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Bis der Frühling auch biologisch Einzug gehalten hat, vergehen noch einige Wochen.
Bis der Frühling auch biologisch Einzug gehalten hat, vergehen noch einige Wochen.(Foto: imago/Dieter Mendzigall)

Frage & Antwort, Nr. 423: Wie schnell ist der Frühling?

Von Andrea Schorsch

Tristes Wetter, kahle Bäume, kurze Tage – kaum jemand, der sich im März nicht auf den Frühling freut. Der kommt. Verlässlich steht er Jahr für Jahr in diesem Monat im Kalender. Doch wann ist er wirklich da? Biologen wissen, in welchem Tempo er naht.

Die gute Nachricht für alle, die den Frühling kaum erwarten können: Er fängt gleich dreimal an. Dass die Meteorologen ihn bereits am 1. März einläuteten, ist bekannt. Und auch die Tag-und-Nacht-Gleiche, mit dem er astronomisch seinen Lauf nahm, haben wir seit dem 20. März hinter uns. Trotzdem sieht es noch immer nicht so recht nach Frühling aus da draußen. Das ist der Grund, weshalb es noch einen dritten Frühlingsanfang gibt: den biologischen. Er wird durch den Entwicklungsstand der Pflanzen bestimmt.

Frühlingseinzug auf einer Karte von 1930.
Frühlingseinzug auf einer Karte von 1930.(Foto: Wikipedia/gemeinfrei)

Dieser ist zurzeit noch nicht weit fortgeschritten. Die Schneeglöckchen blühen, was ein deutlicher Hinweis auf den biologischen Vorfrühling ist. Und mancherorts leuchten auch schon die Forsythien-Knospen. Sie zeigen an, dass die Phase des sogenannten Erstfrühlings begonnen hat. Er ist auch in der Birnbaum-Blüte sichtbar und in den Laubtrieben der Stachelbeere.

3600 Kilometer in 90 Tagen

Doch bis der Frühling biologisch gänzlich Einzug gehalten hat, müssen wir uns noch einige Wochen gedulden. Vollfrühling, wie es heißt, ist nämlich dann, wenn die Apfelbäume blühen. Das ist in manchen Regionen Deutschlands schon Ende April der Fall, in anderen erst Mitte Mai. Der genaue Zeitpunkt für den biologischen Frühlingsbeginn hängt von den Klimaverhältnissen ab. Im Südwesten der Republik setzt die Apfelbaumblüte früher ein als im Nordosten. Was jedoch stets einigermaßen gleich ist, ist die Zeitspanne, die der Frühling braucht, um von hier nach dort zu gelangen. Und damit lässt sich sagen, wie schnell er ist.

Betrachten wir dafür eine größere Distanz: In Europa ist es das südwestliche Portugal, das zuerst in den Genuss des Vollfrühlings kommt: In Faro beginnt er bereits Ende Februar. Von dort bewegt er sich nach Nordosten. Um den 20. April herum erreicht er die Oberrheinische Tiefebene und damit Deutschland. Und weiter und weiter geht es, bis die Apfelbäume Ende Mai auch in Finnland blühen. Für die Strecke von grob 3600 Kilometern von Portugal nach Finnland braucht der Frühling also drei Monate, rund 90 Tage. Das bedeutet: Er zieht mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 Kilometern pro Tag durch Europa.

Der genaue Zeitpunkt des biologischen Frühlingsbeginns allerdings wechselt von Jahr zu Jahr. Und womöglich wird der Klimawandel weitere Veränderungen zur Folge haben. Ob der Frühling dann schneller wird? Bislang jedenfalls könnte man bequem nebenher spazieren: mit 1,67 Kilometern in der Stunde.

Quelle: n-tv.de

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