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Vor 15 Jahren wurde die Karsthöhle bei Tel Aviv zufällig entdeckt.
Vor 15 Jahren wurde die Karsthöhle bei Tel Aviv zufällig entdeckt.(Foto: picture alliance / dpa)

Fundsache, Nr. 1318: Steinzeitmensch kochte Schildkrötensuppe

2001 wird die Kassem-Höhle bei Tel Aviv entdeckt. Seitdem dient sie Experten zur Erforschung der humanen Prähistorie. Jetzt finden Forscher anhand von Knochenfunden heraus: Der steinzeitliche Speiseplan war abwechslungsreicher als bislang angenommen.

Es musste nicht immer Pflanzenkost oder Dammhirsch sein: Steinzeitmenschen, die vor hunderttausenden Jahren an der Ostküste des Mittelmeers lebten, brieten und kochten auch Landschildkröten als Ergänzungsnahrung. Dies fand ein internationales Expertenteam heraus, zu dem auch Wissenschaftler des Frankfurter Senckenberg Forschungsinstituts gehören. Am Dienstag wurden die Erkenntnisse von beteiligten israelischen Archäologen und in der internationalen Halbmonatsschrift "Quaternary Science Reviews" veröffentlicht.

Sie stützen sich auf Knochenfunde in der Kassem-Höhle östlich von Tel Aviv. Diese erst vor 15 Jahren zufällig freigelegte Karsthöhle ist eine der weltweit wichtigsten Grabungsstätten für die Erkundung der humanen Prähistorie.

400.000 Jahre alte Funde

"Bisher wurde angenommen, dass die Frühmenschen im Altpaläolithikum vor allem erjagtes Großwild und Gemüse aßen", erklärte Professor Ran Barkai vom Archäologie-Institut der Tel Aviver Uni. "Unsere Entdeckung erweitert unser Wissen über sie um eine sehr menschliche, kulinarische und damit kulturgeschichtliche Dimension."

Die Forscher fanden Knochen und Panzer der Landschildkröten in dem gesamten Karstsystem verstreut. Daraus folgern sie, dass diese Tiere während 200.000 Jahren von den Steinzeitbewohnern verspeist wurden. In der Kassem-Höhle wurden 400.000 bis 200.000 Jahre alte Siedlungspuren entdeckt; danach verfüllte sich der Hohlraum mit Sedimenten.

Menschliche Zahnfunde lassen darauf schließen, dass hier auch frühe Homo sapiens lebten, was aber noch nicht als endgültig gesichert gilt. Auf Basis dieser Zähne wussten die Experten aber bereits, dass die Kassem-Menschen eine recht ausgewogene Speisekarte mit Gemüse und Fleisch von Hirschen, Wildpferden und gelegentlich Auerochsen hatten.

Gegrillt oder gekocht

"Nun können wir sagen, dass sie auch Landschildkröten aßen, obwohl diese nicht so kalorienreich waren wie beispielsweise die hier häufig auftretenden Damhirsche", erläutert Barkai. Bearbeitungsspuren zeigen, dass die Schildkröten vor dem Verzehr entweder im Panzer gegrillt oder mit Flintstein-Werkzeugen aufgebrochen und ihr Fleisch dann gekocht wurde. Das sind die bislang ältesten Spuren für die Zubereitung von Schildkrötensuppe.

Die neuen Entdeckungen sind auch ein weiterer Hinweis auf eine gewisse Arbeitsteilung in den frühmenschlichen Zivilisationen, ergänzt der Tel Aviver Archäologieprofessor Avi Gopher. Während die Jungen jagten, trugen die Älteren und Kinder mit Sammeln zur Nahrungssicherung bei. Und die langsamen Schildkröten waren leicht aufzulesen. So bildete das zudem gut konservierbare Fleisch dieser Wirbeltiere eine gute Ergänzung gerade in wildärmeren Jahreszeiten.

Quelle: n-tv.de

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