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Falsche Augen im TropenwaldRaupen tarnen sich vielfältig

15.06.2010, 11:06 Uhr

Fressen und gefressen werden ist ein Gesetz der Natur. Um ihrem Schicksal zu entgehen, haben sich viele Arten Schutzmechanismen angeeignet. Schmetterlingsraupen tarnen sich mit Augen, die sie als gefährliche Räuber erscheinen lassen.

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Schmetterlingsraupen können sich mit Hilfe eines chemischen Tricks in Ameisennester einschmuggeln. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Vögel in den tropischen Wäldern Costa Ricas haben es bei der Nahrungssuche nicht leicht: Viele eigentlich schmackhafte Schmetterlingsraupen tarnen sich mit falschen Augen oder Gesichtern als gefährliche Räuber, um dem Gefressenwerden zu entgehen. Nach Ansicht von US-Forschern löst diese Tarnung bei den Vögeln ein angeborenes Fluchtverhalten aus: Sie flattern davon, obwohl eine völlig wehrlose Beute vor ihnen liegt. Die Wissenschaftler berichten in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften über ihre Untersuchung.

Die Vielfalt der Tarntrachten unter den Schmetterlingsraupen in den tropischen Wäldern ist enorm: Einige Arten tragen Zeichnungen, die einem Schlangenkopf erstaunlich ähnlich sehen, andere präsentieren ihren Feinden glühende rote Augen oder leuchtend helle Flecken. Die meisten Augen oder Gesichter imitierten nicht exakt eine andere, gefährliche Art, schreiben Daniel Janzen von der University of Pennsylvania und seine Mitarbeiter. Sie alle aber erzeugten die Illusion von Augen oder Gesichtern, wenn sie flüchtig betrachtet werden. Blickten Vögel etwa in zwei leuchtend rote Flecken, nachdem sie auf der Jagd nach leckeren Raupen ein eingerolltes Blatt aufgerissen haben, nehmen sie fluchtartig Reißaus.

Vieles spreche nun dafür, dass dieses Fluchtverhalten der Vögel angeboren und nicht erlernt sei, glauben die Forscher. Darauf deute zum einen die große Anzahl von Raupen und Larven unterschiedlichster Arten hin, die eine entsprechende Tracht tragen. Bei jeder Nahrungssuche treffe ein Vogel auf teils hunderte verschiedene Arten – und damit auf hunderte verschiedene Tarntrachten. Es sei nicht anzunehmen, dass jeder Vogel jede Art durch Ausprobieren auf ihre Giftigkeit und Gefährlichkeit überprüfe, schreiben die Forschern. Zudem sei es Angesichts der drohenden Gefahr durch zum Beispiel eine echte Schlange sinnvoller, einmal zu oft zu flüchten und auf einen schmackhaften Happen zu verzichten, als bei einem Versuch das Leben zu risikieren.

Quelle: dpa