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Um in einen Paternoster ein- oder aus ihm auszusteigen, muss man sich konzentrieren.
Um in einen Paternoster ein- oder aus ihm auszusteigen, muss man sich konzentrieren.(Foto: picture alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 257: Warum heißt der Paternoster so?

Von Jana Zeh

Warum heißt ein Umlauffahrstuhl Paternoster? Woher kommt dieser Name, der ja auch im Religiösen seine Bedeutung hat? Und wie wird er dann begründet? (fragt Willi S. aus Übach-Palenberg)

"Tatsächlich hat der Fahrstuhlname Paternoster einen religiösen Hintergrund", sagt Andreas Bernard, Journalist und Autor von "Die Geschichte des Fahrstuhls". Denn er geht auf das Prinzip des katholischen Rosenkranz-Gebets zurück.

Das Gebet mit dem Rosenkranz gehört für viele gläubige Menschen zum täglichen Ritual.
Das Gebet mit dem Rosenkranz gehört für viele gläubige Menschen zum täglichen Ritual.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Beim Gebet mit dem sogenannten Rosenkranz - einer Gebetsschnur mit 59 teilweise verschieden großen Perlen und einem Kreuz - werden die Perlen zwischen den Fingern weitergeschoben. "Nach zehn Ave-Maria-Gebeten folgt ein 'Vater Unser', also ein Pater noster", erklärt Bernard. Sind zehn kleine Perlen dem Ave Maria-Gebet zugeordnet, so ist für das 'Vater Unser' eine größere Perle aufgereiht. Diese Perle wurde auch als 'Pater noster' bezeichnet. Später bekam die gesamte Gebetsschnur diesen Namen.

Wie eine Endlosschleife

So wie der Rosenkranz beim Gebet durch die Finger gleitet, so werden auch die Kabinen beim Aufzug über Rollen in einem Umlaufsystem wie in einer Endlosschleife bewegt.

Der erste Umlaufaufzug der Welt wurde 1876 im General Post Office in London installiert. Hier wurden anfangs keine Menschen, sondern Pakete und Päckchen in verschiedene Etagen transportiert. Erst später wurden mit ihm auch Personen bewegt.

In Bergwerken wurden schon vor 1876 artverwandte Umlaufsysteme sowohl für den Personentransport (Fahrkunst) als auch für den Abtransport von Schüttgut (Becherwerke) benutzt. Die Grubenarbeiter nannten solche umlaufenden Fördersysteme Paternoster. "Für den Personenumlaufaufzug hat sich diese Bezeichnung schließlich durchgesetzt", erklärt der Experte.

Nicht für alle geeignet

Wer in den nostalgischen Genuss kommen möchte und selbst einmal Paternoster fahren will, der findet im Internet verschiedene Listen mit solchen Aufzügen in öffentlichen Gebäuden. Allerdings müssen vorher ein paar grundlegende Regeln beachtet werden. So dürfen Kinder und Behinderte die Aufzüge nicht (allein) benutzen. Auch Kinderwagen, großes Gepäck und Leitern dürfen nicht mitgenommen werden. Kurzum: Nur wer in der Lage ist, schnell und sicher in die fahrende Kabine ein- und wieder auszusteigen, darf den Paternoster benutzen.

Um sicher im Paternoster zu fahren, muss man gut zu Fuß sein.
Um sicher im Paternoster zu fahren, muss man gut zu Fuß sein.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Obwohl Paternoster die Wartezeiten an Fahrstühlen verkürzen und sehr viele Menschen befördern können, dürfen seit 1974 keine neuen Personenumlaufaufzüge in Deutschland mehr gebaut werden. Zu groß ist das Sicherheitsrisiko, zu hoch die Zahlen von Verletzten und sogar Todesfällen durch Paternosterbenutzung. Die Abschaffung aller Personenumlaufaufzüge in Deutschland per Gesetz allerdings, die für 2004 geplant war, konnte durch den "Verein zur Rettung der letzten Personenumlaufaufzüge" gestoppt werden. Die Paternoster, die heute noch in Betrieb sind, könnten deshalb zu Recht als Technik-Denkmäler bezeichnet werden.

Übrigens: Personenumlaufaufzüge wurden in Firmen und Betrieben, die sowohl Paternoster als auch Aufzüge mit geschlossenen Kabinen betrieben, oftmals als "Proletenbagger" bezeichnet. Die sichereren Aufzüge standen nämlich nur besonderen Personen zur Verfügung und bekamen deshalb den Namen "Bonzenheber".-

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Quelle: n-tv.de

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