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Eine einfache Bohrung reicht oft aus, um dem Öl einen Weg nach oben zu bahnen. Hier ein Bohrturm in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Eine einfache Bohrung reicht oft aus, um dem Öl einen Weg nach oben zu bahnen. Hier ein Bohrturm in den Vereinigten Arabischen Emiraten.(Foto: picture-alliance / dpa)
Dienstag, 06. April 2010

Frage & Antwort, Nr. 114: Was passiert mit Erdöl-Kammern?

Von Andrea Schorsch

Was passiert mit dem Hohlraum im Erdreich, wenn Erdöl gefördert wurde? (fragt Jörg Wedlich aus Neuleiningen)

Diese Frage lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten: Öl lagert gar nicht in großen unterirdischen Kammern. Vielmehr füllt es Öffnungen und Zwischenräume in porösen oder zerklüfteten Gesteinsschichten. Somit bleiben nach der Erdölförderung keine größeren Hohlräume zurück.

Die Details erklärt uns Dr. Gisa Teßmer, Geschäftsführerin der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V.: "Die Erdölförderung beginnt im Allgemeinen – so beispielsweise in Saudi Arabien – mit der eruptiven Phase", so Teßmer. "Bohrt man eine ölhaltige Gesteinsschicht an, dann liefert man dem Öl, das unter hohem Druck steht, ein Ventil, und es sprudelt als Fontäne aus dem Boden."

Womöglich sackt der Boden ab

Öl ist nämlich wegen seiner geringen Dichte stets bestrebt, aufzusteigen. Soweit es sich in den Sedimentschichten bewegen kann, drängt es also von sich aus an die Erdoberfläche. Stößt es dabei an eine Gesteinsschicht, die für Öl undurchlässig ist, bildet sich eine Öllagerstätte, in der hoher Druck herrscht. Eine einfache Bohrung reicht dann aus, um dem Öl einen Weg nach oben zu bahnen. "Dadurch", erklärt Teßmer, "wird dann der Druck in der Lagerstätte kleiner. Und je nach dem, wie fest die umgebenden Schichten sind, kann es sein, dass es zu einem Zusammensacken kommt, sodass sich der Boden also absenkt."

Lässt der Druck allmählich nach und wird die Fontäne immer kleiner, dann beginnt, wie die Expertin erläutert, die zweite Phase: die Injektionsbohrung. Bei dieser wird an einer anderen Stelle Wasser in die ölhaltige Gesteinsschicht gepresst. Auf diese Weise erhöht sich der Druck wieder und das Erdöl tritt zu Tage. "Was zurückbleibt", so Teßmer, "sind keine Hohlräume, sondern Wasser." Oft laufen die Poren, die einst mit Öl gefüllt waren, schon bei der Förderung mit Grundwasser voll. "Gibt es hier allerdings Mengendefizite", so die Geophysikerin, "kann es sein, dass der Boden nachgibt."

Es geht auch andersherum

Haupteingang des Berliner Olympiastadions.
Haupteingang des Berliner Olympiastadions.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Doch das ist eher bei der Förderung von Erdgas ein Problem. Gas ist - im Unterschied zu Flüssigkeiten - kompressibel, es lässt sich auf kleinstem Raum zusammendrücken. Dadurch sind die unterirdischen Druckverhältnisse andere als bei Erdöl. Entweicht Gas, ist es eher möglich, dass sich der Boden senkt.

Doch es geht auch andersherum: Der Boden unter dem Berliner Olympiastadion hat sich seit den 90er-Jahren um sechs Zentimeter gehoben. In die Sandsteinschichten unter dem Stadion wurden nämlich Anfang der 90er Jahre große Mengen Erdgas gepresst, was als Notreserve dienen soll. Wie auf einem Luftkissen wurde das Olympiastadion dadurch in die Höhe gehoben.

Quelle: n-tv.de

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