Spezial

"Tsutsugamushi"-Krankheit droht Flüssigglas dichtet Leck ab

2x505550.jpg2320582094561545992.jpg

Die Arbeiter in Fukushima müssen immer wieder improvisieren.

(Foto: dpa)

An der Atomanlage Fukushima kämpfen die Arbeiter weiter gegen verseuchte Wassermassen. Sie können einen ersten Erfolg verbuchen. Sie haben ein Abdichtmittel für den Riss in Reaktorblock 2 gefunden. Derweil fließt schwach radioaktives Wasser weiter ins Meer. In den von Erdbeben und Tsunami verwüsteten Gegenden droht jedoch die Ausbreitung einer gefährlichen Milbe.

Der Kampf gegen das Leck an der Atomanlage Fukushima kommt voran. Die Menge an ausströmendem verstrahltem Wasser habe sich verringert, berichteten japanische Medien unter Berufung auf den Energiekonzern Tepco. Nach mehreren gescheiterten Versuchen half nun offenbar ein Abdichtmittel auf Basis von Flüssigglas, das die Arbeiter in den betreffenden Kanalschacht gegossen hatten.

2x505518.jpg4934910002966004133.jpg

Die defekten Reaktoren müssen noch immer gekühlt werden.

(Foto: dpa)

Gleichzeitig wurden Messergebnisse vom Samstag bekannt, wonach die Jod-Konzentration im Meer vor Reaktorblock 2 um das 7,5-Millionenfache über den zulässigen Grenzwerten liegt. Das bisher unkontrolliert ins Meer strömende, hoch radioaktiv verseuchte Wasser stammt vermutlich aus Block 2, in dem die Brennstäbe teilweise geschmolzen waren. Die Regierung kündigte schärfere Kontrollen bei Meeresfrüchten an. Um das Wasser endgültig zu stoppen, sollten noch einmal 1500 Liter des Abdichtmittels in den Schacht gekippt werden, meldete der Fernsehsender NHK.

Mit immer neuen Methoden versuchen die Helfer zudem, den Wassermassen in anderen Teilen der Atomanlage zu begegnen. Tepco braucht dringend Auffangmöglichkeiten für das Wasser, das zum Kühlen in die Gebäude geleitet wurde und sich dort nun angesammelt hat. Die Behörden gehen davon aus, dass inzwischen 60 Millionen Liter der Strahlensuppe im Keller der Reaktorgebäude sowie in unterirdischen Kanälen stehen. Das Wasser behindert die Bemühungen, die Atomruine in den Griff zu bekommen.

"Megafloat" soll entlasten

Helfen soll unter anderem ein Tankfloß, das bis zu 10 Millionen Liter an radioaktiv verseuchtem Wasser aufnehmen können soll. Es wird derzeit in eine Werft in der Tokioter Nachbarstadt Yokohama gezogen. Dort soll es für den Einsatz an der Atomruine umgebaut werden, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete. Das stählerne Tankfloß werde voraussichtlich nach dem 16. April in Fukushima eintreffen. Es ist 136 Meter lang und 46 Meter breit. Bisher diente es im Hafen der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka als schwimmende Insel für Angler.

1301997762.jpg2775112212043345337.jpg

Das stählerne Floß wird zuerst Richtung Yokohama gezogen.

(Foto: AP)

Hilfe versprechen sich die Arbeiter auch von Spezialschiffen der US-Marine sowie von behelfsmäßigen Tanks. Außerdem ist die Rede von Barrieren, die im Meer vor Fukushima verhindern sollen, dass sich vergiftetes Wasser unkontrolliert im Pazifik ausbreitet. Dabei handelt es sich um eine Art Netz, wie er auch bei Ölverschmutzungen zum Einsatz kommt. Der Vorhang wird am Meeresboden mit Gewichten beschwert. Allerdings ist ungewiss, ob diese Methode gegen radioaktive Substanzen wirkt.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco pumpt weiterhin leicht belastetes Wasser in den Ozean, um in den bereits bestehenden Tanks Platz für wesentlich stärker verstrahltes Wasser zu schaffen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, strömten bisher rund 3,4 Millionen Liter belastetes Wasser in den Pazifik. Insgesamt sollen 11,5 Millionen Liter abgelassen werden.

Regierungssprecher Yukio Edano verteidigte erneut die Aktion, die am Montag begonnen hatte und voraussichtlich bis zu diesem Wochenende dauern soll. Sie sei nötig, damit nicht stärker strahlendes Wasser ins Meer gelange. Angesichts möglicher Gefahren für Gesundheit und Umwelt zeigte sich die Regierung im nahe gelegenen Südkorea besorgt.

Tepco zahlt Entschädigungen

2011-04-05T135130Z_01_CB06_RTRMDNP_3_QUAKE-JAPAN.JPG1192651542310708240.jpg

Ein Farmer brennt sein Feld ab.

(Foto: REUTERS)

Die Menschen aus der Gegend um Fukushima können sich derweil auf erste Entschädigungszahlungen einstellen. Das Geld könnte zum Monatsende fließen - wie viel, ist aber noch unklar. Über die Höhe will sich Tepco mit der Regierung beraten, wie Kyodo unter Berufung auf den Konzern berichtete.

Rund 80 000 Anwohner der Atomruine hatten sich auf Weisung des Staates in Sicherheit bringen müssen. Zudem leiden viele Landwirte darunter, dass sie wegen radioaktiver Verstrahlung ihr Gemüse und Obst nicht mehr verkaufen können.

Tepco werde zunächst unter anderem für die Arztkosten und Einkommensausfälle aufkommen, hieß es. An der Börse in Tokio stürzte das Papier des Energiekonzerns um 18,1 Prozent auf 362 Yen (rund 3 Euro) und damit auf den tiefsten Stand seit 59 Jahren.

IAEA sieht Schuld bei Tepco

Inzwischen vollzieht die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eine Kehrtwende in der Bewertung der Ursachen für die Katastrophe von Fukushima. Tepco habe nicht genug Vorsorge betrieben, sagte der japanische IAEA-Chef Yukiya Amano. Zudem forderte er eine Stärkung der nuklearen Sicherheit weltweit, um solche Atomunfälle künftig zu vermeiden.

"Rückblickend betrachtet waren die Maßnahmen des Betreibers nicht ausreichend, um diesen Unfall zu verhindern", sagte Amano. Damit änderte der Chef der UN-Behörde, deren Aufgabe die friedliche Förderung der Atomenergie ist, seine ursprüngliche Haltung. In seiner ersten Reaktion am 14. März hatte Amano noch kaum kontrollierbare Naturkräfte für den Unfall in Fukushima verantwortlich gemacht - und nicht etwa menschliches Versagen oder falsches Design.

Warnung vor gefährlicher Milbenkrankheit

In den durch Erdbeben und Tsunami seit dem 11. März verwüsteten Landstrichen müssen sich die Menschen jetzt vor einer gefährlichen Milbenart in Acht nehmen. Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten warnt vor einer Ausbreitung des durch die Herbstgrasmilbe verursachten japanischen Flußfiebers, auch "Tsutsugamushi"-Krankheit genannt.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf das Institut berichtete, könnten durch Erdrutsche in Folge des Erdbebens Schlammmassen mit der Tsutsugamushi-Milbe in Gebiete gelangt sein, die zuvor nie einen Ausbruch der Krankheit erlebt hatten. Bei einem zwischen 60 und 70 Jahre alten Mann in der Unglücksprovinz Fukushima, wo das havarierte Atomkraftwerk steht, war am 22. März die Krankheit diagnostiziert worden, hieß es weiter.

Der jetzt eingesetzte Frühling sowie Herbst sind die Jahreszeiten, in denen die Krankheit am häufigsten auftritt. Patienten, die von der Milbe gebissen wurden, leiden unter anderem unter Fieber und Ausschlag. Ohne angemessene Behandlung, könnten sich Symptome verschlimmern, hieß es. Die Krankheit ist in Japan meldepflichtig..

Quelle: n-tv.de, rts/dpa/AFP