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Im Historischen Museum der Pfalz in Speyer wurde 2006 eine Rekonstruktion des Kopfes von Heinrich IV. gezeigt. Er war auf der Basis von drei Fotografien entstanden.
Im Historischen Museum der Pfalz in Speyer wurde 2006 eine Rekonstruktion des Kopfes von Heinrich IV. gezeigt. Er war auf der Basis von drei Fotografien entstanden.(Foto: picture alliance / dpa)

Fundsache, Nr. 941: Schädel von "Henri Quatre"

400 Jahre nach seiner Ermordung haben britische Forscher die verschollenen sterblichen Überreste des französischen Königs Heinrich IV. identifiziert. Eine wissenschaftliche Fleißarbeit löst ein von Legenden umgebenes Geheimnis.

Wo steckt der Schädel des Königs, dessen 400. Todestag zurzeit in Frankreich mit Ausstellungen gewürdigt wird? Das fragten sich vor kurzem noch viele. "Sein Kopf befindet sich noch irgendwo", sagte der Historiker Jean-Pierre Babelon unbestimmt erst vor wenigen Monaten auf einem Kolloquium des bedeutenden Institut de France. Der 78-Jährige gilt als ausgewiesener Heinrich-IV.-Experte. Dank der Hilfe britischer Wissenschaftler ist das Geheimnis um den royalen Schädel nun gelüftet: Der Kopf liegt in einem Massengrab mit Gebeinen anderer Adliger in der Kathedrale von Saint-Denis.

Seit 1947 fehlte von dem Kopf des am 14. Mai 1610 ermordeten volksnahen Königs (1553-1610) jede Spur. Das British Medical Journal berichtet nun, ein Team aus Anthropologen, Pathologen, Genetikern und Gerichtsmedizinern habe den Totenschädel eindeutig in der Basilika von Saint-Denis identifiziert, wo zahlreiche Gräber während der Französischen Revolution zerstört worden waren. Dem gotischen Gotteshaus kommt in der Geschichte der französischen Monarchie eine besondere Rolle zu, denn seine Gemäuer beherbergen die Gräber der Könige Frankreichs.

Ohrfeigen, Brüche, Massengrab

Nach der Identifizierung könnte dem Toten nun ein würdiges Begräbnis gegeben werden, sagte Philippe Charlier, der die Forschergruppe geleitet hatte. Was als sicher gilt ist, dass Heinrichs Grab -wie viele der Königsgräber- während der Französischen Revolution (1789-1799) geplündert wurde. "Seine Leiche wurde aus dem Sarg geholt. Sie wurde brutal geohrfeigt. Man brach ihm einen Arm und ein Bein, riss ihm den Bart aus und warf ihn in ein Massengrab", sagte Babelon auf dem Kolloquium. Als am 18. Januar 1817 Ludwig XVIII. das Massengrab der Könige öffnen ließ, fand man zwar die Leiche des Bourbonenkönigs, jedoch ohne Kopf.

Seitdem gab es viele Hypothesen. Babelon gehört zu jenen, die vermuten, dass der Schädel zunächst über den Grafen Erbach, der ihn im Jahr 1793 von einem Totengräber erworben haben soll, nach Deutschland gelangte. Dann soll er in den Besitz der Pariser Montmartre-Malerin Emma Camille Nallet Poussin gewechselt haben. Deren Erben sollen am 31. Oktober 1919 die königlichen Überreste für eine klägliche Summe an einen Fotografen im bretonischen Dinard verkauft haben, der in den 30er Jahren den Kopf als den des Königs ausstellte und für Schlagzeilen sorgte. Nach dem Tod des Sammlers 1947 schlugen dessen Schwestern das Relikt dem Louvre vor, der die Authentizität aber anzweifelte. "Seitdem fehlt jegliche Spur", sagte Babelon.

Guter König und Frauenheld

Heinrich IV. liebte sein Volk, das heute noch das Gedenken an den "guten König" und seine Sozialpolitik hochhält. Er war auch wegen des Edikts von Nantes in die Geschichte eingegangen, das nach Jahren des Bürgerkrieges in Frankreich ein friedliches Zusammenleben von Katholiken und Protestanten ermöglichte. Der Öffentlichkeit ist "Henri Quatre", wie die Franzosen ihren König nennen, vor allem als Frauenheld und Autor des Satzes "Paris ist eine Messe wert" bekannt.

Quelle: n-tv.de

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