem Rauchen zu entkommen. Noch besser ist es, wenn man zum Kauen oder Lutschen sogar den Raum verlässt und wie sonst auch an die frische Luft geht. Wichtig ist, auf die Menge und die Kalorien des Rauchersatz-Snacks zu achten, da viele frischgebackene Nichtraucher zur Gewichtszunahme neigen. Das wiederum könnte zu einem Motivationsknick und im schlimmsten Fall zur Rückkehr zur alten Gewohnheit führen.

Da Rauchen bei den meisten Menschen nicht nur eine ungesunde Angewohnheit ist, sondern auch eine körperliche Sucht, kann es sinnvoll sein, sich zusätzlich mit Mitteln wie Nikotinpflastern oder Ähnlichem aus der Apotheke zu unterstützen. Am wichtigsten ist jedoch, Spaß, mindestens aber ein gutes Gefühl für die neue Ersatzgewohnheit zu entwickeln, denn das fördert das Durchhaltevermögen.

Mehr Sport treiben

Man sollte sich die Vorteile von neuen Gewohnheiten immer wieder vor Augen halten.
Man sollte sich die Vorteile von neuen Gewohnheiten immer wieder vor Augen halten.(Foto: picture-alliance/ ZB)

Wer sich fest entschlossen hat, im neuen Jahr mehr Sport zu treiben, sollte ebenfalls  einen Gewohnheitstausch anstreben. So liegt es beispielsweise nahe, das allabendliche Fernsehen durch sportliche Aktivitäten mindestens zwei Mal die Woche zu ersetzen oder am Morgen eine halbe Stunde Schlaf durch Sporteln einzutauschen. Das erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen. Unterstützung bringen Verabredungen mit Gleichgesinnten. Bei manchem kann vielleicht der Ehrgeiz durch eine Wette geweckt werden. Jegliche Tricks, um den inneren Schweinehund zu überlisten, sind erlaubt. Zudem sollte man sich vorab einen Plan B zurechtlegen, der beschreibt, wie man vorgeht, wenn man seinen Vorsatz einmal nicht einhält. Denn Rückfälle sind normal und sollten kein Grund sein, das Vorhaben ganz aufzugeben.

Der Aufwand lohnt sich, denn das Zulegen von gesunden Gewohnheiten hat meistens mehrere Effekte. Hat man es geschafft, die neue Gewohnheit in seinem Leben zu etablieren, steigt das Selbstwertgefühl, Laune und Zufriedenheit verbessern sich. Das macht Mut für weitere Veränderungen. Bei vielen Menschen stellen sich nach einiger Zeit sogar ein gesünderes Essverhalten und ein insgesamt bewussteres Dasein ein.

Übrigens: Je fester jemand von seinem Vorhaben überzeugt ist, je detaillierter man sich die positiven Effekte ausmalt, umso wahrscheinlicher ist es, dass man seine Gewohnheit tatsächlich und langfristig gegen eine gesundheitsfördernde eintauschen kann. Hilfe von außen ist jederzeit erlaubt.

Quelle: n-tv.de

Haben auch Sie eine Frage und suchen nach der Antwort?

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Empfehlungen