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Elf Verletzte - Reaktorkern wohl intakt Weitere Explosion in AKW Fukushima

In Japan überschlagen sich die Ereignisse: Nach weiteren schweren Nachbeben kommt es im Reaktor 3 des schon schwer beschädigten Atomkraftwerkes Fukushima 1 zu einer Explosion. Dabei werden mehrere Menschen verletzt. Für zwei weitere Anlagen gilt Atomalarm. Gut 500.000 Menschen sind auf der Flucht. Zahlreiche Länder fordern ihre Staatsbürger auf, Japan zu verlassen.

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Blick auf den zerstörten Reaktor 1 des AKW Fukushima.

(Foto: AP)

Im japanischen verschärfen sich die Probleme, nachdem sich erneut eine Wasserstoffexplosion ereignet hat. Bei dem Zwischenfall sei aber wahrscheinlich keine größere Menge von Radioaktivität freigesetzt worden, teilte die Regierung mit. Demnach soll die innere Stahlhülle des Reaktorblocks 3 standgehalten haben. Dies betonte auch die Internationale Atomenergiebehörde unter Berufung auf die japanische Atomaufsicht. Auch der sei der Kontrollraum für den Reaktor weiter voll einsatzfähig. Das Reaktorgebäude selbst wurde erheblich beschädigt. In dem Atomkomplex der Betreiberfirma Tepco barbeiten Ingenieure verzweifelt daran, die Reaktoren zu kühlen und eine Kernschmelze zu verhindern.

Bei der neuen Explosion wurden elf Arbeiter verletzt, erklärten Tepco-Vertreter. Unter ihnen sind auch Armeeangehörige. Nach der neuen Explosion hat der Gouverneur von Tokio auch eine Strahlenmessung in der japanischen Hauptstadt angeordnet. Das Kraftwerk befindet sich etwa 240 Kilometer nordöstlich der Millionenstadt Tokio.

Rennen gegen die Zeit

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Tausende Retter sind unermüdlich im Einsatz.

(Foto: AP)

Sollte es nicht gelingen, die Reaktoren im AKW Fukushima I abzukühlen, könnten die Behälter schmelzen oder explodieren. Radioaktivität könnte dann in die Atmosphäre gelangen. Mit Meerwasser wurde zunächst versucht, drei Reaktoren abzukühlen. Nach Angaben der Regierung könnte es in einem der Reaktoren bereits eine teilweise Kernschmelze gegeben haben. In diesem Kraftwerksblock gab es bereits am Samstag eine Explosion. Techniker in Fukushima arbeiteten seit Freitag daran, Druck abzulassen und eine komplette Wenn Brennstäbe schmelzen zu verhindern. Nach dem Ausfall der Kühlsysteme war die Temperatur der Brennstäbe außer Kontrolle geraten. Nach offiziellen Angaben erlitten bislang 22 Menschen eine Strahlenvergiftung. Bis zu 190 kamen demnach mit Radioaktivität in Berührung. Inzwischen fiel auch im Reaktor 2 die Kühlfunktion aus, meldet die Nachrichtenagentur Jiji.

Die Regierung rief die Menschen auf, im Umkreis von 20 Kilometern um das Unglückskraftwerk in ihren Häusern zu bleiben. Trotz einer Evakuierungsanordnung sollen sich noch etwa 600 Menschen in dem Gebiet befinden. Gut 500.000 Menschen sind jedoch auf der Flucht aus der Region.

Entwarnung für Onagawa

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Japan-Karte von www.stepmap.de

(Foto: Stepmap)

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) haben die japanischen Behörden unterdessen für das Atomkraftwerk Onagawa wieder eine Normalisierung der Radioaktivität festgestellt. Offenbar sei der enorme Anstieg der  gemessenen Radioaktivität im Umfeld des Kraftwerks auf die zwischenzeitliche Belastung aus dem Atomkraftwerk Fukushima 1 zurückzuführen. Untersuchungen an der Anlage hätte  gezeigt, dass aus keinem der drei Blöcke in Onagawa radioaktive Strahlung entwichen sei. Zuvor hatten die Betreiber des AKW die niedrigste Notfallstufe ausgerufen.

Pumpenausfall in AKW Tokai

Wie die Feuerwehr berichtete, versagte eine Pumpe für das Kühlsystem im AKW Tokai am Sonntag den Dienst. Die Anlage steht nur rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio, sie hatte sich bei dem Beben automatisch abgeschaltet. Lokale Behörden sagten, es gebe keinen Grund zur Sorge mit der Kühlung, da die verbleibende Pumpe ihren Dienst problemlos verrichte. Alle Kontrollstäbe seien in der richtigen Position im Reaktor, hieß es. Die Betreiberfirma Japan Atomic Power Company versicherte, es habe keine Zwischenfälle beim Abkühlen des Reaktors gegeben. Das Tokai Kraftwerk ist seit 1978 in Betrieb. Erwartete Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 7,0 könnten die angeschlagenen Reaktoren weiter gefährden, warnten Experten.

Botschaften legen Staatsbürgern Ausreise nahe

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Vor den Toren Tokios wächst die Verzweiflung.

(Foto: AP)

Die Botschaften mehrere europäischer Staaten in Japan haben auf die Naturkatastrophe reagiert: Sie legten ihren Bürgern wegen drohender Nachbeben und eines möglichen GAU im beschädigten Kernkraftwerk Fukushima die Ausreise nahe. Die Deutschen im Krisengebiet und im Großraum Tokio/Yokohama wurden aufgefordert, zu prüfen, "ob ihre Anwesenheit in Japan derzeit erforderlich ist, und, wenn dies nicht der Fall sein sollte, ihre Ausreise aus dem Land in Erwägung zu ziehen". Dies gelte insbesondere für Familien mit kleinen Kindern, hieß es auf der Internetseite der deutschen Botschaft.

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Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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