Wissen
Montag, 09. Januar 2012

Fundsache, Nr. 1067: Galápagos-Schildkröte lebt doch

Eigentlich gilt die Chelonoidis-elephantopus-Riesenschildkröte auf den Galápagos-Inseln als ausgestorben. Jetzt haben Forscher durch Gentests nachgewiesen, dass es doch noch Tiere dieser Art geben muss. Die Schildkröten selbst wurden allerdings noch nicht gesichtet.

Eine seit 150 Jahren ausgestorben geglaubte Galápagos-Schildkröte existiert offenbar doch noch. Auf der Isabela-Insel leben direkte Nachkommen von mindestens 38 reinrassigen Chelonoidis-elephantopus-Exemplaren, schreiben Forscher der Yale University im Fachjournal "Current Biology". Ein Teil der Mischlinge sei erst in den vergangenen 15 Jahren geschlüpft. Bei einer Lebenserwartung von mehr als 100 Jahren sei es wahrscheinlich, dass zumindest einige der reinrassigen Ahnen noch leben.

Eine Riesenschildkröte bei Puerto Ayora auf den Galápagos-Inseln.
Eine Riesenschildkröte bei Puerto Ayora auf den Galápagos-Inseln.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Selbst wenn diese nicht gefunden würden, könnte eine Rückkehr von Chelonoidis elephantopus möglich sein, erläutern die Forscher in einer Mitteilung ihrer Universität. Nötig sei dann ein Zuchtprogramm mit den Hybriden aus C. becki und C. elephantopus. Kennzeichnend für C. elephantopus ist ein sattelähnlicher Panzer, der Rücken der auf Isabela heimischen Wolf-Riesenschildkröten (C. becki) ist deutlich stärker gewölbt.

C. elephantopus stammt ursprünglich von der Floreana-Insel, die mehr als 300 Kilometer von Isabela entfernt liegt. Die Landschildkröten wurden von den Walfängern in der Region als Nahrungslieferant so intensiv bejagt, dass die Unterart schließlich als ausgestorben galt. Einige Exemplare hätten aber wahrscheinlich auf Isabela überlebt, schreiben die Forscher. Selbst dorthin geschwommen seien die Tiere wohl nicht, sondern möglicherweise von Walfangschiffen entkommen.

Durch genetischen Fingerabdruck wiederentdeckt

Die Wissenschaftler um Gisella Caccone hatten im Jahr 2008 Blutproben von mehr als 1600 Wolf-Riesenschildkröten auf Isabela genommen und ihr Erbgut mit dem lebender und ausgestorbener Riesenschildkröten der Galápagos-Inselgruppe abgeglichen. Dabei hatten sie bei 84 Tieren genetische Hinweise darauf gefunden, dass ein Elternteil eine reinrassige Chelonoidis elephantopus war. "Nach unseren Kenntnissen ist es das erste Mal, dass es gelang, über den genetischen Fingerabdruck im Genom ihrer Mischlings-Nachkommen eine Art wiederzuentdecken", erläutert Ryan Garrick in der Mitteilung.

Die Galápagos-Inseln sind eine Gruppe aus mehr als 100 Inseln im östlichen Pazifischen Ozean mehr als tausend Kilometer westlich von Südamerika. Der Archipel gehört zu Ecuador. Der britische Naturforscher Charles Darwin (1809-1882) sammelte auf seiner berühmten Reise mit der "HMS Beagle" Daten unter anderem zu den Finken und Riesenschildkröten der Inselgruppe – die später zur Basis seiner Evolutionstheorie wurden.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen