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Fundsache, Nr. 897Königliche Loge des Herodes

15.09.2010, 11:43 Uhr
imagevon Ulrich Sahm

Die Loge, aus der König Herodes auf die Bühne seines kleines Privattheaters blickte, war aufwendig geschmückt. Der Stil von Stuck und Fresken mutet italienisch an. Schlug sich hier das Treffen des Königs mit Marcus Agrippa nieder?

König Herodes, ein paranoider, grausamer König, wurde schon zu Lebzeiten von Todesängsten verfolgt. Als größter Bauherr aller Zeiten im Heiligen Land hat er mehrere Paläste hinterlassen, die Festungen gleichen. So etwa auf dem Herodion bei Bethlehem und auf Massada am Toten Meer. Gleichzeitig liebte Herodes einen überschwänglichen Luxus.

So war es Mode in Rom

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Das Herodion: ein künstlich aufgeschütteter Kegel mit Festungs- und Palastanlage. (Foto: U. Sahm)

In der Nähe vom kleinen Privattheater des Königs, am nördlichen Abhang des von Herodes zu einem Kegel aufgeschütteten Herodions, haben Archäologen jetzt die königliche Loge des Herodes und seiner Familienangehörigen freigelegt. Die drei Wände sind mit Stuck und Fresken geschmückt, in einem Stil, wie man ihn in Israel noch nirgendwo anders entdeckt hat. Es handelt sich um einen Kunststil wie er damals, um 15 vor Chr., in Rom und in der Campania Mode war. Vielleicht hatte Marcus Agrippa Künstler aus Italien zu Herodes geschickt, nachdem sich beide im Jahr 16. vor Chr. auf der griechischen Insel Lesbos getroffen hatten. So jedenfalls spekuliert Professor Ehud Netzer, Leiter der Ausgrabungen.

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So sieht das falsche Fenster aus. Ähnliche Darstellungen fand man in Pompeji. (Foto: U. Sahm)

Die Loge, ein acht mal sieben Meter großes und etwa sechs Meter hohes Zimmer, erlaubte neben dem Blick ins Theater auch den auf das etwa 20 Kilometer entfernte Jerusalem. In unmittelbarer Nachbarschaft hatte Netzer vor drei Jahren die Reste des Mausoleums und sogar des zertrümmerten Sarkophags aus rotem Marmor von Herodes entdeckt. An die Wände der Loge sind falsche Fenster gemalt die sich zu Landschaften, dem Nil und einem Segelboot im Meer öffnen. Zu erkennen sind Menschen, Tiere und Bäume. Einige dieser Fenster wurden intakt gefunden, andere als Fragmente auf dem Fußboden. Sie werden zurzeit in Labors des Jerusalemer Israel-Museums restauriert. Ähnliche Fenster mit Fensterläden und unrealistischen Ansichten aus dem Theater fand man in Pompeji in der „Villa Imperiale“. Sie stammen aus der gleichen Zeit.

Kochgeräte und Graffiti

Das Theater des Herodes wurde nur eine kurze Zeit lang genutzt, knapp zehn Jahre. Kurz vor dem Tod des Königs wurde es mutwillig zerstört, um nicht die konische Form des künstlichen Hügels zu stören. Als das Herodion aufgeschüttet wurde, benutzten zeitweise Arbeiter die Loge. Sie hinterließen Kochgeräte und Grafitti an den Wänden.

Für das kommende Jahr plant das Israel-Museum eine große Ausstellung mit Funden aus dem Herodes-Grabe und dem Theater. Vorerst sind die Überreste der Loge und des Theaters nicht zugänglich. Es soll erst noch ein Schutzdach errichtet werden.

Quelle: ntv.de