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Frühmenschen waren vor 500.000 Jahren nicht die einzigen gefährlichen Jäger.
Frühmenschen waren vor 500.000 Jahren nicht die einzigen gefährlichen Jäger.(Foto: imago stock&people)
Donnerstag, 28. April 2016

Fundsache, Nr. 1322: Angenagter Menschenknochen in Marokko

Der Vorfahr des modernen Menschen musste sich in einer Welt voller Gefahren zurechtfinden. Zwar war er dank seiner Intelligenz ein gefährlicher Jäger, der Raubtiere bezwang. Doch war er auch ein Gejagter, wie ein Knochenfund vermuten lässt.

Frühmenschen standen vor Hunderttausenden Jahren auf dem Speiseplan großer Fleischfresser. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der Analyse eines etwa 500.000 Jahre alten Oberschenkelknochens, der aus einer Höhle in Marokko stammt. Die Bissspuren deuten darauf hin, dass der Knochen des Frühmenschen von großen Fleischfressern abgenagt wurde, vermutlich von Hyänen. Das berichtet das Team um Camille Daujeard vom Muséum National D'Histoire Naturelle in Paris und Jean-Jacques Hublin vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Fachblatt "Plos One".

An beiden Enden des Oberschenkelknochens eines 500.000 Jahre alten Homininen aus Marokko befinden sich Beißspuren, die von Fleischfressern stammen.
An beiden Enden des Oberschenkelknochens eines 500.000 Jahre alten Homininen aus Marokko befinden sich Beißspuren, die von Fleischfressern stammen.(Foto: Max-Planck-Gesellschaft für evolutionäre Anthropologie)

Dass Frühmenschen - im Fachjargon Hominine genannt - Raubtieren nachstellten und sie auch aßen, ist gut belegt. Umgekehrt gab es bislang den Forschern zufolge nur wenige Hinweise dafür, dass Frühmenschen selbst von Fleischfressern verspeist wurden. Der nun untersuchte Oberschenkelschaft wurde südwestlich von Casablanca am Fundort "Thomas Quarry" in einer Höhle entdeckt.

Gejagt oder als Aas verspeist?

Bei der Analyse fanden die Forscher verschiedene Bissspuren, die vermutlich von den Zähnen von Fleischfressern stammen. Dazu zählen Löcher, Rillen und Einkerbungen, vor allem an den beiden Enden des Oberschenkelknochens. Ob die Fleischfresser den Frühmenschen tatsächlich jagten oder ihn letztlich nur als Aas verspeisten, wissen die Forscher nicht. Sie vermuten aber, dass er kurz nach seinem Tod verzehrt wurde. In der Region lebten damals diverse große Fleischfresser, neben Hyänen auch Leoparden und löwengroße Säbelzahnkatzen der Gattung Homotherium.

"Obwohl Begegnungen und Konfrontationen zwischen archaischen Menschen und großen Raubtieren während dieser Zeitperiode in Nordafrika nicht ungewöhnlich gewesen sein dürften, ist der 'Thomas Quarry'-Oberschenkel einer der wenigen Belege dafür, dass Hominine Fleischfressern manchmal als Nahrung gedient haben", wird Daujeard in einer Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zitiert.

Abhängig von den Umständen waren die Homininen jener Zeit Jäger und Aasfresser, aber auch selbst Beute oder Aas für Raubtiere. "Die Steinbrüche der Casablanca-Region sind Brennpunkte für die Forschung an Homininen aus dem Pleistozän in Afrika und nach wie vor eine Fundgrube für Fossilien und Artefakte", betont Hublin. "Sie beleuchten nicht nur das Leben unserer entfernten Vorfahren, sondern auch, welchen Gefahren diese ausgesetzt waren."

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Quelle: n-tv.de

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