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Aber nicht einfach auf die Straße spucken.
Aber nicht einfach auf die Straße spucken.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Samstag, 25. April 2009

Frage & Antwort, Nr. 66: Sind verschluckte Kaugummis schädlich?

Von Jana Zeh

Ist es schädlich, wenn mein Freund jeden Tag einen Kaugummi verschluckt? Kann sich das Teil irgendwo im Körper festsetzen? (fragt Malte H. aus Hamburg)

Alle Freunde des Kaugummis wird die Antwort freuen, denn es ist völlig unbedenklich, wenn man mal einen davon verschluckt. Selbst ein verschluckter Kaugummi am Tag stellt für einen gesunden Menschen kein Problem dar, erklärt Dr. Jutta Keller, Oberärztin am Israelitischen Krankhaus in Hamburg. Der eigentliche Kaugummi ist unverdaulich. Das heißt, er passiert die Speiseröhre und kommt dann zum Magen. Dort oder spätestens (nach Verlassen des Magens) im Dünndarm werden alle verdaulichen Inhaltsstoffe wie Zucker herausgelöst und aufgenommen. Das unverdauliche Material wird weiter transportiert, um einige Zeit später mit dem Stuhl aus dem Körper ausgeschieden zu werden.

Da Kaugummis recht klein und elastisch sind, kann der Körper gut damit umgehen. Schwierig kann es werden, wenn mehrere Kaugummis zusammen oder Kaugummi mit anderen unverdaulichen Stücken, zum Beispiel Plastikteilen, verschluckt werden. Entweder ist der Kaugummi mit dem unverdaulichen Teil verklebt und dann zu groß oder nicht mehr elastisch genug für den normalen Werdegang durch den Körper. Solche Stücke könnten sich, je nach Größe, irgendwo im Verdauungsgang festsetzen. Auch Menschen mit Bewegungsstörungen von Magen oder Darm sollten keine Kaugummis verschlucken, da diese sich dann leichter zusammenballen können. Allerdings sind solche Fälle weltweit nur ganz vereinzelt beschrieben worden, so Dr. Keller.

Der Betriebsleiter Siegfried Pfeiffer von der Wohlgemuth Süßwaren GmbH in Bernburg kontrolliert im Zwischenlager Kaugummi.
Der Betriebsleiter Siegfried Pfeiffer von der Wohlgemuth Süßwaren GmbH in Bernburg kontrolliert im Zwischenlager Kaugummi.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Aus medizinischer Sicht ist das Kauen zuckerfreier Kaugummis zu empfehlen, versichert Dr. Keller. Neben den günstigen Eigenschaften für die Zahnpflege durch die Steigerung des Speichelflusses kommen auch noch die Belüftung der Ohrtrompeten, die Lockerung von Kiefer- und  Nackenmuskeln sowie eine bessere Hirndurchblutung hinzu, die wiederum Konzentration und Merkfähigkeit steigert. Außerdem kann nicht außer Acht gelassen werden, dass Kaugummikauen Stress abbaut und eine ganze Menge Energie verbraucht.

Trotz der vielen guten Wirkungen sollte Kaugummikauen aber nicht exzessiv betrieben werden, mahnt Dr. Keller. Kaugummifans sollten unbedingt auf einige Dinge achten: Kaut man regelmäßig immer nur auf einer Seite, kann es zu Kieferschiefständen und ungleichmäßigen Kaumuskeln kommen. Um den Zähnen wirklich etwas Gutes zu tun, sollten Kaugummis keinen Zucker enthalten. Die Zuckeraustauschstoffe Xylit und Sorbit greifen nachweislich nicht den Zahnschmelz an. Menschen, die jedoch empfindlich auf Zuckeraustauschstoffe reagieren, sollten auf die Menge des Zuckeraustauschstoffes in Kaugummis achten. Zuviel davon führt zu Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen. Warnhinweise wie: "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken" sind auf zahlreichen Produkten zu finden.

Verhaltensregeln fürs Kaugummikauen

Die Beseitigung von einem Kaugummi von der Straße kostet bis zu drei Euro. Auch Kinder unter fünf Jahren sollten keine Kaugummis angeboten werden, da sie das Kauen ohne Schlucken noch nicht verstehen. Für alle Kaugummifreunde gilt: wer es mag, soll kauen, aber dabei auch an die Mitmenschen denken: der Mund sollte beim Kauen geschlossen bleiben, das Kauen sollte geräusch- und blasenlos sein, langsam kauen, gleichmäßig und achtsam. Unaufmerksamkeit oder ein Kaugummi beim Sport können zum Aspirieren, also zum Einatmen in die Atemwege führen. Dann allerdings ist der Kaugummi lebensgefährlich.

Auch wenn das Verschlucken des Kaugummis ungefährlich ist, sollte er nach dem Kauen ausgespuckt werden. Aber bitte nicht auf die Straße, denn das Entfernen eines einzelnen Kaugummis von der Straße kostet bis zu drei Euro. Die Kommunen geben, laut Berechnungen des Kommunikationsdesigners Marcus Sonntag, jährlich rund 900 Millionen Euro für die Entfernung von festgeklebten Kaugummis aus. Wird er nicht entfernt, braucht es bis zu fünf Jahre, bis er sich von selbst aufgelöst hat. Aus diesem Grund haben einige Gemeinden im In- und Ausland Geldstrafen für das Kaugummi-auf-die-Straße-Spucken verhängt. In Prag muss man umgerechnet rund 40 Euro zahlen, in Los Llanos de Adria auf La Palma werden die unachtsamen Spucker mit 300 Euro Strafe zur Kasse gebeten. In Singapur sind es sogar rund 500 Euro.

Unser Leser Markus Keller wies außerdem darauf hin, dass Kaugummis nicht in Hecken oder ins Gras gespuckt werden dürfen, weil sonst die Vögel diese mit Futter verwechseln und sich damit den Schnabel verkleben. Dann sterben sie einen qualvollen Hungertod.

Quelle: n-tv.de

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