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Alesi, der Schädel der  ausgestorbenen Affenart Nyanzapithecus alesi (KNM-NP 59050).
Alesi, der Schädel der ausgestorbenen Affenart Nyanzapithecus alesi (KNM-NP 59050).(Foto: Fred Spoor/dpa)
Mittwoch, 09. August 2017

Fundsache, Nr. 1357: 13 Millionen Jahre alter Primaten-Schädel

Schon der Fund eines Zahns aus dieser Zeit gilt als Glück: Forscher entdecken in Kenia einen 13 Millionen Jahre alten Schädel, der auch noch perfekt erhalten ist. Er zeigt, wie die Ahnen der Menschenaffen und somit auch des Menschen einst aussahen.

Ein hervorragend erhaltener Primaten-Schädel aus Kenia veranschaulicht die Entstehung der Menschenaffen - und damit auch die des Menschen. Der 13 Millionen Jahre alte Fund zeigt, dass diese Ahnen wohl in Afrika lebten, und auch, wie sie ausgesehen haben. Es handele sich um den am besten erhaltenen Schädel einer ausgestorbenen Affenart, der je gefunden wurde, berichtet das Team um Isaiah Nengo von der Stony Brook University (US-Staat New York) und Fred Spoor vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Aus den Zahndetails schließen die Forscher in der Zeitschrift "Nature", dass es sich um ein Affenkind handelt, das im Alter von 16 Monaten vermutlich im Ascheregen nach einem Vulkanausbruch starb.

Cyprian Nyete und Isaiah Nengo bei der Ausgrabung von Alesi. Sie benutzen feine Stäbe und Pinsel, um das Fossil zu schützen.
Cyprian Nyete und Isaiah Nengo bei der Ausgrabung von Alesi. Sie benutzen feine Stäbe und Pinsel, um das Fossil zu schützen.(Foto: Isaiah Nengo)

Experten werten den Fund aus einer Zeit, aus der es kaum Objekte gibt, als Sensation. Mit so einer Entdeckung habe sie zu ihren Lebzeiten nicht gerechnet, schreibt Brenda Benefit von der New Mexico State University in einem "Nature"-Kommentar. Normalerweise sei man "überglücklich, wenn wir schon einen einzelnen Zahn finden". Den Schädel entdeckten die Forscher in der Region Napudet westlich des Turkana-Sees im Norden von Kenia. Dem Fund gaben sie den Namen Alesi, nach dem Turkana-Wort "Ales", das "Ahne" bedeutet.

Reichlich Details zur Lebensweise

Das Gehirn war etwa so groß wie ein Zitrone.
Das Gehirn war etwa so groß wie ein Zitrone.(Foto: Isaiah Nengo, Photo by Christopher Kiarie)

Verblüffend ist vor allem der Erhaltungszustand des Schädels, der nach einer 3D-Röntgenanalyse reichlich Details zur Lebensweise der bislang unbekannten Art Nyanzapithecus alesi verriet. "Wir konnten Hirnhöhle, Innenohr und die noch nicht durchgebrochenen bleibenden Zähne mit ihren täglichen Wachstumslinien sichtbar machen", sagt Paul Tafforeau von der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble. "Die Qualität unserer Bilder war so gut, dass wir anhand der Zähne herausfinden konnten, dass das Kind etwa ein Jahr und vier Monate alt war, als es starb."

In der European Synchrotron Radiation facility wurde der Schädel gescannt.
In der European Synchrotron Radiation facility wurde der Schädel gescannt.(Foto: Paul Tafforeau/dpa)

Die knöchernen Gehörgänge verraten demnach, dass Alesi zu den Menschenartigen (Hominoidea) gehört und ein Vorfahr der heutigen Menschenaffen (Hominidae) war. Ausgewachsen hätte das Tier gut elf Kilogramm gewogen. Das Gehirn war etwa so groß wie ein Zitrone. Mit der im Verhältnis zum Schädel kleinen Schnauze und Nase ähnelte das Junge heutigen Gibbons (Hylobatidae), die als Kleine Menschenaffen gelten - im Unterschied zu den eigentlichen Menschenaffen Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Homo sapiens.

Fortbewegung ähnlich wie heutige Menschenaffen

"Zuerst könnte man denken, es handelt sich um einen ausgestorbenen Gibbon", sagt Chris Gilbert vom Hunter College in New York. "Allerdings zeigen unsere Analysen, dass dieses Erscheinungsbild nicht ausschließlich bei Gibbons gefunden wird, sondern sich im Laufe der Evolution bei den ausgestorbenen Menschenaffen, Affen und ihren Verwandten mehrfach entwickelt hat."

Zudem zeigen Untersuchungen des am Gleichgewichtssinn beteiligten Innenohrs, dass sich die Art - im Gegensatz zu Gibbons - nicht akrobatisch schnell von Baum zu Baum schwang. Stattdessen bewegte sie sich gemächlicher fort, ähnlich wie heutige Menschenaffen.

"Nyanzapithecus alesi gehörte einer Gruppe von Primaten an, die bereits seit mehr als zehn Millionen Jahren in Afrika leben", betont Erstautor Nengo. "Die Entdeckung von Alesi zeigt, dass diese Gruppe dem Ursprung heute lebender Menschenaffen und Menschen sehr nahe war und dass dieser Ursprung afrikanisch war." Der letzte gemeinsame Ahne von Mensch und Schimpanse lebte übrigens erst sehr viel später - vor etwa sechs bis sieben Millionen Jahren.

Quelle: n-tv.de

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