Wissen
Der Kopf war zwischen den Beinen platziert worden. Ein weiterer Hinweis auf ein Vampirbegräbnis? Oder handelt es sich doch eher um Gehenkte?
Der Kopf war zwischen den Beinen platziert worden. Ein weiterer Hinweis auf ein Vampirbegräbnis? Oder handelt es sich doch eher um Gehenkte?(Foto: dpa)

Fundsache, Nr. 1207: Vampirfriedhof in Polen entdeckt

Kein Schmuck, keine Kleidung, keine Münzen: Nichts ist bei den Knochen zu finden, die beim Bau einer Straße in Gliwice entdeckt werden. Doch eines sehen die Archäologen sofort: Die Schädel der Bestatteten waren mit Steinen beschwert worden. Und klar ist: So wurden Vampire beerdigt. Denn niemand wollte, dass sie ins Leben zurückkehren.

Der Bau einer Umgehungsstraße in Gliwice brachte sie ans Tageslicht. Nun grübeln die Archäologen: Vier Skelette mit abgetrennten Schädeln; die waren zwischen den Knien oder Händen der Toten bestattet worden. Die polnische Boulevardpresse hatte sofort eine Erklärung: "Vampirgräber gefunden!", meldete sie aufgeregt. Chefarchäologe Jacek Pierzak von der Denkmalschutzbehörde in Katowice drückt sich zurückhaltend aus: "Es ist noch zu früh, um Konkretes zu sagen."

Mittlerweile sind 13 ähnliche Skelette gefunden worden, und mit jeder neuen Entdeckung steigt in Polen die Aufregung um den "Friedhof der Vampire". Für die Wissenschaftler war es zunächst schwer, Angaben zum Alter der Skelette zu machen. Kein Schmuck, keine Kleidungsreste, keine Münzen, nicht einmal ein Knopf war bei den Knochen zu finden.

Schädel mit Steinen beschwert

Pierzaks Kollege Lukasz Obtulowicz sah dennoch klare Indizien für ein Vampirbegräbnis, etwa in den Steinen, mit denen die Schädel beschwert worden waren. "Das alles diente dem Schutz vor der Rückkehr der Vampire ins Leben", sagte er. "Es war eine der beliebtesten Bestattungsarten gegen Vampire", sagt auch Pierzak.

Schätzungen zufolge stammen die Skelette aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Unter den Slawen gab es zu dieser Zeit durchaus Vampirglauben. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um Tote aus den Hussitenkriegen handelt oder um Hingerichtete. In der Nähe des Fundorts soll sich einst der Galgen befunden haben.

Gehenkte oder kopflose Untote?

Fest steht: Die angeblichen Vampire waren nicht die einzigen, die in dem Gräberfeld beigesetzt wurden. Bisher fanden die Archäologen immerhin 43 Gräber. "Für die Wissenschaft wäre ein so großer Friedhof von Gehenkten eine Sensation", versichert Pierzak der Zeitung "Dziennik Zachodni". Auch wenn der Archäologe weiß, dass die Zeitungsleser auf Sensationen über kopflose Untote hoffen. Angesichts der großen Zahl von Toten hoffen die Wissenschaftler auf nähere Erkenntnisse etwa durch Gerichtsakten oder Kirchenbücher mit Berichten über Hinrichtungen.

Anthropologen werden in der nächsten Zeit die Skelette genauer untersuchen. Sie erhoffen sich Informationen über das ungefähre Alter und mögliche Verletzungen vor dem Tod. Noch aber ist das Geheimnis der angeblichen Vampire nicht gelüftet. Solange die Wissenschaftler nicht mit einem sehr viel prosaischeren Beweis kommen, dürfte das Gräberfeld auch weiterhin in der Öffentlichkeit als Vampirfriedhof gelten. In Gliwice können sich die ganz hartnäckigen Fans der Untoten zudem auch musikalisch auf Übersinnliches einstellen: Auf dem Spielplan des örtlichen Theaters steht das Stück "Vampire".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen