Fundsache, Nr. 758Lepra-Kranker aus der Zeit Jesu
Es ist der älteste bekannte Fall von Lepra, der mit Labormethoden nachgewiesen wurde: Archäologen fanden die Überreste eines Mannes, der vor rund 2000 Jahren an der Krankheit starb.
In einer Gruft aus Jesu Zeiten haben Forscher in Jerusalem Anzeichen für Lepra bei einem männlichen Leichnam gefunden. Der Mann habe an dieser Krankheit und zudem an Tuberkulose gelitten, berichtet das Forscherteam unter Leitung von Carney Matheson von der Universität Lakehead in Kanada im Online-Fachmagazin "PLoS ONE". Es handle sich um den ältesten bekannten Fall von Lepra, der mit Labormethoden nachgewiesen wurde.
Mit der Krankheit ließe sich auch erklären, warum sich nach dem Tod des unbekannten Zeitgenossen Jesu niemand in die Grabhöhle wagte, um die Knochen entsprechend der damaligen Sitte in einen Knochenkasten umzubetten. Wie die Hebräische Universität in Jerusalem mitteilt, habe der namenlose Mann der Aristokratie und vielleicht sogar der Priesterkaste angehört, zumal er in einer Höhle "mit Blick auf den Tempel" begraben worden sei. Er war also offenbar ein angesehenes Mitglied der Jerusalemer Gesellschaft vor 2000 Jahren. Die aus Indien importierte Krankheit hat im ersten Jahrhundert damit auch Mitglieder der "hohen Gesellschaft" infiziert.
In dem Grab wurden auch Reste eines Leichentuchs entdeckt sowie Haare. Die in Stein gehauene Gruft mit mehreren Kammern liegt im Hinnom-Tal auf einem Friedhof, der bereits in der Bibel als Blutacker beschrieben wurde (Matthäus 27:3 - 8). Bei anderen Verstorbenen in der Gruft seien ebenfalls Anzeichen von Tuberkulose gefunden worden, berichten die Forscher weiter. Man habe DNA-Proben entnommen, um die Verwandtschaftsverhältnisse zu klären. Es sei das erste Mal, dass ein Grab aus dem ersten Jahrhundert der modernen Zeitrechnung mit molekularen Mitteln untersucht wurde.
"Der Fund von Tuberkulose und Lepra bei den Menschen, die im 'Leichentuch-Grab' begraben liegen, ist wichtig für das Verständnis der geografischen und zeitlichen Verbreitung von Tuberkulose und Lepra im Altertum", erklärt Matheson. Die molekulare Archäologie könne künftig viel zur Erforschung von Krankheiten im Altertum beitragen.