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Eisbader sollten schon lange Zeit mit sehr kaltem Wasser ihre Körper trainiert haben.
Eisbader sollten schon lange Zeit mit sehr kaltem Wasser ihre Körper trainiert haben.(Foto: picture alliance / Helmut Fohrin)
Dienstag, 07. November 2017

Frage & Antwort, Nr. 506: Stärkt kaltes Wasser das Immunsystem?

Von Jana Zeh

Eisbaden, kalte Güsse, Saunagänge: Abhärten scheint ein wirksames Mittel zu sein, um einer Erkältung zu entkommen. Die Anwendungen mit kaltem Wasser auf der Haut kosten allerdings einige Überwindung. Lohnt sich das wirklich?

Eine Erkältung ist immer unpassend. Viele fragen sich daher, wie sie der lästigen Schniefnase entgehen können. Bei der Vielzahl von abwehrstärkenden Nahrungsergängzungsmitteln kann man schnell den Überblick verlieren. Viele Menschen wollen auch gar nichts extra schlucken, um den Krankheitserregern trotzen zu können. Also muss etwas anderes her: Abhärten ist das Wort, was diesbezüglich immer wieder fällt. Aber hilft das wirklich? "Ja, das funktioniert, wie in zahlreichen Studien bewiesen werden konnte", sagt Dr. Heinz Leuchtgens, Vorstand der Ärztegesellschaft für Präventionsmedizin, klassische Naturheilverfahren, Kneippärztebund e. V., im Gespräch mit n-tv.de.

Kaltes Armbäder machen auch gute Laune.
Kaltes Armbäder machen auch gute Laune.(Foto: picture alliance / dpa)

"Allerdings", so der Experte weiter, "geht es beim Abhärten nicht nur um Kälte allein, wie es beim Eisbaden oder kalten Güssen oftmals suggeriert wird, sondern um den Wechsel zwischen Wärme und Kälte." Das heißt, man nimmt den etwa 37 Grad warmen Körper und setzt diesen am besten mehreren seriellen Kältereizen aus. "Um sich abzuhärten, ist es nicht so sehr entscheidend, dass man den gesamten Körper einmalig mit eiskaltem Wasser übergießt", betont Leuchtgens. Es komme beim Abhärten nicht unbedingt darauf an, wie groß die Körperfläche oder wie kalt das Wasser sei. Es reiche vollkommen aus, die Arme bis zur Mitte der Oberarme oder die Füße bis zur Wadenhälfte mit sogenannten Wechselanwendungen, also warm-kalt-warm-kalt, mehrmals wöchentlich zu behandeln, um die sogenannte Thermoregulation des Körpers zu trainieren und die körpereigene Produktion von Abwehrstoffen anzuregen.

Training der Thermoregulation

"Es geht dabei um das Prinzip der Wechselanwendungen, die allerdings richtig gemacht werden müssen", betont Leuchtgens und erklärt auch gleich, wie: "Man fängt mit warmem Wasser an und setzt dann einen kurzen Kaltreiz. Danach wärmt man sich im warmen Wasser wieder auf und setzt noch einmal einen kurzen Kaltreiz", erklärt der Kurarzt. Das Wasser aus der Leitung ist hierzulande im Allgemeinen kalt genug dafür. Für Menschen, die besonders kälteempfindlich sind oder zum Frieren neigen, könnte es jedoch schon zu kalt und das warme Wasser nicht warm genug sein, dann muss neu reguliert werden. "Menschen sollten - wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch - auf ihren Körper hören", so der Experte.

Mit den Wechselanwendungen simuliert man die Gegebenheiten in der Natur, denn auch hier hat man, zum Beispiel im Laufe des Tages oder auch beim Wechsel zwischen Sommer und Winter, mit verschiedenen Umgebungstemperaturen zu tun. Der Körper muss sich also ständig neu anpassen. In der Wärme werden die Blutgefäße erweitert, in der Kälte werden die Blutgefäße zusammengezogen – auch in den Schleimhäuten, die als Eintrittspforte für Erkältungserreger dienen. "Durch den Wechsel zwischen warm und kalt werden die Schleimhäute besser durchblutet. So ist die lokale Immunantwort gestärkt und Krankheitserreger können abgewehrt werden", erklärt der Mediziner.

Übrigens: Wenn man bereits erkältet ist, sollte man keine Wechselanwendungen durchführen, denn das könnte den Körper zu sehr belasten. Besser ist es dann, sogenannte ansteigende Arm- oder Fußbäder zu machen. Das bedeutet, dass man die Arme oder Beine in warmes Wasser hält und ständig wärmeres Wasser bis 40 Grad Celsius hinzulaufen lässt. Bei Fieber allerdings sollte man auch darauf verzichten.

Quelle: n-tv.de

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