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Notfall-Mediziner befürchtet viele Verletzte "Primär erstmal überfordert"

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Noch ist die Zahl der Opfer unklar.

AP

Der Notfall-Mediziner Heinzpeter Moecke rechnet nach dem Beben in Japan mit vielen Verletzten. Nun sei es das Allerwichtigste, Menschen aus den eingestürzten Häusern zu befreien, sagt Moecke bei n-tv. Bei dem Unglück habe man es "mit einem riesigen Schadensereignis zu tun, was eigentlich die Infrastruktur eines jeden Landes primär erst mal überfordert".

Aus Ihrer Sicht als Mediziner – was ist im Moment das Wichtigste vor Ort, um den Verletzten zu helfen?

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Zahlreiche Gebäude gehen in Flammen auf.

(Foto: REUTERS)

Bei dem Ausmaß an Zerstörung, was wir in den Bildern sehen, muss man davon ausgehen, dass sehr viele Menschen durch die einstürzenden Häuser mit Verletzungen belastet sind und – wir haben die Feuer gesehen – wir müssen auch davon ausgehen, dass viele Brandverletzte zu beklagen sind. Für die Rettungsmaßnahmen ist sicherlich die größte Priorität im Moment, die Menschen aus den Häusern herauszuholen, die dort noch gefangen sind.

Sie haben schon Brandverletzungen angesprochen – mit was für Verletzungen muss man in einer solchen Situation am häufigsten rechnen?

Am häufigsten sind sicherlich Frakturen und Quetschungen, die alle Bereiche des Körpers betreffen können, also das, was man als traumatologische Verletzungen bezeichnet.

Wie sieht ein Notfallplan aus, wie würde er bei uns aussehen?

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Der Tsunami ist meterhoch.

(Foto: AP)

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Viele Häuser werden überschwemmt.

(Foto: REUTERS)

In Deutschland wie in allen anderen Ländern auch gibt es Katastrophen-Vorsorgepläne, die für die unterschiedlich großen Schadensereignisse abgestuft aktiviert werden können. Hier haben wir es mit einem riesigen Schadensereignis zu tun, was eigentlich die Infrastruktur eines jeden Landes primär erst mal überfordert.

Das heißt, sie glauben, da wäre auch internationale Hilfe vielleicht dann doch nötig?

Nein, ich glaube, die Hilfe, die jetzt sofort einsetzen muss, kann nur von den Japanern selber geleistet werden, weil – die anderen Kräfte müssten ja aus weiter entlegenen Regionen dort erst hingebracht werden. Und Japan ist, was die Qualität, die Ausrüstung, die Ausstattung des Katastrophenschutzes betrifft, sicherlich eines der am besten positionierten Länder weltweit. Ich glaube, im Moment ist das Entsenden von Hilfskräften nach Japan sicherlich nicht sinnvoll.

Ich stelle es mir unglaublich schwierig vor, wenn es so viele Verletzte gibt – wie entscheidet man, wem man als erstes hilft?

Wir haben in der Notfallmedizin das Prinzip der Triage, der Sichtung, wo wir die einzelnen Verletzten angucken, um festzustellen: sind das Patienten, die sofort behandelt werden müssen, oder ob es sich um Patienten handelt mit niedrigerer Dringlichkeit. In so einer Situation des Massenanfalls von Verletzten wird man viele Patienten, die nur leichtere Verletzungen haben, also zum Beispiel einen unkomplizierten Bruch des Unterarms, wird man in der Versorgung weit nach hinten stellen, um erst die Schwerstverletzten behandeln zu können.
 

Quelle: n-tv.de

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