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Wer krank ist, möchte meistens nur seine Ruhe haben.
Wer krank ist, möchte meistens nur seine Ruhe haben.(Foto: imago/McPHOTO)
Dienstag, 10. Oktober 2017

Frage & Antwort, Nr. 502: Soll man bei Krankheit essen oder fasten?

Von Jana Zeh

"Iss, damit du wieder gesund wirst", haben Mütter und Großmütter lange Zeit ihren Kindern und Enkeln eingeredet. Tatsächlich spielt die Ernährung während einer Erkrankung eine zentrale Rolle. Doch wann genau wirkt was?

Wer richtig krank ist, will seine Ruhe haben - auch vorm Essen. Manche Betroffene zwingen sich dennoch zu jedem Bissen, haben sie doch die Ratschläge ihrer Mütter im Ohr, bei Krankheit bloß nicht mit dem Essen aufzuhören. Doch ist der Selbstzwang zum Essen die richtige Verhaltensweise, um schnell wieder gesund zu werden? Oder hat Appetitlosigkeit sogar einen Sinn?

Es kommt darauf an, woran man erkrankt ist, weiß das Forscherteam um Andrew Wang von der Yale University School of Medicine. Während einer Erkrankung nicht zu essen, kann nämlich bestimmte Erreger regelrecht aushungern, beweisen die Ergebnisse der Studie, die die Forscher bereits 2016 im Fachmagazin "Cell" veröffentlichten. In ihrer Untersuchung hatten die Mediziner Mäuse mit verschiedenen Erregern infiziert. Anschließend wurde eine Mäuse-Gruppe gefüttert, die andere dagegen bekam keine Nahrung.

Mäuse ohne Appetit

Bei den mit sogenannten Listerien infizierten Mäusen hatte sich gezeigt, dass diese auch bei ihnen zu Appetitlosigkeit führt. Wurden die Tiere dennoch weitergefüttert, starben sie überdurchschnittlich häufig an der Infektion im Vergleich zu den Versuchstieren, denen keine Nahrung gegeben wurde. Listerien sind Bakterien, die in Lebensmitteln entstehen und bei Menschen zu Magen-Darm-Problemen führen.

Völlig andere Ergebnisse zeigten sich dagegen bei Mäusen, die mit Grippe-Viren infiziert waren. Die Nager, die weiterhin Futter bekamen, überlebten die Erkrankung wesentlich öfter als die Tiere, denen die Nahrung verwehrt wurde. Die Forscher stützten damit die Ergebnisse einer früheren Studie, die bereits 2002 den Zusammenhang zwischen den positiven Eigenschaften des Fastens bei bakteriellen Infektionen und der Nahrungsaufnahme bei Virusinfektionen zeigten.

Fasten bei Bakterien, Essen bei Viren

Das Forscherteam aus den Niederlanden konnte zeigen, dass eine Mahlzeit den körpereigenen Botenstoff Interferon-gamma um durchschnittlich 450 Prozent im Blut ansteigen lässt. Der Botenstoff aktiviert das Immunsystem. Dadurch wird die Vermehrung der Viren aktiv gebremst.  

Nehmen Patienten mit bakteriellen Infektionen nur Wasser und keine feste Nahrung zu sich, erhöht sich die Konzentration des Botenstoffes Interleukin-4 im Blut messbar. Dieser regt die Produktion von Antikörpern an, sodass Infektionen durch Bakterien zurückgedrängt werden können.

Auch wenn die Forscher keine konkreten Ernährungsvorgaben für Erkrankte gemacht haben, gilt die Hühnersuppe bei einer Grippe immer noch als hilfreich. Wer es nicht so weit kommen lassen will, der lässt sich vorbeugend impfen.

Übrigens: Ob man sich mit Bakterien oder Viren herumschlägt: Die Aufnahme von Flüssigkeit sollte man in keinem der beiden Fälle vernachlässigen. Vor allem Wasser und ungezuckerte Getränke unterstützen das Immunsystem.

Quelle: n-tv.de

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