Montag, 12. Oktober 2009
Fundsache, Nr. 726: Königliche Krankheit vererbt
Die von der britischen Königin Victoria (1819-1901) an den europäischen Adel vererbte Blutgerinnungsstörung war vermutlich Hämophilie B. Das berichtet eine Gruppe um Evgeny Rogaev von der University of Massachusetts Medical School in Worcester. Die Wissenschaftler hatten historische Stammbäume aufgestellt und Erbanlagen adeliger Leichen analysiert. Die Resultate stehen im Journal "Science".
Historiker hatten bereits vor dieser neuen Analyse von einer Blutkrankheit berichtet und diese von Victoria über deren Töchter und Enkelinnen bis hin zu Adelsfamilien in Deutschland, Spanien und Russland verfolgt. An der Krankheit litt auch der letzte russische Thronfolger Alexej (1904-1918).
Schlecht zu stillende Blutungen gehörten zu den Folgen. Vor wenigen Jahren hatten russische Archäologen in einem Birkenwald bei Jekaterinburg im Ural die Überreste des ermordeten Zaren Nikolaus II. und seiner Familie gefunden, zu der auch Alexej gehörte. Damit stand nun auch genetisches Material für eine Analyse der Krankheit zur Verfügung. Im Labor wurden die DNA-Sequenzen aus den Knochenproben gewonnen, vervielfältigt und sequenziert. Durch den Vergleich mit dem genetischen Material anderer Bluter ermittelten Rogaev und seine Kollegen eine besonders schwere Form der Hämophilie B als Ursache der sogenannten "Königlichen Krankheit".
dpa
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