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Dagobert badet in Münzen, nicht in Scheinen. Da ist die Keimbelastung eine andere.
Dagobert badet in Münzen, nicht in Scheinen. Da ist die Keimbelastung eine andere.(Foto: picture-alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 244: Wie unhygienisch ist Geld?

Von Jana Nikolin

Geld geht durch viele Hände. Aber ist es wirklich so unhygienisch, wie allgemein behauptet? Ich habe in den letzten Jahren Verschiedenes dazu gehört. Ist die Sorge, dass es krank machen könnte, nicht vielleicht doch übertrieben? (fragt Norbert K. aus Frankfurt).

Geld wird einiges unterstellt. Es mache nicht glücklich, verderbe den Charakter und zerstöre Freundschaften – schmutzig soll es auch noch sein. Zu Letzterem finden sich bereits in der wissenschaftlichen Literatur des späten 19. Jahrhunderts Hinweise. Viele Gesundheitsexperten raten daher: Wer sein Sparschwein schlachtet, sollte sich danach die Hände waschen. Denn Geld wandert von Hand zu Hand, wobei viele Keime haften bleiben. So wurden auf Geldscheinen etwa Salmonellenerreger und Grippeviren gefunden. Wie schmutzig Geld ist, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.

Ein erster Unterschied besteht zwischen Münzen und Scheinen. Die Oberfläche von Geldscheinen ist nicht so glatt, wie sie auf den ersten Blick scheint. Keime können in den kleinen Rillen der Scheine haften bleiben. Zudem werden Scheine häufig zusammengefaltet und geknickt. So kann sich Schmutz noch besser verstecken. Erreger auf Münzgeld haben es hingegen schwer. Die Münzen haben nicht nur eine glatte Oberfläche, auch wirkt das enthaltene Kupfer antibakteriell. Denn Kupfer-Ionen zerstören die Membrane von Mikroorganismen.

Rohstoff ist entscheidend

Nochmal zu den Geldscheinen: Auch ihr Material ist relevant. Die Banknoten in den USA und Europa bestehen aus Baumwolle, an deren Fasern sich Erreger festsetzen. Australier und Neuseeländer erfreuen sich hingegen an saubereren Scheinen. Diese basieren auf Polymeren, also Kunststoff. In Mexiko sind sowohl Baumwollscheine als auch Plastikscheine im Umlauf. Ein internationales Forschungsteam um den Mikrobiologen Frank Vriesekoop von der australischen University of Ballerat fand auf dem Baumwollpapier in Mexiko viermal so viele Bakterien wie auf den anderen Scheinen.

Vriesekoops Team entdeckte bei der Untersuchung von insgesamt 1280 Scheinen aus zehn Ländern im Jahr 2010 noch einen weiteren Zusammenhang: Besonders die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, so ein Ergebnis, ist ausschlaggebend für die Hygiene des Geldes. Einkommensschwache Länder besitzen also schmutzigeres Geld. Vriesekoop führt das vor allem auf das schnellere Aussortieren von Scheinen in den Industrieländern zurück. Auch vermutet er, dass der höhere Wohlstand und damit die verbesserte Hygiene in entwickelten Ländern für sauberere Scheine sorgen. 

Schmutzige Scheine in China

Das Tastenfeld eines Geldautomaten: Hier tummeln sich so viele Keime wie auf öffentlichen Toiletten.
Das Tastenfeld eines Geldautomaten: Hier tummeln sich so viele Keime wie auf öffentlichen Toiletten.(Foto: dpa)

Die Forscher konnten noch einen weiteren Zusammenhang ausmachen: Offenbar wirkt sich auch die wirtschaftliche Freiheit eines Landes auf die Hygiene der Scheine aus. Je höher die untersuchten Staaten im Index für wirtschaftliche Liberalität abschnitten, desto sauberer waren ihre Scheine. Das am meisten mit Keimen behaftete Geld fanden die Wissenschaftler in China.

Interessant sind die Unterschiede in der Geldhygiene innerhalb der EU: Die Niederlande schneiden hier beispielsweise schlechter ab als Irland. Dabei gelten EU-weit die gleichen Auflagen für die Qualität von Geldscheinen. Sie werden, bevor sie von Kunden an Automaten gezogen werden können, maschinell auf Beschädigung und Verschmutzung untersucht und gegebenenfalls aussortiert.

Geld von Nahrung trennen

Bei ihren Testproben fanden die Forscher der australischen Universität in allen Ländern verunreinigte Scheine. Darunter sowohl Banknoten mit Bakterien, welche für Menschen harmlos sind als auch solche mit Mikroorganismen, die Krankheiten hervorrufen können. Auch die Forscher von der Wright-Patterson Air Force Base in Ohio entdeckten bei Untersuchungen von US-Dollar-Scheinen gefährliche Krankheitserreger.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der Kontakt mit Viren oder Bakterien auf Scheinen ausreicht, um tatsächlich krank zu werden. Die trockenen Scheine sind insgesamt kein guter Nährboden für die Erreger. Denn Bakterien und Viren benötigen Wärme und Feuchtigkeit, um zu überleben und sich zu verteilen. Da sich die Keime auf den Geldnoten nicht vermehren, weist die Oberfläche von Bargeld nicht mehr Krankheitserreger auf als beispielsweise Obst vom Markt. Dementsprechend handelt es sich um eine geringe Besiedlungsdichte. Zudem nimmt die Anzahl der Keime mit dem Alter der Scheine zu. In der EU werden sie jedoch innerhalb weniger Jahre aus dem Verkehr gezogen.

Dennoch sollte der Kontakt zwischen Bargeld und Nahrungsmitteln vermieden werden. Das Team von Vrieskoop bestätigt, was Gesundheitsexperten empfehlen: In der Gastronomie sollten Geld und Nahrung stets separat gehandhabt werden. Der Einzelne kann sich vor Infektionen durch regelmäßiges Händewaschen schützen. Dabei ist es kein Unterschied, ob er Geld oder etwa Türklinken in öffentlichen Gebäuden angefasst hat.

Gut zu wissen: Bankkunden, die am Automaten auf "frische" Scheine warten, sollten sich nicht zu früh freuen. Englische Wissenschaftler um den Mikrobiologen Richard Hastings nahmen in mehreren englischen Städten Proben an Geldautomaten. Das erschreckende Ergebnis: Sie fanden auf den Zahlenblöcken von Automaten, an denen Kunden ihren Pin eingeben, ebenso viele Keime wie auf nahe gelegenen öffentlichen Toiletten.

Quelle: n-tv.de

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